[{"data":1,"prerenderedAt":-1},["ShallowReactive",2],{"decision-ecli-de-neuris-jure249031603":3,"decision-more-ecli-de-neuris-jure249031603":18},{"id":4,"ecli":5,"caseNumber":6,"courtId":7,"courtName":8,"courtSlug":9,"decisionDate":10,"fullText":11,"language":12,"source":13,"sourceUrl":14,"summary":15,"slug":16,"metadata":17},"40370","ECLI:DE:NEURIS:JURE249031603","7 Ni 11\u002F22 (EP)",42,"Bundespatentgericht","bundespatentgericht","2024-05-14T00:00:00.000Z","#  BPatG, Urteil vom 14. Mai 2024 - 7 Ni 11\u002F22 (EP) \n\n## Tenor\n\n**In der Patentnichtigkeitssache**\n\n…\n\n**betreffend das europäische Patent 3 088 599**\n\n**(DE 60 2016 001 785)**\n\nhat der 7. Senat (Nichtigkeitssenat) des Bundespatentgerichts auf Grund der mündlichen Verhandlung vom 14. Mai 2024 durch die Vorsitzende Richterin Kopacek sowie die Richter Dipl.-Ing. Wiegele, Dr. von Hartz, Dr.-Ing. Schwenke und Dipl.-Chem. Dr. Deibele\n\nfür Recht erkannt:\n\nI. Das europäische Patent 3 088 599 wird dadurch teilweise für nichtig erklärt, dass die angegriffenen Patentansprüche 1, 2, 4 bis 7 und 9 die nachfolgende Fassung erhalten, wobei die nicht angegriffenen Patentansprüche 3 und 8 unverändert bestehen bleiben:\n\nII. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.\n\nIII. Die Klägerin und die Beklagte tragen die Kosten des Rechtsstreits jeweils zur Hälfte.\n\nIV. Das Urteil ist im Kostenpunkt gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 120 % des jeweils zu vollstreckenden Betrags vorläufig vollstreckbar.\n\n## Tatbestand\n\n1\\. Die Klägerin begehrt die teilweise Nichtigerklärung des auch mit Wirkung für das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland erteilen europäischen Patents 3 088 599 B1 (Streitpatent). Die Beklagte ist die bei Klageerhebung eingetragene Inhaberin des in französischer Verfahrenssprache erteilten Streitpatents, das am 7. April 2016 angemeldet worden ist und die Priorität FR 1553836 vom 28. April 2015 beansprucht. Die Patenterteilung ist am 7. März 2018 veröffentlicht worden. Das Streitpatent trägt die Bezeichnung \"APPAREIL ÉLECTROMÉNAGER DE REPASSAGE COMPORTANT UN GÉNÉRATEUR DE VAPEUR MUNI D’UN ORIFICE DE VIDANGE\" (ELEKTROHAUSHALTSGERÄT ZUM BÜGELN, DAS EINEN DAMPFERZEUGER UMFASST, DER MIT EINER ENTLEERUNGSÖFFNUNG AUSGESTATTET IST). Es wird beim Deutschen Patent- und Markenamt unter der Nummer 60 2016 001 785 geführt. Die Beklagte nimmt die Klägerin in einem Verletzungsverfahren in Anspruch. \n\n2\\. Das Streitpatent umfasst in der erteilten Fassung neun Patentansprüche, von denen die Patentansprüche 1, 2, 4, 5, 6, 7 und 9 angegriffen werden. Die Patentansprüche 2, 4 – 7 und 9 sind auf Patentanspruch 1 unmittelbar oder mittelbar rückbezogen und beziehen sich auf ein elektrisches Haushaltsgerät. \n\n3\\. Die erteilten Patentansprüche 1 und 4 lauten in der Verfahrenssprache Französisch gemäß Streitpatentschrift EP 3 088 599 B1 (als NK1 im Verfahren) wie folgt: \n\n4\\. In deutscher Übersetzung lauten vorstehende Patentansprüche gemäß der Streitpatentschrift EP 3 088 599 B1 wie folgt: \n\n5\\. Wegen des Wortlauts der weiteren Unteransprüche wird auf die Streitpatentschrift EP 3 088 599 B1 Bezug genommen. \n\n6\\. Die Beklagte verteidigt die angegriffenen Patentansprüche des Streitpatents in der erteilten Fassung gemäß Hauptantrag sowie mit Hilfsanträgen 1 bis 10, eingereicht mit Schriftsatz vom 28. März 2024, welche die zuvor eingereichten Hilfsanträge ersetzen, wobei die Patentansprüche des Haupt- und der Hilfsanträge als geschlossene Anspruchssätze anzusehen sind. \n\n7\\. Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 1 lautet – unter Streichung von Unteranspruch 4 und angepasster Rückbeziehung des Unteranspruchs 5 – wie folgt: \n\n8\\. Wegen den jeweiligen Fassungen der weiteren Hilfsanträge wird auf die Anlagen zum Schriftsatz vom 28. März 2024 Bezug genommen. \n\n9\\. Die Klägerin macht mit ihrer Teilnichtigkeitsklage den Nichtigkeitsgrund der fehlenden Patentfähigkeit geltend (Art. II § 6 Abs. 1 Nr. 1 IntPatÜG i. V. m. Art. 138 Abs. 1 Buchst. a, Art. 54, 56 EPÜ). Bezüglich der Hilfsanträge 1 bis 10 macht die Klägerin die Nichtigkeitsgründe der unzulässigen Erweiterung sowie der Schutzbereichserweiterung geltend und vertritt die Auffassung, dass die Anspruchsfassungen der Hilfsanträge nicht klar seien. \n\n10\\. Sie reicht u. a. folgende Druckschriften und Dokumente ein: \n\n11\\. **N1** Bedienungsanleitung Braun Freestyle Sprint Silver 9720 mit Anlagenkonvolut A1, A1.2, A1.3, A1.4, A1.5 \n\n12\\. **N2** Bedienungsanleitung Laurastar Lift mit Anlagenkonvolut A2.1, A2.2, A2.3, A2.4, A2.5, A2.6, A2.7 \n\n13\\. **N3** Bedienungsanleitung Tchibo Model 280 962 mit Anlagenkonvolut A3.1, A3.2, A3.3 \n\n14\\. **N4** Bedienungsanleitung Polti Vaporella Forever 670 mit Anlagenkonvolut A4, A4.2, A4.3 \n\n15\\. **N5** Bedienungsanleitung Morphy Richards Power Steam Elite mit Anlage A5 \n\n16\\. **N6** Bedienungsanleitung Kennwood IC700 Serie mit Anlage A6 \n\n17\\. **N7** EP 1 541 746 A1 \n\n18\\. **N8** ES 1055003 U mit Anlage A8 (Englische Maschinenübersetzung) \n\n19\\. **N9** Bedienungsanleitung von Moulinex GM 7251E0 \n\n20\\. **N10** JP 2002 282616 A mit Anlage A10 (Deutsche Übersetzung) \n\n21\\. **N11** DE 1950215 U \n\n22\\. **N12** EP 2 317 000 A1 \n\n23\\. **N13** US 4,233,763 A \n\n24\\. **N14** JP57-038700 \n\n25\\. **N15** JP60-41992 \n\n26\\. **N16** WO 2012\u002F001030 A1 \n\n27\\. **N17** Bedienungsanleitung Hoover SFD4102 mit Anlagenkonvolut A17, A17.2, A17.3 \n\n28\\. **N18** DE 8525165 U1 \n\n29\\. **N19** DE 3502067 A1 \n\n30\\. **N20** AT 7191 U1 \n\n31\\. **N21** DE 10 2007 033 406 A1 \n\n32\\. **N22** EP 2 105 118 A1 \n\n33\\. **N23** WO 2008\u002F149722 A1 \n\n34\\. **NK6** Wikipedia - Scharnier vom 22.06.2022 \n\n35\\. **NK6a** Version Februar 2015 \n\n36\\. **NK6b** Living hinge Februar 2015 \n\n37\\. Die folgenden Dokumente sollen die Ausführungen der Klägerin zum Luftspalt stützen: \n\n38\\. **G1** Gutachterliche Stellungnahme zur Messung des Luftspalts zwischen der Abdeckung und dem Stopfen der N3 \n\n39\\. **C1** EP 3 567 155 A1 \n\n40\\. **C2** US 7,546,701 B2 \n\n41\\. **C3** EP 2 545 324 B1 \n\n42\\. **C4** Heat Transfer; Second Edition; P.S. Ghoshdastidar \n\n43\\. **C5** List of thermal conductivities - Wikipedia, the free encyclopedia \n\n44\\. **C6** Thermal Properties of Plastic Materials. \n\n45\\. Die folgenden Dokumente sollen die Ausführungen der Klägerin zu den Begriffen \"Scharnier\" und \"Filmscharnier\" stützen: \n\n46\\. **G2** Gutachterliche Stellungnahme zum Begriff \"Scharnier\" \n\n47\\. **C8** Designing plastic parts for assembly by Paul A. Tres, 2014 \n\n48\\. **C9** Plastics design handbook by Dominic v. Rosato, 2001 \n\n49\\. **C10** Joining of plastics: handbook for designers and engineers by Jordan Rotheiser, 1999, p. 280-281 \n\n50\\. **C11** Handbook of plastics, elastomers, and composites by Charles A. Harper, 2002, P. 54 \n\n51\\. **C12** Materials: engineering, science, processing and design by M.F. Ashby, 2010, p. 106 \n\n52\\. **C13** Encyclopedia of polymer science and technology, 2007, p. 576 - 577 \n\n53\\. **C14** Polypropylene : the definitive user's guide and databook by Clive Maier, 1998, p. 386 \n\n54\\. **C15** Plastics: materials and processing by A. Brent Strong, 2006, p. 774 – 775. \n\n55\\. Die Bedienungsanleitung des Geräts Braun Freestyle Sprint Silver 9720 (N1) betrifft ein elektrisches Haushaltsgerät zum Bügeln. Das Gerät wurde vor dem Prioritätszeitpunkt im Markt über die Handelsplattform \"amazon\" vertrieben. Zu diesem Produkt finden sich auf der Handelsplattform Kundenbewertungen aus dem Jahr 2008. Ferner war es Gegenstand einer Vergleichsbewertung im Internet aus einem vergleichbaren Zeitraum. \n\n56\\. Das Gerät Tchibo Dampfbügelstation Modell 280 962 wurde mit Datum vom 6. Februar 2012 an Dritte verkauft. Das Garantieschreiben der Tchibo Service Centers zu einem Modell 280 962 datiert vom 7. November 2013. Wegen der dazugehörigen Bedienungsanleitung wird auf den Inhalt der Anlage N3 verwiesen. \n\n57\\. Die Klägerin vertritt unter anderem die Auffassung, dass die Lehre des Streitpatents nicht neu sei. Der Gegenstand des Patentanspruch 1 des Streitpatents sei nicht neu gegenüber den Dokumenten und Schriften N1, N2, N3 bis N8. Bei den Dokumenten N2, N4 bis N6 handele es sich um Bedienungsanleitungen zu Haushaltsgeräten, die zum Stand der Technik gehörten. Bei der N2 handele es sich um die Dampfbügelstation \"Laurastar Lift\". Die Bedienungsanleitung für das Dampfbügelgerät \"Laurastar Lift\" sei vor dem Prioritätsdatum öffentlich zugänglich gewesen. Wegen des konkreten Inhalts der Bedienungsanleitung wird auf die Anlage N2 verwiesen. Das Produkt selbst sei vor dem Prioritätszeitpunkt Gegenstand der Berichterstattung Dritter gewesen und auf der Handelsplattform \"amazon\" zum Verkauf angeboten worden. Aus dem Bildschirmausdruck ergebe sich das \"erste Verfügbarkeitsdatum\" vom 12. April 2013. Weitere Berichterstattungen über das Produkt, auch vom Hersteller selbst, fänden sich im Internet. Die im Verfahren eingereichten Fotografien von dem Gerät \"Laurastar Lift\" stammten von einem Gerät, welches zum Stand der Technik gehöre. \n\n58\\. Insbesondere offenbarten die Entgegenhaltungen eine Abdeckung, die durch ein Scharnier mit dem Gehäuse fest verbunden sei. Da das Streitpatent keine explizite Definition eines Scharniers enthalte, sei auf die allgemeine Definition eines Scharniers abzustellen. \n\n59\\. Des Weiteren ist die Klägerin der Auffassung, dass der Gegenstand des Patentanspruchs 1 nicht auf erfinderischer Tätigkeit beruhe. Nichts anderes gelte für die Unteransprüche. Insbesondere die Gegenstände der Patentansprüche 1, 2 und 4 beruhten unter anderem gegenüber einer Kombination von N1 oder N2 mit N10, N11 oder N12 bzw. N9 mit N2 oder N3 nicht auf erfinderischer Tätigkeit. \n\n60\\. Bezüglich des Gegenstands des Patentanspruchs 4 macht die Klägerin geltend, er sei nicht neu gegenüber einem der Dokumente N1, N2, N3, N5 oder N6. Des Weiteren beruhe er nicht auf erfinderischer Tätigkeit gegenüber einer Kombination von Dokument N1 oder N2 mit einem der Dokumente N10, N11 oder N12, einer Kombination von Dokument N1 oder N2 mit dem allgemeinen Fachwissen, belegt durch die Dokumente N9 und N13 bis N17 sowie N18 bis N21 sowie einer Kombination von Dokument N1 oder N2 mit N22 oder N23. Darüber hinaus weise der naheliegende Kombinationsgegenstand von N9 mit N1 oder N2 auch die Merkmale des Anspruchs 4 auf. Zudem wäre der Fachmann ohne erfinderisches Zutun durch eine Kombination des Kombinationsgegenstandes N9 mit N1 oder N2 mit einem der Dokumente N10, N11 oder N12 oder dem allgemeinen Fachwissen zum Gegenstand des Anspruchs 4 gelangt. Unter Zugrundelegung der Auslegung der Beklagten wäre der Fachmann auch durch den naheliegenden Kombinationsgegenstand aus N9 mit N10, N11, N12, dem allgemeinen Fachwissen oder N22 oder N23 zu dem Gegenstand des Anspruchs 4 gelangt. \n\n61\\. Die Hilfsanträge seien unzulässig. Der Gegenstand des Patentanspruchs 1 des Hilfsantrags 1 sei unzulässig erweitert, der Schutzbereich in unzulässiger Weise erweitert und die Fassung der Patentansprüche unklar. Im ursprünglich eingereichten Anspruchssatz sei Patentanspruch 4 von Patentanspruch 2 und 3 abhängig. Eine Kombination der Patentansprüche 1 und 4 unter Auslassung der Merkmale der Patentansprüche 2 oder 3 sei damit ursprünglich nicht offenbart. Aus der ursprünglichen Beschreibung lasse sich nichts anderes herleiten. In der Patentschrift werde nicht ausgeführt, aus welchen Gründen genau eine Kombination der Offenbarungsstellen der Absätze [0007] und [0013] gewählt werde. \n\n62\\. Eine unzulässige Erweiterung des Schutzbereichs liege deshalb vor, weil Dritte darauf vertrauen dürften, dass im Zweifelsfall nur eine Kombination der Merkmale der Patentansprüche 1, 2 und 4 oder 1, 3 oder 4 möglich sei. Im Hilfsantrag 1 werde in Patentanspruch 4 die Bezugnahme auf den nicht patentfähigen Patentanspruch 2 gestrichen. \n\n63\\. Zudem sei die Formulierung des neuen Patentanspruchs 1 unklar. Dies betreffe den Ausdruck \"unterhalb\". Er sei nur dann sinnvoll, wenn er in Bezug zu einem anderen Gegenstand gesetzt werde und die Ausrichtung \"unterhalb\" relativ zu dem anderen Gegenstand eindeutig sei. Vorliegend sei unklar, wie die Formulierung \"unterhalb der Entleerungsöffnung\" zu interpretieren sei. Das elektrische Haushaltsgerät könne zum Bügeln in verschiedene Betriebspositionen gebracht werden, wie \"Nutzungsposition\" oder \"Entleerungsposition\". Je nach Position ändere sich die Bedeutung der relativen Positionsangabe \"unterhalb der Entleerungsposition\". \n\n64\\. Patentanspruch 1 des Hilfsantrags 1 sei darüber hinaus nicht neu. Der Inhalt der Entgegenhaltung N2 nehme den Gegenstand neuheitsschädlich vorweg. Neben der Bedienungsanleitung würde entsprechend der schriftsätzlich eingereichten Fotografien, u.a. aus dem Schriftsatz vom 30. April 2024, S. 7, bei der Dampfbügelstation \"Laurastar Lift\" zu erkennen sein, dass die Abdeckung mit dem Scharnier in der N2 einfach gedreht werden könne, wobei das Scharnier dann oberhalb oder unterhalb der Entleerungsöffnung angeordnet werden könne. Eine Positionierung des Scharniers unterhalb der Entleerungsöffnung vereinfache die Anwendung, da der Stopfen dann in der offenen Stellung der Abdeckung einfacher zugänglich sei. Die Abdeckung weise eine hohle Form auf, welche Flüssigkeit sammle, die durch die Entleerungsöffnung fließe. Dem Streitpatent seien keine Vorgaben zu entnehmen, wie viel Wasser gesammelt werden müsse. Von einem Sammeln im Sinne der Lehre des Streitpatents sei dann auszugehen, wenn eine temporäre Rückhaltefunktion erreicht werden könne. Dies sei bei den Abdeckungen der Geräte der Entgegenhaltungen der N2 und N3 der Fall. \n\n65\\. Zudem fehle es an erfinderischer Tätigkeit. Der Fachmann würde ausgehend von der N1 oder N2 zum Gegenstand des Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 1 gelangen, wenn er diese mit der N10 kombiniere. Der Fachmann steht vor der Aufgabe, beim Entkalken ein ungeregeltes Entlanglaufen von Flüssigkeiten am Gehäuse zu verhindern. Der Fachmann werde zudem ausgehend von der N1 oder N2 in Kombination mit dem Fachwissen, dokumentiert in den Dokumenten N9, N13 bis N17 bzw. N18 bis N23, zum Gegenstand des Patenanspruchs 1 gelangen. \n\n66\\. Die Klägerin beantragt, \n\n67\\. das europäische Patent 3 088 599 mit Wirkung für das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland im Umfang der Patentansprüche 1, 2, 4, 5, 6, 7 und 9 für nichtig zu erklären. \n\n68\\. Die Beklagte beantragt *,*\n\n69\\. die Klage abzuweisen; \n\n70\\. hilfsweise die Klage abzuweisen, soweit sie sich gegen das Streitpatent in den jeweiligen Fassungen gemäß der Hilfsanträge 1 bis 10 in der Reihenfolge ihrer Nummerierung, eingereicht mit Schriftsatz vom 28. März 2024, richtet, wobei sich die weiter angegriffenen Patentansprüche 2, 4, 5 bis 7 und 9 auf den derart geänderten Patentanspruch 1 unmittelbar oder mittelbar rückbeziehen und wobei die nicht angegriffenen Patentansprüche unverändert erhalten bleiben. \n\n71\\. Die Beklagte stützt sich u. a. auf nachfolgende Dokumente: \n\n72\\. **B1** Merkmalsgliederung \n\n73\\. **B2** EP 1 764 438 A1. \n\n74\\. Die Beklagte tritt den Ausführungen der Klägerin in allen Punkten entgegen. Mit näheren Ausführungen trägt sie vor, dass keine der vorgelegten Druckschriften oder Entgegenhaltungen den Gegenstand des Streitpatents vorwegnehme oder ihn nahelege. Die Hilfsanträge seien zulässig und das Streitpatent in den Fassungen der Hilfsanträge patentfähig. \n\n75\\. Die Entgegenhaltung der N2 gehöre nicht zum Stand der Technik. Dies gelte insbesondere für die von der Klägerin schriftsätzlich eingereichten Fotografien, welche ein Gerät des Typs \"Laurastar Lift\" zeigten. Es seien bauliche Abweichungen festzustellen, so dass bestritten werde, dass das auf den Fotografien abgebildete Gerät vor dem Prioritätsdatum im Markt gewesen sei. \n\n76\\. Die Entgegenhaltung N1 sei nicht neuheitsschädlich, weil diese kein Scharnier im Sinne des Streitpatents offenbare. Die Abdeckung hänge im geöffneten Zustand neben der Entleerungsöffnung nach unten herunter. Das \"labbrige\" Band sei kein Scharnier, wie es die Streitpatentschrift vorgebe. Auch der Entgegenhaltung N2 sei kein Scharnier im Sinne des Streitpatents zu entnehmen. Das \"labbrige\" Band, mit dem die Abdeckung mit dem Gerät verbunden sei, lasse ohne Weiteres auch Bewegungen um mehr als eine Achse zu. Zudem sei die Abdeckung in der offenen Stellung nicht derart angeordnet, dass sich in der Abdeckung Flüssigkeit sammeln könne. Allein der Umstand, dass Wasser in einen Hohlraum aufgrund der Schwerkraft des Wassers fließen könne, entspreche nicht der technischen Lehre des Streitpatents. \n\n77\\. Ferner sei der N3 kein Scharnier im Sinne des Klagepatents zu entnehmen. Weder die Abbildungen noch die Beschreibung offenbarten ein solches. Soweit die Klägerin Fotografien des Geräts der N3 eingereicht habe, sei diesen nicht zu entnehmen, dass die Abdeckung in der Lage sei, eine zweite stabile Stellung einzunehmen. Diese müsse vielmehr gehalten werden, um eine offene Stellung einzunehmen. Ferner weise die N3 keine Abdeckung auf, deren hohle Form zum Sammeln von Flüssigkeit beim Entleeren im Sinne des Streitpatents geeignet sei. \n\n78\\. Auch die weiteren Entgegenhaltungen N4 – N6 offenbarten kein Scharnier im Sinne des Klagepatents. Den Entgegenhaltungen N7 und N8 könne der Fachmann nicht entnehmen, dass die Öffnung es ermögliche, Kesselsteine zu entfernen. \n\n79\\. In diesem Zusammenhang erscheine es auch nicht naheliegend zu sein, dass der Fachmann ausgehend von der N9 Anlass habe, diese mit den technischen Lehren der N2 oder N3 zu kombinieren. Der Fachmann würde, wenn überhaupt, die drehbare Verschlussklappe mittels eines einfachen und aus dem Stand der Technik bekannten labbrigen Haltebands an dem Gerät anbringen und so eine Verliersicherung bereitstellen. Eine Ausgestaltung mit einem Scharnier sei vor diesem Hintergrund fernliegend. \n\n80\\. Der Hilfsantrag 1 sei zulässig und der Gegenstand des Patentanspruchs 1 patentfähig. Eine unzulässige Erweiterung liege nicht vor, da sich der Offenbarungsgehalt aus den Absätzen [0013] und [0014] ergeben würde. Es bestehe kein technischer Zusammenhang zu den weiteren Ausführungsformen des Streitpatents. \n\n81\\. Der Schutzbereich des Gegenstands des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 1 sei nicht unzulässig erweitert. Vielmehr sei der Schutzbereich eingeschränkt worden, indem die Merkmale des Unteranspruchs 4 in den Patentanspruch 1 hinzugefügt worden seien. \n\n82\\. Die Fassung des Patentanspruchs 1 sei ferner nicht unklar. Bei der Lageposition \"unterhalb\" sei auf die bestimmungsgemäße Betriebsposition des Haushaltsgeräts abzustellen. Diese ergebe sich dabei auch aus den Figuren des Streitpatents und sei jene Position bzw. Orientierung des Geräts, die das Gerät üblicherweise einnehme, wenn eine Person das Gerät bestimmungsgemäß betreibe. \n\n83\\. Die Entgegenhaltungen N2 und N3 offenbarten kein Scharnier in der bestimmungsgemäßen Betriebsposition unterhalb der Entleerungsöffnung. Bei keinem der Geräte sei es vorgesehen, dass die Abdeckung eine hohle Form aufweise, welche die Flüssigkeit sammle, die durch die Entleerungsöffnung fließe. Ein Sammeln von Wasser in einem Hohlraum finde nicht statt. Vielmehr treffe das Wasser aufgrund seiner Schwerkraft beim Ausgießen auf den jeweiligen Rand. \n\n84\\. Der Gegenstand des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 1 sei auch erfinderisch. Eine Kombination der N1 oder N2 mit N10, N11 oder N12 sei nicht naheliegend. Die N10 betreffe eine Filtervorrichtung, die Verunreinigungen, die im Abwasser einer Waschmaschine enthalten seien, auffange. Der Fachmann habe keinen Anlass, entsprechende Kombinationen vorzusehen. Ferner führten die weiteren Kombinationen nicht zum Gegenstand des Patentanspruchs 1\\. \n\n85\\. Der Senat hat den Parteien in einem qualifizierten Hinweis vom 26. Februar 2024 seine vorläufige Auffassung zur Sach- und Rechtslage mitgeteilt und eine letzte Frist zur Stellungnahme bis zum 30. April 2024 gesetzt. Gegenstand des Hinweises sind die angegriffenen Patentansprüche in der erteilten Fassung sowie gemäß den ursprünglichen Hilfsanträgen 1 bis 5 gewesen. \n\n86\\. Auf den qualifizierten Hinweis des Senats haben die Parteien weiter vorgetragen. Der Senat hat den Parteien weitere Hinweise in der mündlichen Verhandlung gegeben. \n\n87\\. Die Beklagte rügt die verspätete Einreichung des klägerischen Schriftsatzes vom 30. April 2024 einschließlich der Anlagen, insbesondere der Gutachten. \n\n88\\. Wegen des Vorbringens der Parteien im Übrigen wird auf deren Schriftsätze mit sämtlichen Anlagen und auf das Protokoll der mündlichen Verhandlung vom 14. Mai 2024 verwiesen. \n\n## Entscheidungsgründe\n\n89\\. Die Klage auf teilweise Nichtigerklärung des Streitpatents ist zulässig und hat in der Sache zum Teil Erfolg. \n\n90\\. Das Streitpatent ist, soweit angegriffen, in der geltenden Fassung nicht rechtsbeständig, denn insoweit liegt der geltend gemachte Nichtigkeitsgrund der mangelnden Patentfähigkeit (Art. II § 6 Abs. 1 Nr. 1 IntPatÜG i. V. m. Art. 138 Abs. 1 Buchst. a, Art. 54, 56 EPÜ) vor. Im Übrigen ist die Klage unbegründet. In der Fassung des Hilfsantrags 1 erweist sich die Fassung der Patentansprüche als zulässig und der Gegenstand des Streitpatents als patentfähig. Auf die Frage, ob das Streitpatent auch in den jeweiligen Fassungen nach den weiteren Hilfsanträgen 2 bis 10 Rechtsbestand hätte, kam es bei dieser Sachlage nicht mehr an. \n\n**I.**\n\n91\\. Die Rüge der Beklagten, der Vortrag der Klägerin im Schriftsatz vom 30. April 2024 sowie der Inhalt der beigefügten Anlagen seien verspätet in das Verfahren eingeführt worden (§ 83 Abs. 4 Satz 1 PatG), greift nicht durch. \n\n92\\. Der Schriftsatz und seine Anlagen hätten schon deswegen nicht gemäß § 83 Abs. 4 PatG zurückgewiesen werden können, weil sie nicht nach Fristablauf, sondern fristgemäß am 30. April 2024 – dem Ende der zweiten Frist zur Stellungnahme - bei Gericht eingegangen sind (vgl. BPatG, Urt. v. 2. August 2023 – 7 Ni 10\u002F21 –, Rn. 245, juris). \n\n**II.**\n\n93\\. 1\\. Das Streitpatent bezieht sich auf ein elektrisches Haushaltsgerät zum Bügeln, das ein Gehäuse umfasst, das einen Dampferzeuger umschließt, der eine Entleerungsöffnung aufweist, die das Abführen des Kesselsteins ermöglicht, und bezieht sich insbesondere auf ein Gerät, das einen abnehmbaren, von außerhalb des Gehäuses zugänglichen Stopfen aufweist, der die Entleerungsöffnung verschließt, und das eine Abdeckung umfasst, die den Stopfen verdeckt (vgl. NK2 (deutschsprachige Maschinenübersetzung der Streitpatentschrift), Absatz [0001]). \n\n94\\. Aus der Anmeldung EP 1 764 438 und aus einigen im Handel erhältlichen Geräten seien Bügelgeräte bekannt, die ein Gehäuse umfassten, das einen Behälter zur Erzeugung von Dampf unter Druck umschließe, der über ein Kabel mit einem Bügeleisen verbunden sei, wobei der Behälter eine Entleerungsöffnung umfasse, die die Entfernung von Kesselstein ermögliche und durch einen abnehmbaren Stopfen verschlossen sei, der von der Außenseite des Gehäuses zugänglich sei. Bei solchen Geräten bestehe der Stopfen in der Regel aus Metall, um den hohen Temperaturen im Behälter standzuhalten, und werde auf die Abflussöffnung geschraubt. Um zu verhindern, dass sich der Benutzer beim Berühren des Metallteils des Stopfens verbrenne, könne der Stopfen mit einem Kunststoffteil versehen sein, das im Allgemeinen auf den Stopfen aufgeformt sei, wobei ein solches Kunststoffteil vorteilhafterweise eine geeignete Form aufweisen könne, um die Handhabung des Stopfens zu erleichtern. \n\n95\\. Ein Nachteil einer solchen umspritzten Kappe sei jedoch, dass sie relativ teuer in der Herstellung sei. Außerdem bestehe bei einem solchen Verschluss mit einem umspritzten Kunststoffteil das Risiko, dass sich der Benutzer verbrenne, wenn er den Kunststoffteil des Verschlusses während des Betriebs des Geräts berühre, da dieser in direktem Kontakt mit dem Metallteil stehe und seine Temperatur während des Betriebs des Geräts allmählich ansteige. \n\n96\\. Um diese Nachteile zu beheben, sei es bekannt, die Metallkappe mit einer abnehmbaren Kunststoffabdeckung zu bedecken, die auf dem Gehäuse und nicht auf der Metallkappe befestigt werde, wobei eine solche unabhängige Kunststoffabdeckung den Vorteil habe, dass sie kostengünstig herzustellen sei und eine bessere Wärmeisolierung biete. \n\n97\\. Eine solche abnehmbare Kunststoffabdeckung habe jedoch den Nachteil, dass sie leicht verloren gehen könne und wenig ergonomisch zu bedienen sei, so dass das Gerät oft ohne die Abdeckung benutzt werde, wobei die Gefahr von Verbrennungen bestehe, wenn der Verschluss damit in Berührung komme (vgl. NK2, Absätze [0002] bis [0005]). \n\n98\\. Ausgehend davon bestehe eine Aufgabe des Streitpatents darin, diese Nachteile zu beheben, indem ein Haushaltsgerät mit verbesserter Sicherheit und Ergonomie bei der Benutzung bereitgestellt werde (vgl. NK2, Absatz [0006]). \n\n99\\. **2.** Diese Aufgabe soll durch den Gegenstand des erteilten Anspruchs 1 (Hauptantrag) gelöst werden, der sich nach Merkmalen wie folgt gliedert: \n\n100\\. 1\\. Elektrisches Haushaltsgerät zum Bügeln, das \n\n101\\. 1.1 ein Gehäuse (20) aufweist, das einen Dampferzeuger einschließt, \n\n102\\. 1.2 der eine Entleerungsöffnung (42), die die Entfernung von Kesselstein ermöglicht, \n\n103\\. 1.3 einen lösbaren Stopfen (43), der die Entleerungsöffnung (42) verschließt, die von außerhalb des Gehäuses (20) zugänglich ist, und \n\n104\\. 1.4 eine Abdeckung (5) umfasst, die den Stopfen (43) maskiert, \n\n105\\. dadurch gekennzeichnet, dass \n\n106\\. 1.4.1 die Abdeckung (5) mit dem Gehäuse (20) durch ein Scharnier (6) fest verbunden ist, \n\n107\\. 1.4.2 wobei die Abdeckung (5) eine geschlossene Stellung, in der sie den Stopfen (43) maskiert, und \n\n108\\. 1.4.3 eine offene Stellung einnehmen kann, in der sie den Zugang zu dem Stopfen (43) freigibt. \n\n109\\. Der angegriffene abhängige Patentanspruch 4 lautet in gegliederter Form: \n\n110\\. 4\\. Elektrisches Haushaltsgerät nach einem der Ansprüche 2 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass \n\n111\\. 4.1 das Scharnier (6) unterhalb der Entleerungsöffnung (42) angeordnet ist, und dass sich \n\n112\\. 4.2 die Abdeckung (5) in der offenen Stellung unterhalb der Entleerungsöffnung (42) erstreckt, \n\n113\\. 4.3 wobei die Abdeckung (5) eine hohle Form aufweist, welche die Flüssigkeit sammelt, die durch die Entleerungsöffnung (42) fließt. \n\n114\\. **3.** Als maßgeblicher Durchschnittsfachmann, auf dessen Wissen und Können es insbesondere für die Auslegung der Merkmale des Streitpatents und für die Interpretation des Standes der Technik ankommt, ist ein Maschinenbauingenieur mit Hochschulabschluss oder dgl. anzusehen, der über eine mehrjährige Berufserfahrung im Bereich der Entwicklung von elektrischen Haushaltsgeräten zur Wäschepflege verfügt. Von ihm können Fachwissen zu den konstruktiven Gerätedetails sowie spezielle Kenntnisse zu den Anforderungen an eine ergonomische Bedienung von derartigen Haushaltsgeräten, in denen bei Einsatz hohe Temperaturen entstehen können, erwartet werden. \n\n115\\. **4.** Die erfindungsgemäße Lehre ist aus Sicht eines solchen Fachmanns wie folgt zu erläutern: \n\n116\\. Das elektrische Haushaltsgerät zum Bügeln weist ein Gehäuse auf, wobei das Gehäuse einen Dampferzeuger einschließt (Merkmale 1, 1.1). \n\n117\\. Der Dampferzeuger umfasst eine Entleerungsöffnung, einen lösbaren Stopfen und eine Abdeckung. Die Entleerungsöffnung ermöglicht die Entfernung von Kesselstein. Der lösbare Stopfen verschließt die Entleerungsöffnung, die von außerhalb des Gehäuses zugänglich ist. Die Abdeckung maskiert den Stopfen (Merkmale 1.2, 1.3, 1.4). \n\n118\\. Bei der vom Dampferzeuger umfassten Entleerungsöffnung gemäß Merkmal 1.2 kann es sich um jede Öffnung handeln, mit der eine Entleerung von Flüssigkeit\u002FWasser und eine Entfernung (vgl. NK1 (Streitpatentschrift EP 3 088 599 B1), Anspruch 1) bzw. ein Abführen (vgl. NK2 (deutschsprachige Maschinenübersetzung der Streitpatentschrift), Absätze [0001], [0007], [0023], [0048], [0050]) von Kesselstein aus dem Dampferzeuger ermöglicht wird. \n\n119\\. Die Ausführungen der Beklagten hinsichtlich einer zwischen einem Behälter 4, in dem sich Kesselstein bildet, und einem Wassertank 21 angeordneten Pumpe (vgl. NK2, Absätze [0030], [0045]), vermögen nicht zu überzeugen, da diese Bauteile nicht Gegenstand des Anspruchs 1 sind. \n\n120\\. Eine über das Verschließen der Entleerungsöffnung hinausgehende Funktion des lösbaren Stopfens gemäß Merkmal 1.3 offenbart das Streitpatent nicht (vgl. NK2, Absätze [0007], [0044]). \n\n121\\. Die Abdeckung hat im geschlossenen Zustand die Funktion, den Stopfen zu maskieren (Merkmale 1.4, 1.4.2), in dem Sinne, dass ein Kontakt mit dem Stopfen vermieden wird (vgl. NK2, Absätze [0008], [0044], NK2, Absatz [0051] am Ende bzw. NK1, Absatz [0052]). \n\n122\\. Die Abdeckung ist mit dem Gehäuse durch ein im Anspruch 1 nicht näher definiertes Scharnier fest verbunden (Merkmal 1.4.1). Bei einem Scharnier handelt es sich um ein drehbares Gelenk zur Verbindung zweier Elemente zueinander, die ein Schwenken bzw. Klappen des ersten Elements gegenüber dem zweiten Element erlaubt. Darunter fallen auch Filmscharniere, die einteilig mit den beiden zu verbindenden Elementen ausgebildet sind und die durch ihre Biegsamkeit eine Drehung der verbundenen Elemente ermöglichen. \n\n123\\. Die Abdeckung kann eine offene Stellung einnehmen, in der sie den Stopfen freigibt (Merkmal 1.4.3). Das bedeutet, dass der Benutzer dann Zugang zum Stopfen 43 hat und diesen mit einem Schraubendreher oder einer Münze abschrauben kann (vgl. NK2, Absatz [0048]). \n\n124\\. Lageangaben wie \"unterhalb\" in Anspruch 4 (Merkmale 4.1, 4.2) oder \"vertikal\" bzw. \"unten\" in weiteren abhängigen Ansprüchen sind auf die bestimmungsgemäße Betriebsposition des Haushaltsgeräts bezogen, die sich aus den Figuren 1 und 3 der Streitpatentschrift ergibt. \n\n125\\. Die Klägerin macht geltend, dass es zwei unterschiedliche Betriebspositionen gebe, eine in Absatz [0043] beschriebene \"Nutzungsposition\" und eine im Absatz [0045] beschriebene \"Entleerungsposition\". \n\n126\\. Gemäß Absatz [0043] der NK2 platziert der Anwender die Abdeckung 5 wie in Figur 7 gezeigt, in der geschlossenen Stellung, indem er sie anhebt […]. \n\n127\\. Die geschlossene Position der Abdeckung 5 ist auch in Figur 1 dargestellt, so dass auch in Figur 1 die Nutzungsposition (bestimmungsgemäße Betriebsposition) gezeigt ist. \n\n128\\. In Absatz [0045] der NK2 heißt es: Wenn der Benutzer den Behälter 4 reinigen möchte, um den Kesselstein zu entfernen […], bringt er das Gerät an den Rand eines Spülbeckens […]. \n\n129\\. In den Absätzen [0046] bis [0049] der NK2 ist weiter beschrieben: \"Der Benutzer entriegelt dann die Abdeckung 5, indem er mit dem Daumen auf die Verriegelungslasche 27 drückt […] und seitlich an der Oberseite der Abdeckung 5 zieht. Sobald die Abdeckung 5 entriegelt ist, bewegt der Benutzer die Abdeckung 5 manuell in die geöffnete Position […], die in den Abbildungen 3 und 6 dargestellt ist. Der Benutzer hat dann Zugang zum Stopfen 43 und kann diesen mit einem Schraubendreher oder einer Münze abschrauben. Wenn der Stopfen 43 herausgezogen wird, fließt die in der Wanne 4 enthaltene Flüssigkeit durch die Ablauföffnung 42 […]. Die Flüssigkeit fließt dann durch die Schwerkraft in den Hohlraum 50 der Abdeckung 5 […].\" \n\n130\\. Figur 3 zeigt nunmehr die Abdeckung 5 in der offenen Position, in der die Abdeckung 5 nach unten gekippt ist und sich die Abdeckung 5 dann unter den Auslass der Entleerungsöffnung 42 erstreckt (vgl. NK2, Absatz [0036], [0013]). \n\n131\\. Soweit die Klägerin ausgeführt hat, dass im Streitpatent für den Vorgang des Entleerens eine genaue Orientierung des Geräts nicht angegeben sei, folgt aus den obigen Ausführungen jedoch, dass das Haushaltsgerät seine Nutzungsposition mit geschlossener Abdeckung 5 gemäß Figur 1 (Betriebsposition) auch beim Entleeren beibehalten kann und lediglich die Abdeckung 5 zu öffnen und der Stopfen 43 abzuschrauben ist. \n\n132\\. Insoweit gelten sämtliche Lageangaben - wie oben bereits festgestellt - für die in den Figuren 1 und 3 dargestellte bestimmungsgemäße Betriebsposition. \n\n**III.**\n\n133\\. Der Gegenstand des Patentanspruchs 1 gemäß Hauptantrag ist gegenüber den Dokumenten der N3 nicht neu. \n\n134\\. Die Dokumente N3 und A3.1 betreffen Bedienungsanleitungen der Dampfbügelstation Tchibo, Modell 280 962, die zum Stand der Technik gehören. \n\n135\\. **1.** Zum Stand der Technik gehört nach Art. 54 Abs. 2 EPÜ alles, was vor dem Anmelde- bzw. Prioritätstag der Anmeldung der Öffentlichkeit durch schriftliche oder mündliche Beschreibung, durch Benutzung oder in sonstiger Weise zugänglich gemacht worden ist (BGH GRUR 2020, 833 Rn. 27 - Konditionierverfahren). \n\n136\\. Ein Dokument ist öffentlich, wenn es zur Verbreitung in der Öffentlichkeit bestimmt ist und der Allgemeinheit, das heißt einem an sich nicht beschränkten Personenkreis zugänglich geworden ist (BGH GRUR 1993, 466, 468 - Fotovoltaisches Halbleiterbauelement). Insoweit kommt es nicht auf den Nachweis an, dass das Dokument tatsächlich Dritten bekannt geworden ist. Erforderlich und genügend ist, dass ein nicht bestimmter Personenkreis vor dem Prioritätstag in der Lage war, Kenntnis vom Inhalt des Schriftstücks zu nehmen (vgl. BGH, Urteil vom 3. Mai 2022 – X ZR 32\u002F20 – Rn. 83 - Initialisierungsverfahren). \n\n137\\. **2.** Unter Anwendung obiger Grundsätze sind die Bedienungsanleitungen N3\u002FA3.1 Bestandteil des Stands der Technik geworden. Sie sind vor dem Prioritätszeitpunkt, dem 28. April 2015, der Öffentlichkeit zugänglich gewesen. \n\n138\\. Nach den Regeln der gestuften Darlegungslast hängen die Anforderungen an die Substantiierungslast des Bestreitenden davon ab, wie substantiiert der darlegungspflichtige Gegner vorgetragen hat. Liegt ein substantiierter Vortrag der darlegungspflichtigen Partei vor, kann sich der Gegner nicht auf ein substanzloses Bestreiten zurückziehen, wenn ihm nach Lage der Dinge ein substantiiertes Bestreiten möglich und zumutbar ist (BGH GRUR 2022, 1302 Rn. 85 – Brustimplantat; GRUR 2022, 229 Rn. 38 - Ökotest III). So liegt der Fall hier. \n\n139\\. Die Klägerin hat zunächst eine fremdsprachige Bedienungsanleitung und im weiteren Verlauf eine deutschsprachige Bedienungsanleitung sowie einen die Bedienungsanleitung betreffenden Bildschirmausdruck des Internetportals \"yumpu.com\" mit Datumsangabe vom 21\\. Juli 2013 vorgelegt. Diesen Sachvortrag hat zwar die Beklagte zunächst bestritten. Auf den weiteren Vortrag der Klägerin, die unter Ergänzung ihres Vortrags einen Kaufbeleg vom 6. Februar 2012 zum Produkt Dampfbügelstation Tchibo mit der Nummer \"280962\" (Anlage A3.2) sowie ein Garantieschreiben des Herstellers vom 7. November 2013 zum Gerät \"Dampfbügelstation\u002F280962\" (Anlage A3.3) vorgelegt hat, ist die Beklagte aber nicht weiter eingegangen. Hat die Beklagte den substantiierten Sachvortrag nicht substantiiert bestritten, gilt er als unstreitig. \n\n140\\. **3.** Dies gilt unabhängig davon, ob den Entscheidungen EUIPO BK R 1212\u002F2019-3 und die darauf Bezug nehmende Entscheidung des BPatG (30 W (pat) 807\u002F18) zur Gänze inhaltlich gefolgt werden kann (siehe dagegen EuG, Urteil vom 20.10.2021, T-823\u002F19 – Spiralhaargummis; EuG, Urteil vom 21.06.2023, T-347\u002F22 – Schmelztiegel), welche andere Rechte am geistigen Eigentum betrafen. Die Beklagte hat auch nicht vorgetragen, dass die jeweils besonderen tatsächlichen Voraussetzungen, die den Entscheidungen des EUIPO und des Bundespatentgerichts zu Grunde lagen, vorliegend einschlägig sind. \n\n141\\. **4.** Es ist davon auszugehen, dass mit einem Verkauf dieser Dampfbügelstation an den Endverbraucher auch eine Bedienungsanleitung beigefügt gewesen ist. Dies spiegelt nicht nur die Verfügbarkeit auf der Dokumentationsplattform \"yumpu.com\" wieder, sondern ergibt sich im Übrigen auch daraus, dass grundsätzlich solche Produkte im Markt - in Übereinstimmung mit den Vorgaben des § 3 Abs. 4 ProdSG - nur mit einer Bedienungsanleitung ausgeliefert werden. Die Bedienungsanleitungen richteten sich somit an eine unbestimmte Vielzahl von Personen und sind mit Verkauf des Geräts am 6. Februar 2013 vor dem Prioritätszeitpunkt (28. April 2015) ausgeliefert worden, so dass die Bedienungsanleitungen öffentlich zugänglich gewesen sind und deshalb zum relevanten Stand der Technik zuzurechnen sind. \n\n142\\. **5.** Die folgenden Seitenangaben beziehen sich - wie von der Klägerin vorgenommen - auf die Seiten des PDF-Dokuments und nicht auf die Seitenzahlen, die auf den jeweiligen Seiten angegeben sind. \n\n143\\. N3\u002FA3.1 beschreibt eine Dampfbügelstation (Bügeleisen, Basisstation mit Dampfdruckbehälter) mit einem Gehäuse, das einen Dampferzeuger (Dampfdruckbehälter) einschließt, der eine Entleerungsöffnung, einen Stopfen (Verschluss) und eine den Stopfen maskierende Abdeckung aufweist. Der lösbare Stopfen verschließt die von außerhalb des Gehäuses zugängliche Entleerungsöffnung zur Entfernung von Kesselstein (Kalkreste, Kalkrückstände). Die Abdeckung ist aus ihrer geschlossenen Stellung, in der sie den Stopfen maskiert, in ihre offene den Zugang zum Stopfen freigebende Stellung hochzuklappen (Merkmale 1 bis 1.4, 1.4.2, 1.4.3; vgl. A3.1 Seite 1, 8, 21, 22). \n\n144\\. *N3, Seite 21 A3.1, Seite 21*\n\n145\\. Der Begriff \"hochklappen\" in A3.1 umfasst ein Schwenken um eine Achse, was für das Vorliegen eines Scharniers spricht. \n\n146\\. Die Klägerin hat in ihrer Nichtigkeitsklage und im Schriftsatz vom 23. Dezember 2022 folgende Fotos des Scharniers von der Unterseite der Basisstation der ihr vorliegenden bzw. dem Verletzungsgericht übergebenen Dampfbügelstation von N3 eingeblendet. \n\n147\\. *Foto aus dem Schriftsatz der Klägerin vom 15.07.2022, Seite 23*\n\n148\\.  *Fotos aus dem Schriftsatz der Klägerin vom 23.12.2022, Seite 21*\n\n149\\. *Fotos aus dem Schriftsatz der Klägerin vom 23.12.2022, Seite 21*\n\n150\\. Die Fotos belegen, dass die Abdeckung mittels eines Scharniers - hier eines Filmscharniers \\- fest mit dem Gehäuse verbunden ist (Merkmal 1.4.1). Das Filmscharnier erlaubt ein Hochklappen bzw. Schwenken der Abdeckung aus der geschlossenen Stellung in die geöffnete Stellung. \n\n151\\. N3 offenbart damit sämtliche Merkmale des Patentanspruchs 1 nach Hauptantrag. \n\n152\\. Da die Beklagte die Ansprüche des Streitpatents ausdrücklich als geschlossenen Anspruchssatz verteidigt, hat das Streitpatent in der erteilten Fassung insgesamt keinen Rechtsbestand (vgl. BGH GRUR 2017, 57 – Datengenerator). Einer isolierten Prüfung der angegriffenen Unteransprüche bedarf es nicht. Dabei ist zum jeweils nächsten Hilfsantrag überzugehen, sofern sich der Patentanspruch 1 der zuvor geprüften Fassung als nicht patentfähig erweist. \n\n**IV.**\n\n153\\. Der Hilfsantrag 1 ist zulässig und der Gegenstand von Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 1 ist patentfähig, mithin rechtsbeständig. \n\n154\\. **1.** Der Nichtigkeitsgrund der unzulässigen Erweiterung (Art. II § 6 Abs. 1 S. 1 Nr. 3 IntPatÜG i. V. m. Art. 138 Abs. 1 lit. c) EPÜ) liegt nicht vor. Der Gegenstand des Patentanspruchs 1 geht nicht über den Inhalt der ursprünglichen Anmeldung hinaus. \n\n155\\. **1.1** Der Inhalt der Anmeldung ist anhand der Gesamtheit der ursprünglich eingereichten Unterlagen zu ermitteln. Entscheidend ist, was der Fachmann diesen Unterlagen unmittelbar und eindeutig als zur Erfindung gehörend entnehmen kann (BGH, Urteil vom 26. September 2023 – X ZR 76\u002F21 Rn. 41 - Farb- und Helligkeitseinstellung; GRUR 2020, 974, Rn. 39 – Niederflurschienenfahrzeug). Danach ist ein \"breit\" formulierter Anspruch unter dem Gesichtspunkt der unzulässigen Erweiterung jedenfalls dann unbedenklich, wenn sich ein in der Anmeldung beschriebenes Ausführungsbeispiel der Erfindung aus fachlicher Sicht als Ausgestaltung der im Anspruch beschriebenen allgemeineren technischen Lehre darstellt und diese Lehre in der beanspruchten Allgemeinheit bereits der Anmeldung als zu der angemeldeten Erfindung gehörend entnehmbar ist (vgl. BGH GRUR 2024, 680 Rn. 60 - Authentifizierte Abstandsmessung). \n\n156\\. **1.2** Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 1 stellt eine Kombination des ursprünglichen Patentanspruchs 1 mit dem ursprünglichen Unteranspruch 4 dar. Insoweit stellt die Klägerin nicht in Abrede, dass die Gegenstände der ursprünglichen Patentansprüche 1 und 4 für sich genommen nicht unzulässig erweitert sind. Die Merkmale 4.1, 4.2 und 4.3 sind auch dem Absatz [0013] der Streitpatentschrift sinngemäß zu entnehmen und stellen eine besondere Ausführungsform des Erfindungsgegenstandes dar. \n\n157\\. Aber auch die Kombination des neuen Patentanspruchs 1 unter Hinzufügung der Merkmale des gesamten Unteranspruchs 4 stellt keine unzulässige Erweiterung dar. Soweit die Klägerin allein darauf abstellt, dass der ursprüngliche Unteranspruch 4 nur mittelbar auf Patentanspruch 1 unter Einbeziehung der Unteransprüche 2 oder 3 rückbezogen gewesen, und dieser Rückbezug nunmehr weggefallen sei, stellt sich die Rechtslage nicht anders dar. Absatz [0013] der Streitpatentschrift nimmt nicht Bezug auf die vorherigen Absätze [0008] bis [0012]. Der nachfolgende Absatz [0014] beschreibt die mit den Merkmalen des Absatzes [0013] beabsichtigte Wirkung. Der Fachmann sieht daher die Merkmale 4.1, 4.2 und 4.3 losgelöst von den Merkmalen der Ansprüche 2 und 3 als offenbart an. \n\n158\\. Vor diesem Hintergrund stellt die Kombination der Patentansprüche 1 und 4 eine Einschränkung dar, die nicht zu einer Verschiebung des Gegenstands der ursprünglich offenbarten Erfindung führt. \n\n159\\. **2.** Der weitere Nichtigkeitsgrund der unzulässigen Erweiterung des Schutzbereichs (Art. II § 6 Abs. 1 S. 1 Nr. 4 IntPatÜG i. V. m. Art. 138 Abs. 1 lit. d), 123 Abs. 3 EPÜ) bleibt ohne Erfolg. \n\n160\\. **2.1** Eine Erweiterung des Schutzbereichs liegt vor, wenn die nachträgliche Einbeziehung eines vom Streitpatent in der erteilten Fassung nicht geschützten Gegenstands in einen Patentanspruch zu einer Erweiterung des Schutzbereichs des Streitpatents führt. Das Patentnichtigkeitsverfahren eröffnet dem Patentinhaber zwar die Möglichkeit, das Schutzrecht in eingeschränkter Fassung zu verteidigen. Es dient aber nicht darüber hinaus der Gestaltung des Patents. Diese Funktion ist vielmehr allein dem Patenterteilungsverfahren zugewiesen. Deshalb darf ein Patentanspruch im Nichtigkeitsverfahren nicht so geändert werden, dass er einen von der erteilten Fassung nicht umfassten Gegenstand einbezieht (BGH GRUR 2005, 145, 146 - elektronisches Modul; Urt. v. 9. Januar 2024 – X ZR 74\u002F21 –, Rn. 43, juris – Happy Bit). \n\n161\\. **2.2** Da der erteilte Patentanspruch 1 auch einen Gegenstand umfasst, der die Merkmale 4.1 bis 4.3 aufweist, führt die Aufnahme dieser Merkmale nicht zu einem anderen Gegenstand der Erfindung. Durch die Hinzufügung dieser Merkmale in Patentanspruch 1 kommt auch keine Handlung als Patentverletzung in Betracht, die vor der Änderung nicht als Verletzung des erteilten Patents angesehen werden konnte (BGH, Beschluss vom 21. Oktober 2010 – Xa ZB 14\u002F09; GRUR 2011, 40 Rn. 18 – Winkelmesseinrichtung). \n\n162\\. **2.3** Soweit die Klägerin unter Hinweis auf die Kommentierung in Schulte, PatG, 11. Aufl., § 22 Rn. 16, die Auffassung vertritt, dass eine Streichung der Bezugnahme auf einen nicht patentfähigen anderen Anspruch in einem patentfähigen Unteranspruch zu einer unzulässigen Erweiterung des Schutzbereichs führe, dringt sie damit im vorliegenden Fall nicht durch. Die hierauf bezogene Entscheidung des Bundesgerichtshofes \"Doppelachsaggregat\" (GRUR 1980, 166) ist nicht einschlägig. Im dortigen Fall kam dem Unteranspruch 4 ein eigenständiger schutzfähiger Gegenstand zu, so dass die Streichung der Bezugnahme dem Anspruch einen Inhalt geben würde, der über das ursprüngliche Schutzbegehren der Beklagten im Erteilungsverfahren hinausgehen würde. Vorliegend stellte der Unteranspruch 4 eine besondere Ausführungsform der unter Schutz gestellten technischen Lehre des erteilten Patentanspruch 1 dar. \n\n163\\. Indem der Schutzbereich durch die Aufnahme der Merkmale des Unteranspruchs 4 eingeschränkt wird, bezieht sich der Unteranspruch 2 nunmehr nur noch auf den eingeschränkten Patentanspruch 1 einschließlich der Merkmale des erteilten Unteranspruchs 4. Dies entspricht der Kombination des erteilten Unteranspruchs 4 mit Unteranspruch 2 und Patentanspruch 1\\. Da der erteilte Unteranspruch 3 nicht angegriffen ist, bleibt er außer Betracht. \n\n164\\. **3.** Der Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 1 ist klar (Art. 84 Satz 2 EPÜ). \n\n165\\. Der Ausdruck \"unterhalb\" in den Merkmalen 4.1 und 4.2 ist klar, denn er bezieht sich auf die bestimmungsgemäße Betriebsposition des Haushaltsgeräts. \n\n166\\. **4.** Der Gegenstand des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 1 ist neu. \n\n167\\. **4.1** N1 betrifft die Bedienungsanleitung \"Braun Freestyle Sprint SI 9720\" (24. April 2006) mit dem Anlagenkonvolut A1, A1.2, A1.3, A1.4, A1.5 sowie das zugehörige zum Verkauf angebotene Gerät \"Braun Freestyle Sprint SI 9720\". \n\n168\\. **a)** Die Bedienungsanleitung der Dampfbügelstation Braun SI 9720 (N1) gehört zum Stand der Technik. Sie ist vor dem Prioritätszeitpunkt der Öffentlichkeit zugänglich gewesen. \n\n169\\. Unter Anwendung der Regeln der gestuften Darlegungslast ist die Beklagte dem ergänzten Sachvortrag der Klägerin nicht entgegengetreten. Der Sachvortrag ist somit unstreitig. Die Klägerin hat zunächst eine Bedienungsanleitung sowie einen Bildschirmausdruck von einem Angebot des Dampfbügelgeräts Braun SI 9720 auf der Handelsplattform \"amazon\" vorgelegt. Dort wird ein erstes Verfügbarkeitsdatum, der 24. April 2006, angegeben. Diesen Sachvortrag hat die Beklagte zunächst bestritten. Hierauf hat die Klägerin weitere Dokumente vorgelegt, wie Bildschirmausdrucke von Kundenbewertungen auf der Handelsplattform \"amazon\" aus dem Jahr 2008 sowie dem Vergleichsportal \"Geizhals\", welches die Dampfbügelstation seit dem 4. April 2006 als gelistet führt. Diesen ergänzten Sachvortrag hat die Beklagte nicht mehr in Frage gestellt. \n\n170\\. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass auch die Bedienungsanleitung mit dem Verkauf des Produkts an Dritte der Öffentlichkeit zugänglich gewesen ist. \n\n171\\. **b)** Hierauf kommt es jedoch entscheidend nicht an, weil der Bedienungsanleitung das Merkmal 4.1 nicht unmittelbar und eindeutig zu entnehmen ist. \n\n172\\. Die folgenden Seitenangaben zur Bedienungsanleitung beziehen sich - wie von der Klägerin vorgenommen - auf die Seiten des PDF-Dokuments und nicht auf die Seitenzahlen, die auf den jeweiligen Seiten der Bedienungsanleitung N1 angegeben sind.Die in N1 beschriebene Dampfbügelstation (vgl. Seite 5, linke Spalte, Zeile 5) verfügt über ein Gehäuse, das einen Dampferzeuger (Boiler 16) einschließt, der eine Entleerungsöffnung, einen Stopfen (Metall-Verschlusskappe 14) und eine Abdeckung (Silikon-Verschlusskappe 15) aufweist (vgl. Seite 5, Gerätebeschreibung i. V. m. Abbildung Seite 3, Abbildung g Seite 4). \n\n173\\. *N1, Ausschnitt Abbildung Seite 3*\n\n174\\. *N1, Abbildung g Seite 4*\n\n175\\. Der Stopfen 14 verschließt die Entleerungsöffnung und ist zum Reinigen des Dampferzeugers 16 zu entfernen. \n\n176\\. Zuvor ist die den Stopfen 14 maskierende Abdeckung 15 aus ihrer geschlossenen Stellung in ihre offene, den Zugang zum Stopfen freigebende Stellung abzuziehen (vgl. Seite 6, Abschnitt Reinigung des Boilers, Abbildung Seite 3, Abbildung g Seite 4). Die Abdeckung 15 ist mittels eines Bandes fest mit dem Gehäuse verbunden (vgl. Ausschnitt Abbildung g Seite 4). Das Band erlaubt ein Drehen der geschlossenen Abdeckung 15 zum Öffnen der Abdeckung (Pfeil 2 in Abbildung g Seite 4) und ein Halten der Abdeckung in der geöffneten Position (vgl. Abbildung Seite 3). Beim Vergleich der Lage der Abdeckung 15 in der geschlossenen Position und in der geöffneten Halteposition ist festzustellen, dass die Abdeckung 15 um eine senkrechte Achse geschwenkt wurde. \n\n177\\. *N1, Ausschnitte von Abbildung g Seite 4, Abbildung Seite 3*\n\n178\\. Die Beklagte verweist auf ein gebraucht erworbenes Gerät des Typs \"BRAUN Freestyle Sprint SI 9720\", von dem sie die beiden folgenden Fotos eingereicht hat. \n\n179\\. *Fotos aus dem Schriftsatz der Beklagten vom 28.03.2024*\n\n180\\. Das linke Foto zeigt im Gegensatz zur Bedienungsanleitung (vgl. N1, Abbildung Seite 3), dass die Abdeckung nach dem Öffnen herunterhängt. Die Abdeckung wurde um eine senkrechte und eine waagerechte Achse geschwenkt. Das Band ist damit nicht als Scharnier anzusehen. \n\n181\\. Die baulichen Gegebenheiten der Abdeckung am Gerät \"BRAUN Freestyle Sprint SI 9720\" unterscheiden sich von den schematischen Darstellungen der Abdeckung in der Bedienungsanleitung N1. Nachdem die Bedienungsanleitung N1 ein Scharnier an der Abdeckung nicht ausdrücklich erwähnt, ist mit Blick auf das Gerät \"BRAUN Freestyle Sprint SI 9720\" davon auszugehen, dass das in der Bedienungsanleitung dargestellte Band kein Scharnier gemäß den Merkmalen 1.4.1 und 4.1 ist. \n\n182\\. Zudem ist das Band an der Abdeckung in der bestimmungsgemäßen Betriebsposition seitlich und nicht - wie in Merkmal 4.1 gefordert - unterhalb der Entleerungsöffnung angeordnet. \n\n183\\. **4.2** N2 betrifft die Bedienungsanleitung \"Laurastar Lift\" (12. April 2013) mit dem Anlagenkonvolut A2.1, A2.2, A2.3, A2.4, A2.5, A2.6, A2.7 sowie das zugehörige zum Verkauf angebotene Gerät \"Laurastar Lift\". \n\n184\\. **a)** Die Vorbenutzung des von der Klägerin nicht modifizierten Geräts \"Laurastar Lift\" wird unterstellt. \n\n185\\. Die folgenden Seitenangaben zur Bedienungsanleitung beziehen sich - wie von der Klägerin vorgenommen - auf die Seiten des PDF-Dokuments und nicht auf die Seitenzahlen, die auf den jeweiligen der Seiten Bedienungsanleitung N2 angegeben sind. \n\n186\\. *N2, Abbildung (Ausschnitt) Seite 3 und Abbildung Seite 11*\n\n187\\. Bei dem Gerät \"Laurastar Lift\" handelt sich um eine Dampfbügelstation (steam generator 1, iron 2) mit einem Gehäuse, das einen Dampferzeuger (steam generator 1) einschließt, der eine Entleerungsöffnung, einen Stopfen (drain screw 15) und eine Abdeckung (protective tab) aufweist. Der Stopfen 15 verschließt die von außerhalb des Gehäuses zugängliche Entleerungsöffnung zur Entfernung von Kesselstein (limescale - Kalkablagerung). Zunächst ist die den Stopfen 15 maskierende Abdeckung (protective tab) aus ihrer geschlossenen Stellung in ihre offene, den Zugang zum Stopfen 15 freigebende Stellung anzuheben (vgl. Seite 4, linke Spalte, Abbildung Seite 3; Seite 11, Abschnitt \"Draining the appliance\", Abbildungen G, H). \n\n188\\. Die Abdeckung ist mittels eines Bandes fest mit dem Gehäuse verbunden (vgl. Abbildungen Seite 3, 11). Das Band erlaubt ein Schwenken der geschlossenen Abdeckung zum Öffnen der Abdeckung (Pfeil in Abbildung G Seite 11) und ein Halten der Abdeckung in der geöffneten Position (vgl. Abbildung Seite 3). Beim Vergleich der Lage der Abdeckung in der geschlossenen Position und in der geöffneten Position ist festzustellen, dass die Abdeckung in der bestimmungsgemäßen Betriebsposition um eine waagerechte Achse geschwenkt wurde. \n\n189\\. Die Klägerin hat dem Schriftsatz vom 23. Dezember 2022 Fotos der vorliegenden bzw. dem Verletzungsgericht übergebenen Dampfbügelstation von N2 beigefügt. \n\n190\\. *Fotos aus dem Schriftsatz der Klägerin vom 23.12.2022, Seiten 19, 20*\n\n191\\. Diese Aufnahmen zeigen das Band, das die Abdeckung mit dem Gehäuse verbindet. Das Band verjüngt sich in seiner Dicke. In der bestimmungsgemäßen Betriebsposition wird die Abdeckung, einer Bewegungsbahn folgend, um die verjüngte Stelle als Drehachse von oben nach unten geschwenkt. \n\n192\\. Gemäß Abbildung Seite 11 der Bedienungsanleitung und nachfolgendem Foto ist das Band in der bestimmungsgemäßen Betriebsposition oberhalb und nicht - wie mit Merkmal 4.1 gefordert - unterhalb der Entleerungsöffnung angeordnet, so dass sich die Abdeckung in der offenen Stellung oberhalb und nicht - wie mit Merkmal 4.2 gefordert - unterhalb der Entleerungsöffnung erstreckt. \n\n193\\. *N2, Abbildung Seite 11 (links), Foto aus dem Schriftsatz der Klägerin vom 23.12.2022, Seite 19 (rechts)*\n\n194\\. **b)** Die Klägerin hat das Gerät modifiziert, indem sie das Band und die Abdeckung gegenüber der Entleerungsöffnung von oben nach unten gedreht hat (vgl. Foto aus dem Schriftsatz vom 30. April 2024). Eine Positionierung des Scharniers unterhalb der Entleerungsöffnung vereinfache nach Ansicht der Klägerin die Anwendung, da der Stopfen dann in der offenen Stellung der Abdeckung einfacher zugänglich sei. \n\n195\\. Die Klägerin hat jedoch nicht dargelegt, dass zum Prioritätstag des Streitpatents eine solches modifiziertes Gerät Stand der Technik war. \n\n196\\. *Foto aus dem Schriftsatz der Klägerin vom 30.04.2024, Seite 7*\n\n197\\. Die Bedienungsanleitung N2 sowie die weiteren in diesem Zusammenhang vorgelegten Dokumente geben keine Hinweise für eine derartige Modifikation. Zudem hat die Inaugenscheinnahme des Geräts in der mündlichen Verhandlung gezeigt, dass sich das Band beim typengemäßen Gebrauch nicht einfach drehen lässt. \n\n198\\. Im Ergebnis ist das modifizierte Gerät nicht als Stand der Technik zu berücksichtigen. \n\n199\\. **4.3** N3 offenbart nicht sämtliche Merkmale des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 1. \n\n200\\. Auf dem folgenden, von der Klägerin eingereichten Foto ist die geöffnete Abdeckung zu sehen, die einen Hohlraum aufweist, durch den das aus der Entleerungsöffnung austretende Wasser hindurchfließt. \n\n201\\. *Foto aus dem Schriftsatz der Klägerin vom 28.03.2024, Seite 11*\n\n202\\. Der Hohlraum ist zur Aufnahme des Verschlusses ausgebildet. Dies ergibt sich aus den folgenden von der Klägerin eingereichten Fotos und der Bedienungsanleitung. \n\n203\\. *Fotos aus dem Schriftsatz der Klägerin vom 23.12.2022, Seite 21*\n\n204\\. Gemäß Bedienungsanleitung in deutscher Sprache (A3.1, Seiten 21, 22) ist zum Reinigen des Dampfdruckbehälters wie folgt vorzugehen: \n\n205\\. Die Bedienungsanleitung enthält keine Hinweise, dass beim Entleeren Flüssigkeit in der Abdeckung gesammelt wird. Ebenso fehlen Hinweise zur Positionierung des Geräts beim Entleeren. Auch am Gerät selber sind entsprechende Hinweise nicht ersichtlich. \n\n206\\. Insoweit mag zwar bei entsprechender Ausrichtung Flüssigkeit durch die hohle Form der Abdeckung fließen. Ein Sammeln von Flüssigkeit gemäß Merkmal 4.3 im Sinne eines Anhäufens von Flüssigkeit erfolgt in der hohlen Form jedoch nicht. \n\n207\\. **4.4** Der Gegenstand des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 1 ist auch neu gegenüber dem weiteren aus N4, N5, N6, N7 und N8 bekannten Stand der Technik, den die Klägerin bezüglich der Patentansprüche 1 bzw. 4 der erteilten Fassung eingeführt hat. \n\n208\\. Bei N4 und N6 beziehen sich die folgenden Seitenangaben zur Bedienungsanleitung - wie von der Klägerin vorgenommen - auf die Seiten des PDF-Dokuments und nicht auf die Seitenzahlen, die auf den jeweiligen Seiten der Bedienungsanleitung angegeben sind. \n\n209\\. **a)** Das Dokument N4 betrifft eine Bedienungsanleitung für das Gerät \"Polti Vaporella Forever 670\". Unabhängig von der Frage, ob das Dokument zum Stand der Technik gehört, offenbart es nicht alle Merkmale des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 1. \n\n210\\. N4 beschreibt eine Dampfbügelstation mit einem Gehäuse, das einen Dampferzeuger (boiler) einschließt, der eine Entleerungsöffnung, einen Stopfen (boiler cap) und eine drehbare Abdeckung (rubber cover) aufweist. Der Stopfen verschließt die von außerhalb des Gehäuses zugängliche Entleerungsöffnung zur Entfernung von Kesselstein (limestone). Zunächst ist die den Stopfen maskierende Abdeckung aus ihrer geschlossenen Stellung in ihre offene, den Zugang zum Stopfen freigebende Stellung in Pfeilrichtung zu bewegen (vgl. Seite 2, 3, 8 Abs. periodic cleaning of the boiler). \n\n211\\. *N4, Abbildungen Seite 2*\n\n212\\. Ein Scharnier gemäß den Merkmalen 1.4.1 und 4.1 ist nicht unmittelbar und eindeutig offenbart. \n\n213\\. **b)** N5 betrifft einen Auszug aus der Bedienungsanleitung für das Gerät \"Morphy Richards Power Steam Elite\" mit dem Auszug A5. \n\n214\\. N5 beschreibt ein elektrisches Haushaltsgerät zum Bügeln mit einem Gehäuse (base unit 18), das einen Dampferzeuger (steam generator, boiler) einschließt, der eine Entleerungsöffnung, einen Stopfen (boiler screw 23) und eine Abdeckung (boiler cap 24) aufweist (vgl. Seite 4). \n\n215\\. *N5, Abbildung Seite 4*\n\n216\\. Die Verbindung zwischen der Abdeckung 24 und dem Gehäuse ist als schmales Band ausgebildet. \n\n217\\. Im Video gemäß Auszug A5 (Zeitpunkt 1:03) ist die Abdeckung nach unten verkippt zu sehen. Der Fachmann sieht daher das schmale Band lediglich als Verliersicherung und nicht als Scharnier an, da es auch Bewegungen um mehr als eine Achse ohne Weiteres zulässt. \n\n218\\. Ein Scharnier gemäß den Merkmalen 1.4.1 und 4.1 ist somit nicht unmittelbar und eindeutig offenbart. \n\n219\\. **c)** N6 betrifft eine Bedienungsanleitung für ein Gerät der \"Kennwood IC700 Serie\" mit einem Auszug A6. \n\n220\\. *N6, Abbildung Seite 4*\n\n221\\. N6 beschreibt ein elektrisches Haushaltsgerät zum Bügeln (Bügeleisen, Dampfstation) mit einem Gehäuse, das einen Dampferzeuger (Boiler) einschließt, der eine Entleerungsöffnung, einen Stopfen (Boilerkappe) und eine Abdeckung (Verschlusskappe 2) aufweist. Der Stopfen verschließt die von außerhalb des Gehäuses zugängliche Entleerungsöffnung zur Entfernung von Kesselstein (Kalkablagerungen). Zunächst ist die den Stopfen maskierende Abdeckung 2 aus ihrer geschlossenen Stellung in Pfeilrichtung in ihre offene, den Zugang zum Stopfen freigebende Stellung zu öffnen (vgl. Seiten 4, 22, 25). \n\n222\\. *N6, Abbildung Seite 26*\n\n223\\. Die Abdeckung 2 weist ein Band auf, das in eine Vertiefung des Gehäuses eingreift und dort geführt sein dürfte. \n\n224\\. Eine feste Verbindung mit dem Gehäuse durch ein Scharnier gemäß den Merkmalen 1.4.1 und 4.1 offenbart N6 nicht unmittelbar und eindeutig. \n\n225\\. **d)** Die Druckschrift N7 betrifft eine Dampfbügel-Station (vgl. Absatz [0001]). Es handelt sich um ein elektrisches Haushaltsgerät zum Bügeln mit einem Gehäuse (Boden 3), das einen Dampferzeuger (Dampfaufbereitungs-Vorrichtung 27) einschließt, der eine Öffnung (Einfüllstutzen zum Befüllen des Wassertanks 30), einen Stopfen (Deckelteil 29) und eine Abdeckung (Deckelteil 5) aufweist. Der Stopfen 29 verschließt die von außerhalb des Gehäuses zugängliche Öffnung. Zunächst ist die den Stopfen 29 maskierende Abdeckung 5 aus ihrer geschlossenen Stellung (vgl. Figur 2) in ihre offene, den Zugang zum Stopfen 29 freigebende Stellung (vgl. Figur 3) zu öffnen. Die Abdeckung 5 ist mit Scharnieren 7 am Gehäuse 3 fest verbunden (vgl. Spalte 2, Zeilen 37 bis 42, Spalte 3, Zeilen 7 bis 12, 37, 38). \n\n226\\. *N7, Figuren 2 und 3*\n\n227\\. Es ist nicht unmittelbar und eindeutig offenbart, dass die Öffnung die Entfernung von Kesselstein ermöglicht (Merkmal 1.2). \n\n228\\. **e)** Die Druckschrift N8\u002FA8 betrifft eine Bügelstation (vgl. A8, Anspruch 1). Es handelt sich um ein elektrisches Haushaltsgerät zum Bügeln mit einem Gehäuse (main body 1), das einen Dampferzeuger (means for generating steam) einschließt, der eine Öffnung (reﬁllable water tank through a plug 13), einen Stopfen (plug 13) und eine Abdeckung (lid 6) aufweist (vgl. A8, Seite 2, 3, N8 Figuren). \n\n229\\. Es ist nicht unmittelbar und eindeutig offenbart, dass die Öffnung die Entfernung von Kesselstein ermöglicht (Merkmal 1.2). \n\n230\\. *N8, Figuren 1 und 2*\n\n231\\. **5.** Der Gegenstand des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 1 beruht auch auf erfinderischer Tätigkeit. \n\n232\\. **5.1** Eine Kombination von N1 oder N2 mit N10, N11 oder N12 legt den Gegenstand des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 1 nicht nahe. \n\n233\\. Die Druckschrift N10 (bzw. deutsche Übersetzung A10) betrifft eine Filtervorrichtung, die Verunreinigungen, wie beispielsweise Flusen, die im Abwasser einer Waschmaschine und dergleichen enthalten sind, auffängt (vgl. Absatz [0001]). \n\n234\\. Die Filtervorrichtung 17 weist u.a. einen zylindrischen Körper mit einer Öffnung für einen Verschluss 35 auf (vgl. Abbildung 3). Abbildung 2 zeigt eine Trommelwaschmaschine 1 mit einer Abdeckung 101 im geöffneten Zustand. Die Abdeckung 101 ist am unteren Ende drehbar gelagert und weist eine sich schräg erstreckende Rippe 102 auf, die in Fließrichtung des Wassers geneigt ist. Wenn die Abdeckung 101 geöffnet und der Verschluss 35 entfernt wird, fließt das Wasser die hintere Oberfläche der Abdeckung 101 in die in Abbildung 17 gezeigte Schale T hinab (vgl. Absätze [0042], [0043]), die sich unterhalb der Abdeckung 101 befindet. \n\n235\\. *N10, Abbildungen 2, 3*\n\n236\\. N10\u002FA10 offenbart die Merkmale 1.3, 1.4, 1.4.1, 1.4.2, 1.4.3 des erteilten Anspruchs 1 und die Merkmale 4.1, 4.2 und 4.3 des erteilten Anspruchs 4. \n\n237\\. Die Klägerin führt zur Kombination von N1 oder N2 mit N10 aus: Die technische Wirkung der Merkmale des Anspruchs 4 des Streitpatents bestehe ausweislich des Absatz [0014] der Beschreibung des Streitpatents darin, \"die Abdeckung in geöffneter Position als Auffangbehälter für die aus der Abflussöffnung austretende Flüssigkeit zu verwenden\". Dadurch werde verhindert, \"dass die Flüssigkeit ungeregelt am Gehäuse entlangläuft, dieses verschmutzt und in das Gerät gelangt\". Dementsprechend ließe sich als objektive Aufgabe formulieren, beim Entkalken ein ungeregeltes Entlanglaufen von Flüssigkeit am Gehäuse, in das Gehäuse und damit ein Verschmutzen des Gehäuses zu verhindern. \n\n238\\. Bei N1 ist vom Benutzer ein Trichter in die Entleerungsöffnung einzusetzen, Flüssigkeit durch den Trichter einzufüllen, das gesamte Gerät zu schütteln und dann mit der Entleerungsöffnung und dem darin eingesetzten Trichter nach unten zum Entleeren auszurichten (vgl. Abbildung g, Seite 4). Bei N1 dürfte es notwendig sein, dass das Gerät zum vollständigen Entleeren mit der Entleerungsöffnung nach unten auszurichten ist, so dass nicht zu erwarten ist, dass das Gehäuse dabei verschmutzt wird. Es ist nicht ersichtlich, welche Vereinfachung sich durch das Vorsehen einer Abdeckung gemäß N10 ergeben sollte, zumal der Trichter weiterhin zum Einfüllen notwendig ist. \n\n239\\. Auch bei N2 ist das Gerät vom Benutzer zu schütteln, bevor die Flüssigkeit durch Kippen des Geräts über die Entleerungsöffnung ausgegossen wird (vgl. Seite 11). Bei N2 ist somit davon auszugehen, dass das Gerät zum vollständigen Entleeren zu kippen ist. Durch das notwendige Kippen wird ein Verschmutzen des Gehäuses verhindert. \n\n240\\. Der Senat vermag daher nicht zu erkennen, warum der Fachmann bei N1 oder N2 eine Abdeckung gemäß N10 vorsehen sollte, die bei einer Waschmaschine verwendet wird, die zum Entleeren nicht gekippt wird. \n\n241\\. Die Druckschriften N11 und N12 betreffen gemäß Bezeichnung eine Waschmaschine mit Flusenfilter bzw. eine Waschmaschine mit einem Flusensieb. Aus den zur N10 genannten Gründen kombiniert der Fachmann auch N1 oder N2 nicht mit N11 oder N12. \n\n242\\. **5.2** Auch eine Kombination von N1, N2 oder N3 mit allgemeinem Fachwissen legt den Gegenstand des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 1 nicht nahe. \n\n243\\. Es mag - wie von der Klägerin ausgeführt - gängige Praxis sein, in Dampfbügelstationen sowie Dampfbügeleisen Deckel mit Scharnier bzw. klappbare Deckel vorzusehen, die zum Befüllen als auch Entleeren genutzt werden können (vgl. N9 und N13 bis N17). \n\n244\\. Die Abdeckung 12 auf Seite 2 von N9, die Abdeckung 134 in Figur 2 der N13, die Abdeckung 16 in Figur 1 der N14, die Abdeckung 16 der N15, die Abdeckung 3 in N16 und die Abdeckung 4 in Figur 2, 8 der N17 betreffen jeweils keine Abdeckung, die einen Stopfen maskiert (Merkmale 1.4, 1.4.2). \n\n245\\. Wie zur Kombination von N1 oder N2 mit N10 bereits ausgeführt, ist es bei N1 notwendig, das Gerät zum vollständigen Entleeren mit der Entleerungsöffnung nach unten auszurichten, während bei N2 das Gerät gekippt werden muss. Dabei ist eine Verschmutzung des Gehäuses nicht zu erwarten. \n\n246\\. Beim Gerät gemäß N3 ist die Entleerungsöffnung bereits an der Unterseite angeordnet. Das Entleeren erfolgt gemäß Bedienungsanleitung über einem Waschbecken. Auch dabei ist eine Verschmutzung des Gehäuses nicht zu erwarten. \n\n247\\. Es ist daher nicht ersichtlich, warum der Fachmann bei N1, N2 oder N3 eine Abdeckung mit den Merkmalen 4.1, 4.2 und 4.3 vorsehen sollte, die verhindert, dass das Gehäuse beim Entleeren verschmutzt. \n\n248\\. Bei N9 (vgl. Figur B, Seiten 36, 38, 39) oder N17 (vgl. Chapter 4.2, Figur 11) wird das Gerät zur Reinigung mit oben liegender Öffnung gefüllt und anschließend mit der Öffnung nach unten entleert. Aufgrund dieser Handhabung können N9 und N17 analog zu N1 oder N2 keine Hinweise zur Anbringung einer Abdeckung zur Erleichterung des Ausfließens geben. \n\n249\\. Die weiteren Druckschriften N18, N19, N20 und N21 betreffen gemäß Bezeichnung ein Regenfallrohr, eine Wasserklappe für Dachrinnen-Fallrohre, eine Regenwasserklappe bzw. einen Adapter für Wasserablaufklappe. Aus diesen Druckschriften sind Klappen zur Leitung von Wasser bekannt. Die Druckschriften N18 bis N21 liegen weiter ab und führen nicht weiter als die N9 oder N13 bis N17. \n\n250\\. **5.3** Ebenso legt eine Kombination von N1 oder N2 mit einem der Dokumente N22 oder N23 den Gegenstand des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 1 nicht nahe. \n\n251\\. Die Druckschriften N22 und N23 betreffen gemäß Bezeichnung einen Dunsterzeuger bzw. ein Beauty-Gerät. Die Druckschriften N22 und N23 liegen weiter ab und führen nicht weiter als die N9 oder N13 bis N17. \n\n252\\. **5.4** Letztlich legt auch eine Kombination von N9 mit einem der Dokumente N1, N2, N3, N5 oder N6 und einem der Dokumente N10, N11 oder N12 den Gegenstand des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 1 nicht nahe. \n\n253\\. Das Dokument N9 betrifft eine Dampfbügelstation (Merkmal 1) mit einem Gehäuse, das einen Dampferzeuger 14 mit einer Entleerungsöffnung zur Entfernung von Kesselstein einschließt (Merkmale 1, 1.1, 1.2). Die Abbildungen auf den Seiten 1, 2 und 4 (hier Figur B) zeigen eine Abdeckung (Verschlusskappe 17) in geschlossener Stellung, die zum Öffnen eine Viertelumdrehung nach links zu schrauben ist, um anschließend den Stopfen (Verschluss 18) mit einem Geldstück vom Druckbehälter zu schrauben (vgl. Seite 36 oben, Seite 38, Abschnitt \"Spülen des Boilers […] Figur B\"). \n\n254\\. *N9, Abbildung Seite 1*\n\n255\\. *N9, Abbildung Seite 2*\n\n256\\. *N9, Abbildung Seite 4*\n\n257\\. Der Fachmann könnte ausgehend von N9 vor der Aufgabe gestanden haben, die drehbare Abdeckung 17 so anzubringen, dass sie nicht leicht verlorengehen kann, um damit die Gefahr einer Verbrennung durch Berührung des Verschlusses (Stopfens) zu senken, wie es auch im Streitpatent in Absatz [0005] erwähnt ist. Damit wird analog zum Streitpatent (vgl. Absatz [0006]) die Sicherheit und Ergonomie bei der Benutzung des Haushaltsgeräts verbessert. \n\n258\\. So dürfte der Fachmann eine Abdeckung, die mit dem Gehäuse fest verbunden ist, aus der N1 (vgl. Abbildung Seite 3, Abbildung g Seite 4), N2 (vgl. Abbildung Seite 11, Fotos) oder N3 (vgl. Fotos) an dem Haushaltsgerät gemäß N9 zur Lösung der Aufgabe vorsehen. \n\n259\\. N1 regt den Fachmann an, das Band, das die Abdeckung mit dem Gehäuse verbindet, in der bestimmungsgemäßen Betriebsposition seitlich der Entleerungsöffnung vorzusehen, so dass sich die Abdeckung in der geöffneten Stellung seitlich der Entleerungsöffnung erstreckt. \n\n260\\. N2 regt den Fachmann an, das Band, das die Abdeckung mit dem Gehäuse verbindet, in der bestimmungsgemäßen Betriebsposition oberhalb der Entleerungsöffnung vorzusehen, so dass sich die Abdeckung in der geöffneten Stellung oberhalb der Entleerungsöffnung erstreckt. \n\n261\\. N3 und N9 selbst können diesbezüglich keine Anregung geben. \n\n262\\. Somit führt eine Kombination von N9 mit einem der Dokumente N1, N2 oder N3 nicht in naheliegender Weise dazu, ein Scharnier unterhalb der Entleerungsöffnung anzuordnen (Merkmal 4.1), wobei sich die Abdeckung in der geöffneten Stellung unterhalb der Entleerungsöffnung erstreckt (Merkmal 4.2). \n\n263\\. Das Gerät gemäß N9 (vgl. untere Abbildung der Figur B, Seite 4) ist beim Entleerungsvorgang ähnlich dem Gerät gemäß N2 (vgl. Abbildung H, Seite 11) zu kippen. Wie bei N2 ist dabei eine Verschmutzung des Gehäuses nicht zu erwarten. \n\n264\\. Folglich wird der Fachmann - wie zur N1 und N2 bereits ausgeführt - auch beim Gerät gemäß N9 oder beim Gegenstand der Kombination von N9 mit N1 oder N2 keine Abdeckung gemäß N10, N11 oder N12 vorsehen. \n\n**V.**\n\n265\\. Die Kostenentscheidung beruht auf § 84 Abs. 2 Satz 1 und Satz 2 Halbsatz 1 PatG i. V. m. § 92 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2 ZPO. Die Kostenquote entspricht dem Anteil des Obsiegens und Unterliegens der Parteien. Da die mit Hilfsantrag 1 verteidigte Fassung zu einer deutlichen inhaltlichen Beschränkung des geschützten Gegenstands führt, ist das Unterliegen der Beklagten mit 50 % und dementsprechend das der Klägerin auch mit 50 % zu bewerten. \n\n266\\. Der Ausspruch über die vorläufige Vollstreckbarkeit beruht auf § 99 Abs. 1 PatG i. V. m. § 709 ZPO.","de","jurionline_de","","BPatG München, 14.05.2024, 7 Ni 11\u002F22 (EP)","ecli-de-neuris-jure249031603",null,[19,34,44,54,64],{"id":20,"ecli":21,"caseNumber":14,"courtId":22,"courtName":14,"decisionDate":23,"fullText":24,"language":25,"source":26,"sourceUrl":27,"summary":14,"slug":28,"metadata":29},"410","ECLI:NL:RBLIM:2026:6423",66,"2026-07-08T00:00:00.000Z","RECHTBANK limburg\n\nZittingsplaats Roermond\n\nBestuursrecht\n\nzaaknummer: ROE 25 \u002F 2565\n\nuitspraak van de meervoudige kamer van 8 juli 2026 in de zaak tussen\n\n [belanghebbende] , gevestigd te [plaats], belanghebbende\n\n(gemachtigde: M.O.E. Uyen)\n\nen\n\nde heffingsambtenaar van de Belastingsamenwerking Gemeenten en Waterschappen, de heffingsambtenaar (gemachtigde: A. van den Dool).\n\nProcesverloop\n\nDe heffingsambtenaar heeft op grond van de Wet waardering onroerende zaken (Wet woz) de waarde van de onroerende zaken van belanghebbende voor het belastingjaar 2025 vastgesteld (het primaire besluit).\n\nBelanghebbende heeft tegen het primaire besluit bezwaar gemaakt.\n\nDe heffingsambtenaar heeft het bezwaar van belanghebbende gegrond verklaard (het bestreden besluit). Aan belanghebbende is een proceskostenvergoeding van in totaal € 161,74 toegekend.\n\nBelanghebbende heeft tegen het bestreden besluit beroep ingesteld.\n\nDe heffingsambtenaar heeft verweer gevoerd.\n\nOp 4 mei 2026, aangevuld op 11 mei 2026, zijn van belanghebbende nadere gronden en stukken ontvangen.\n\nHet onderzoek ter zitting heeft vervolgens plaatsgevonden op 15 mei 2026. Belanghebbende heeft zich laten vertegenwoordigen door mr. L.H.G.M. Driessen, kantoorgenote van haar gemachtigde bij Previcus B.V. te Boxmeer. De heffingsambtenaar heeft zich laten vertegenwoordigen door zijn gemachtigde.\n\nOverwegingen\n\n1. De rechtbank stelt vast dat de woz-waarde tussen partijen niet meer in geschil is. Het beroep van belanghebbende richt zich enkel tegen de toegekende proceskostenvergoeding en spitst zich toe op de vraag of de heffingsambtenaar bij de vaststelling van de proceskostenvergoeding in bezwaar toepassing heeft mogen geven aan de vermenigvuldigingsfactor 0,125 van artikel 30a, eerste lid, van de Wet woz, zoals dit artikellid luidt met ingang van 1 januari 2025.\n\n2. De heffingsambtenaar heeft in het bestreden besluit de proceskostenvergoeding van € 161,74 als volgt gespecificeerd:\n\n- indienen bezwaarschrift: 1 punt x waarde per punt € 647,- x factor 0,125 = € 80,87 +\n\n- bijwonen hoorzitting: 1 punt x waarde per punt € 647,- x factor 0,125 = € 80,87 = € 161,74.\n\n3. Belanghebbende vindt dat de heffingsambtenaar een te lage proceskostenvergoeding heeft toegekend. Zij verzoekt de rechtbank om artikel 30a van de Wet woz buiten toepassing te laten, omdat haar gemachtigde een bijzonder geval is als bedoeld in het zogenoemde 30a-arrest van de Hoge Raad van 17 januari 2025 (ECLI:NL:HR:2025:46).\n\n4. In het 30a-arrest heeft de Hoge Raad geoordeeld dat bijzondere gevallen zich onderscheiden doordat zij niet voldoen aan de volgende kenmerken: dat aan de belanghebbende rechtsbijstand wordt verleend door een beroepsmatig optredende gemachtigde, dan wel een kantoor, waarvan het bedrijfsmodel eruit bestaat dat\n\n( i) wordt opgetreden op basis van no cure no pay,\n\n(ii) daarbij zodanige afspraken met de cliënten worden gemaakt dat het bedrag van eventuele proceskostenvergoedingen aan de gemachtigde of aan het kantoor wordt afgedragen, en\n\n(iii) de procedures op een zodanige wijze worden gevoerd dat de daarin toegekende proceskostenvergoedingen de in redelijkheid gemaakte kosten ver overtreffen.\n\n5. De daarbij te hanteren regels zijn nader uitgewerkt in de arresten van de Hoge Raad van 25 april 2025 (ECLI:NL:HR:2025:670) en 18 juli 2025 (ECLI:NL:HR:2025:1175).\n\n5.1.. Volgens de Hoge Raad rusten op de belanghebbende de stelplicht en bewijslast van feiten die meebrengen dat buiten redelijke twijfel komt vast te staan dat, beoordeelt naar de situatie op het moment waarop het desbetreffende rechtsmiddel is aangewend, het bedrijfsmodel van de betreffende gemachtigde of diens kantoor kennelijk niet allehiervoor bedoelde drie kenmerken heeft en dat aldus sprake is van een bijzonder geval. Er is dus (al) sprake van een bijzonder geval als één van de drie kenmerken niet van toepassing is.\n\n5.2.. Bij de beoordeling van het bedrijfsmodel gaat het niet specifiek om de werkzaamheden die de gemachtigde heeft verricht in de procedure waarop de proceskostenvergoeding ziet. Met het bedrijfsmodel is namelijk meer in het algemeen de wijze bedoeld waarop de gemachtigde zijn inkomsten verwerft met het beroepsmatig verlenen van rechtsbijstand.\n\n5.3.. Indien het bedrijfsmodel van een gemachtigde of een kantoor inhoudt dat wordt opgetreden op basis van no cure no pay (i), of op een grondslag die daarmee in wezen overeenkomt en daarmee dus op één lijn kan worden gesteld, en dat daarbij afspraken met de cliënten worden gemaakt als hiervoor onder (ii) bedoeld, zal aldus moeten worden beoordeeld of dit bedrijfsmodel voldoet aan het hiervoor onder (iii) vermelde kenmerk van vergaande overdekking. Daartoe moet een vergelijking worden gemaakt tussen enerzijds het totale bedrag aan proceskostenvergoedingen dat aan de gemachtigde of aan het kantoor wordt afgedragen, en anderzijds het totale bedrag van de kosten van de gemachtigde of van het kantoor die kunnen worden toegerekend aan het voeren van de procedures waarop die proceskostenvergoedingen betrekking hebben. Het komt dus erop aan of het totale bedrag van de afgedragen proceskostenvergoedingen het totale bedrag van de zojuist bedoelde kosten verre overtreft. De omstandigheid dat vaak geheel of ten dele gebruik wordt gemaakt van gestandaardiseerde tekstblokken die niet zijn toegespitst op de desbetreffende zaak, vormt een aanwijzing dat het bedrijfsmodel wel het derde kenmerk van vergaande overdekking heeft, en zal daarom in het algemeen volstaan om aan te nemen dat de belanghebbende niet in dit door hem te leveren bewijs is geslaagd.\n\n6. In het arrest van 26 september 2025 (ECLI:NL:HR:2025:1375) heeft de Hoge Raad nader uitgewerkt wanneer sprake is van een bedrijfsmodel dat eruit bestaat dat wordt opgetreden op basis van no cure no pay (i). Bij optreden op basis van no cure no pay moet worden uitgegaan van afspraken tussen de belanghebbende en de rechtsbijstandverlener op grond waarvan de belanghebbende geen financieel risico loopt bij inschakeling van de rechtsbijstandverlener, omdat geen instapvergoeding verschuldigd is noch een percentage van de bespaarde belasting als vergoeding moet worden afgestaan (zie Kamerstukken II 2023\u002F24, 36 427, nr. 3, blz. 2). Bij de beoordeling van de vraag of het bedrijfsmodel van een beroepsmatig optredende gemachtigde, dan wel een kantoor, eruit bestaat dat wordt opgetreden op basis van no cure no pay, komt het dus erop aan of die gemachtigde dan wel diens kantoor afspraken maakt met klanten op grond waarvan zij geen financieel risico lopen bij het verstrekken van de opdracht tot het verlenen van rechtsbijstand in een belastingprocedure. De verschuldigdheid van een instapvergoeding staat niet in alle gevallen eraan in de weg dat afspraken met een rechtsbijstandsverlener worden aangemerkt als afspraken op basis van no cure no pay. Onder het beroepsmatig verlenen van rechtsbijstand op basis van no cure no pay wordt namelijk ook begrepen het beroepsmatig verlenen van rechtsbijstand op een grondslag die daarmee in wezen overeenkomt en daarmee dus op één lijn kan worden gesteld. Dan moet worden gedacht aan de betaling van een zodanig laag bedrag dat die betaling als een pro forma of symbolische bijdrage moet worden beschouwd.\n\n7. De rechtbank stelt vast dat de gemachtigde van belanghebbende in deze zaak niet heeft bestreden dat haar bedrijfsmodel de hiervoor onder (ii) en (iii) vermelde kenmerken heeft.\n\n8. Belanghebbende bestrijdt dat het bedrijfsmodel van haar gemachtigde ten tijde van het instellen van bezwaar (en beroep) eruit bestaat dat wordt opgetreden op basis van no cure no pay (i). Hiertoe heeft de gemachtigde verwezen naar een beschrijving van haar per 1 januari 2025 gewijzigde bedrijfsmodel (“Bijzonder geval: bedrijfsmodel Previcus en artikel 30a Wet WOZ”).\n\n8.1.. Volgens die beschrijving is de werkwijze met ingang van 1 januari 2025 fundamenteel gewijzigd. Het aantal dossiers is vanaf 2025 aanzienlijk afgenomen van 128.000 zaken naar circa 1.291 zaken. De zaken worden (vrijwel) niet meer op basis van no cure no pay uitgevoerd, maar volgens een regulier model waarin een cliënt, ongeacht de uitkomst van de zaak, een vaste startvergoeding betaalt (doorgaans gebaseerd op het aantal aanslagbiljetten) en\u002Fof een deel van de gerealiseerde besparing afdraagt (in bijna alle gevallen 40% van de besparing). De vóór 2025 aangebrachte zaken worden nog op basis van no cure no pay uitgevoerd. Bovendien worden vanaf 2025 alle aanslagbiljetten op voorhand gescreend en worden enkel de zaken doorgezet waarbij op voorhand onvoldoende duidelijk is dat er geen fouten zijn gemaakt. Er is, aldus de beschrijving, geen sprake meer van een grote massa waar de wetswijziging (Wet herwaardering proceskostenvergoeding WOZ en Bpm) op zag. De gemachtigde richt zich voortaan op de zakelijke markt, waarbij vrijwel altijd ook prijsafspraken met belanghebbenden worden gemaakt die losstaan van eventueel toegekende proceskostenvergoedingen.\n\n8.2.. De gemachtigde heeft de prijsafspraken over 2025 als volgt in een overzicht opgenomen.\n\n8.3.. De vermelding in de volmacht dat de vergoeding voor de werkzaamheden uitsluitend het totaal van de proceskostenvergoedingen bedraagt, klopt, aldus de beschrijving, niet meer. De onderliggende overeenkomsten bepalen dat cliënten zelf vergoedingen verschuldigd zijn. De proceskostenvergoeding speelt daarin nog slechts een kleine aanvullende rol.\n\n9. Op 4 mei 2026 heeft de gemachtigde van belanghebbende de facturen en betaalbewijzen in een groot aantal zaken, waarin zij als gemachtigde optreedt, ingezonden. Op 11 mei 2026 is daarvan een overzicht overgelegd. Die stukken bevestigen het beeld dat de beschrijving van het bedrijfsmodel geeft. Uit de facturen en betaalbewijzen blijkt namelijk dat de gemachtigde van een groot deel van haar cliënten een “besparingsfee” van minimaal 30% van de eventuele belastingbesparing vraagt, zij die “besparingsfee” aan haar cliënten factureert en die “besparingsfee” vervolgens ook door de cliënten wordt betaald.\n\n10. Daarnaast komt uit de facturen en betaalbewijzen naar voren dat de meeste cliënten (bovenop de “besparingsfee”) tevens een (in hoogte variërende) “startfee” zijn verschuldigd. Op zitting heeft de gemachtigde toegelicht dat, indien overeengekomen, de “startfee” altijd wordt gefactureerd en betaald. Dat dit niet in alle gevallen gebeurt blijkt uit de overgelegde facturen en betaalbewijzen, en komt, aldus de gemachtigde, doordat de “startfee”, die ongeacht de uitkomst is verschuldigd, in die gevallen eerder is gefactureerd en betaald. Dat is anders bij de “besparingsfee”, die niet eerder dan na het nemen van het bestreden besluit in rekening kan worden gebracht, omdat dan pas de (hoogte van de) besparing duidelijk is.\n\n11. De heffingsambtenaar heeft zich ter zitting op het standpunt gesteld dat het pas op 4 mei 2026 door de gemachtigde van belanghebbende indienen van facturen en betaalbewijzen (die op 6 mei 2026 door de rechtbank zijn vrijgegeven), die al in 2025 beschikbaar waren, in strijd is met een goede procesorde. De rechtbank overweegt dat partijen in beginsel vrij zijn om gedurende de procedure hun standpunten aan te vullen. Die vrijheid wordt echter begrensd door de beginselen van de goede procesorde. Hoewel de late indiening van reeds voorhanden zijnde stukken niet de schoonheidsprijs verdient, ziet de rechtbank hierin geen grond om die stukken vanwege strijd met een goede procesorde buiten beschouwing te laten. Hiertoe acht de rechtbank van belang dat de stukken een onderbouwing vormen van een eerder door de gemachtigde ingenomen standpunt, een reactie zijn op het verweerschrift en dat de aard en de omvang van de stukken niet zodanig zijn dat van de heffingsambtenaar om adequaat hierop te kunnen reageren een nader diepgaand (feiten)onderzoek wordt gevergd. De inhoudelijke reactie van de heffingsambtenaar op de stukken in de pleitnota bevestigen dit oordeel.\n\n12. De rechtbank stelt voorop dat voor haar de facturen en de betaalbewijzen leidend zijn voor de beoordeling van de vraag of kenmerk (i) op de gemachtigde van belanghebbende van toepassing is. Naar het oordeel van de rechtbank zijn (alleen) die stukken, en niet (ook) de overeenkomst, de website en de algemene voorwaarden van de gemachtigde (op 9 februari 2025), waarvan gesteld is dat die op dat moment nog niet in overeenstemming met het gewijzigde bedrijfsmodel waren gebracht, relevant voor de vraag of sprake is van een bedrijfsmodel op basis van no cure no pay. Omdat het bedrijfsmodel van de gemachtigde (en niet de vergoedingen in de aan de rechtbank voorliggende zaken) moet worden beoordeeld, blijft die beoordeling, anders dan de heffingsambtenaar stelt, niet beperkt tot de gemeenten binnen het ambtsgebied van de heffingsambtenaar. Daaruit volgt ook dat op grond van het (incidenteel) ontbreken van facturen en betaalbewijzen in aan de rechtbank voorliggende zaken niet zonder meer kan worden geconcludeerd dat kenmerk (i) op het bedrijfsmodel van de gemachtigde van toepassing is.\n\n13. De rechtbank is van oordeel dat met voldoende gegevens is onderbouwd dat de gemachtigde in 2025 voor een groot deel van de procedures een “besparingsfee” in rekening heeft gebracht. Door het betalen van een “besparingsfee” loopt een belanghebbende bij de inschakeling een gemachtigde voor het voeren van een procedure een financieel risico (zie hiervoor het arrest van de Hoge Raad van 26 september 2025). Deze door de gemachtigde gevraagde vergoeding (van 30-40%) acht de rechtbank, nog daargelaten dat de Hoge Raad dat enkel ten aanzien van “instapvergoedingen” heeft geoordeeld, ook niet dusdanig laag dat kan worden gesproken van rechtsbijstandverlening op een grondslag die in wezen overeenkomt met rechtsbijstandverlening op basis van no cure no pay. Op grond van het vorenstaande heeft belanghebbende, naar het oordeel van de rechtbank, buiten redelijke twijfel bewezen dat het bedrijfsmodel van de gemachtigde ten tijde van het instellen van bezwaar niet het kenmerk van optreden op basis van no cure no pay heeft (i). Daaraan doet niet af dat een belanghebbende vooraf ermee heeft ingestemd dat een eventuele vergoeding van proceskosten aan de gemachtigde toekomt. Dat geldt ook voor het ontbreken van facturen en betaalbewijzen van op een eerder moment in rekening gebrachte “startfees” en de door de heffingsambtenaar gestelde inconsistenties in de hoogte hiervan.\n\n14. Uit het vorenstaande volgt dat sprake is van een bijzonder geval en de heffingsambtenaar ten onrechte toepassing heeft gegeven aan artikel 30a, eerste lid, van de Wet woz.\n\n15. Dit betekent dat het beroep van belanghebbende gegrond is. De rechtbank vernietigt het bestreden besluit voor zover dat ziet op de toegekende proceskostenvergoeding en bepaalt met toepassing van artikel 8:72, derde lid, aanhef en onder b, van de Algemene wet bestuursrecht de proceskostenvergoeding voor de bezwaarfase op € 1.332,- (2 x € 666,-).\n\n16. Aan het standpunt van belanghebbende dat aan het bestreden besluit een motiveringsgebrek kleeft, wordt niet toegekomen.\n\n17. Omdat het beroep gegrond is, moet de heffingsambtenaar het griffierecht aan belanghebbende vergoeden.\n\n18. De rechtbank acht termen aanwezig om de heffingsambtenaar te veroordelen in de proceskosten die belanghebbende redelijkerwijs heeft moeten maken in verband met de behandeling van het beroep, een en ander eveneens overeenkomstig de normen van het Besluit proceskosten bestuursrecht. Aan belanghebbende is door een derde beroepsmatig rechtsbijstand verleend. Voor de in aanmerking te nemen proceshandelingen worden 2 punten (1 punt voor het indienen van het beroepschrift en 1 punt voor het verschijnen op zitting met een waarde van € 934,- per punt) toegekend. De rechtbank bepaalt in overeenstemming met het Richtsnoer proceskostenvergoeding belastingkamers gerechtshoven 2024 (neergelegd in de uitspraak van het gerechtshof ’s-Hertogenbosch van 7 augustus 2024, ECLI:NL:GHSHE:2024:2524) de wegingsfactor op 0,5. Gelet hierop bedraagt het vanwege de in deze zaak verleende rechtsbijstand te vergoeden bedrag in totaal € 934,-.\n\nBeslissing\n\nDe rechtbank:\n\n- verklaart het beroep gegrond;\n\n- vernietigt het bestreden besluit voor zover dat ziet op de toegekende proceskostenvergoeding, stelt de proceskostenvergoeding voor de bezwaarfase vast op € 1.332,- en bepaalt dat deze uitspraak in de plaats treedt van het vernietigde besluit;\n\n- draagt de heffingsambtenaar op het betaalde griffierecht van € 385,- aan belanghebbende te vergoeden;\n\n- veroordeelt de heffingsambtenaar in de proceskosten van belanghebbende wegens verleende rechtsbijstand in beroep tot een bedrag van € 934,-.\n\nDeze uitspraak is gedaan door mr. B.F.A. van Huijgevoort, voorzitter, en mrs. E.P.J. Rutten en J.H. van Hoof leden, in aanwezigheid van mr. D.D.R.H. Lechanteur, griffier.De beslissing is in het openbaar uitgesproken op 8 juli 2026.\n\ngriffier rechter\n\nAfschrift verzonden aan partijen op: 8 juli 2026.\n\nRechtsmiddel\n\nTegen deze uitspraak kunnen partijen binnen zes weken na de verzenddatum hoger beroep instellen bij het gerechtshof ’s-Hertogenbosch (belastingkamer).\n\nU kunt digitaal beroep instellen via www.rechtspraak.nl. Daar klikt u op “Formulieren en inloggen”. Hoger beroep instellen kan eventueel ook nog steeds door verzending van een brief aan het gerechtshof ’s-Hertogenbosch (belastingkamer).\n\nBij het instellen van het hoger beroep dient het volgende in acht te worden genomen:\n\n1. bij het hogerberoepschrift wordt een afschrift van deze uitspraak overgelegd;\n\n2 - het hogerberoepschrift moet, indien het op papier wordt ingediend, ondertekend zijn. Verder moet het ten minste het volgende vermelden:\n\na. de naam en het adres van de indiener;\n\nb. de datum van verzending;\n\nc. een omschrijving van de uitspraak waartegen het hoger beroep is ingesteld;\n\nd. de redenen waarom u het niet eens bent met de uitspraak (de gronden van het hoger beroep).","nl","rechtspraak_nl","https:\u002F\u002Fdeeplink.rechtspraak.nl\u002Fuitspraak?id=ECLI:NL:RBLIM:2026:6423","ecli-nl-rblim-2026-6423",{"courtName":30,"legalDomain":31,"decisionType":32,"procedureType":33},"Roermond","Bestuursrecht; Belastingrecht","uitspraak","Uitspraak",{"id":35,"ecli":36,"caseNumber":37,"courtId":38,"courtName":14,"decisionDate":23,"fullText":39,"language":40,"source":41,"sourceUrl":14,"summary":42,"slug":43,"metadata":17},"85","ECLI:RO:2026:JudecatoriaSECTORUL5BUCURESTI:17050-302-2025-a1","17050\u002F302\u002F2025\u002Fa1",97,"Admite cererea de îndreptare a erorii materiale din cuprinsul sentin?ei civile nr. 2484\u002F06.03.2026, pronunţată de Judecătoria Sectorului 5 Bucure?ti în dosar nr. 17050\u002F302\u002F2025, formulată din oficiu.       \nDispune îndreptarea erorii materiale strecurată în cuprinsul sentin?ei civile nr. 2484\u002F06.03.2026 pronun?ată în cadrul dosarului nr. 17050\u002F302\u002F2025, în sensul re?inerii că pârâtul Vasile Constantin are codul numeric personal ............, iar nu ............., astfel cum în mod eronat s-a consemnat.   \nPrezenta încheiere face parte integrantă din cuprinsul sentin?ei civile nr. 2484\u002F06.03.2026 pronun?ată în cadrul dosarului nr. 17050\u002F302\u002F2025.   \nÎndreptarea se va efectua în toate exemplarele sentin?ei.\n\tCu drept de apel în 30 de zile de la comunicare. 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Voorts is beslist op de vorderingen van de benadeelde partijen, zoals nader omschreven in het vonnis waarvan beroep.\n\nNamens de verdachte is tegen het vonnis hoger beroep ingesteld.\n\nOmvang van het hoger beroep\n\nDe verdachte is door de rechtbank Rotterdam vrijgesproken van hetgeen aan hem onder 1 is tenlastegelegd. Het hoger beroep is door de verdachte onbeperkt ingesteld en is derhalve mede gericht tegen de in eerste aanleg gegeven beslissing tot vrijspraak. Gelet op hetgeen is bepaald in artikel 404, vijfde lid, van het Wetboek van Strafvordering staat voor de verdachte tegen deze beslissing geen hoger beroep open. Het hof zal de verdachte mitsdien niet-ontvankelijk verklaren in het ingestelde hoger beroep, voor zover dat is gericht tegen de in het vonnis waarvan beroep gegeven vrijspraak.\n\nWaar hierna wordt gesproken van \"de zaak\" of \"het vonnis\", wordt daarmee bedoeld de zaak of het vonnis voor zover op grond van het vorenstaande aan het oordeel van dit hof onderworpen.\n\nTenlastelegging\n\nAan de verdachte is – voor zover aan het oordeel van het hof onderworpen – tenlastegelegd dat:\n\n2. hij op of omstreeks 01 januari 2023 te 's-Gravendeel, gemeente Hoeksche Waard, openlijk, te weten, op of aan de Smidsweg en\u002Fof de Langestraat, in elk geval op of aan (een) openbare weg(en), in vereniging geweld heeft gepleegd tegen een of meer verbalisanten van de politie Eenheid Rotterdam, te weten [hoofdagent] (hoofdagent) en\u002Fof [aspirant] (aspirant) en\u002Fof één of meer verbalisanten, zijnde groepsleden van de Mobiele Eenheid van politie Eenheid Rotterdam, te weten [verbalisant 1] en\u002Fof [verbalisant 2] en\u002Fof [verbalisant 3] en\u002Fof [verbalisant 4] en\u002Fof [verbalisant 5] en\u002Fof [verbalisant 6] en\u002Fof [verbalisant 7] en\u002Fof [verbalisant 8] en\u002Fof [verbalisant 9] en\u002Fof [verbalisant 10] en\u002Fof [verbalisant 11] en\u002Fof [verbalisant 12] en\u002Fof [verbalisant 13] en\u002Fof [verbalisant 14] en\u002Fof [verbalisant 15] en\u002Fof [verbalisant 16] en\u002Fof [verbalisant 17] en\u002Fof [verbalisant 18] en\u002Fof [verbalisant 19] en\u002Fof [verbalisant 20] , althans een of meer (andere) verbalisanten door\n\n- één of meer stuks zwaar (illegaal) vuurwerk (betreffende onder meer: cobra's \u002F nitraten \u002F shells) en\u002Fof vuurwerkbommen op\u002Ftegen, althans in de richting van\u002Fnaar voornoemde verbalisanten af te schieten en\u002Fof te gooien, waarbij voornoemd(e) vuurwerk\u002Fvuurwerkbommen vlakbij\u002Fnaast het\u002Fde lichamen en\u002Fof het\u002Fde hoofden\u002Fgezichten van voornoemde verbalisanten tot ontploffing is\u002Fzijn gekomen en\u002Fof\n\n- ( met kracht) één of meer stenen en\u002Fof glaswerk op\u002Ftegen, althans in de richting van voornoemde verbalisanten te gooien en\u002Fof\n\n- ( dreigend) zich op te dringen aan voornoemde ambtenaren en\u002Fof\n\n- ( daarbij) (dreigend) een of meerdere ploertendoders, althans slagvoorwerpen, aan voornoemde ambtenaren te tonen\u002Fvoor te houden en\u002Fof\n\n- ( daarbij) aan die [aspirant] en\u002Fof [hoofdagent] en\u002Fof een of meer (andere) verbalisanten de weg te versperren, althans de doorgang te beletten en\u002Fof (daarbij) te verhinderen dat die [aspirant] en\u002Fof [hoofdagent] en\u002Fof anderen met\u002Fin een (politie)voertuig weg konden rijden en\u002Fof\n\n- naar\u002Fin de richting van voornoemde ambtenaren te schelden, met de woorden: \"Kankerlijers\", \"Kanker op joh\" en\u002Fof \"Kankerpolitie\" en\u002Fof\n\n- ( met kracht) op\u002Ftegen het (politie)schild van die [verbalisant 2] te trappen\u002Fschoppen;\n\n3. hij op of omstreeks 31 december 2022 te 's-Gravendeel, gemeente Hoeksche Waard opzettelijk en wederrechtelijk een vuilnisbak\u002Fprullenbak, in elk geval enig goed, dat\u002Fdie geheel of ten dele aan Gemeente Hoeksche Waard, in elk geval aan een ander dan aan verdachte toebehoorde(n) heeft vernield, beschadigd, onbruikbaar gemaakt.\n\nVordering van de advocaat-generaal\n\nDe advocaat-generaal heeft gevorderd dat het vonnis waarvan beroep ten aanzien van de bewezenverklaring zal worden bevestigd en dat de verdachte ter zake van het onder 2 en 3 tenlastegelegde zal worden veroordeeld tot een gevangenisstraf voor de duur van 107 dagen, met aftrek van voorarrest, waarvan 60 dagen voorwaardelijk en met een proeftijd van 2 jaren.\n\nHet vonnis waarvan beroep\n\nHet vonnis waarvan beroep kan niet in stand blijven omdat het hof zich daarmee niet verenigt.\n\nVrijspraak\n\nDe advocaat-generaal heeft zich op het standpunt gesteld dat het onder 2 tenlastegelegde wettig en overtuigend kan worden bewezenverklaard, nu de verdachte met zijn handelen een bijdrage van voldoende gewicht heeft geleverd aan het openlijk geweld tegen de desbetreffende verbalisanten. Zo heeft de verdachte voorafgaand aan de jaarwisseling deel genomen aan een WhatsApp-groep waarin werd gesproken over het voornemen onrust te veroorzaken ten tijde van de jaarwisseling. Voorts heeft de verdachte in de nacht van de jaarwisseling – nadat hij door leden van de Mobiele Eenheid (ME) was ingesloten –op zijn telefoon een video-opname gemaakt waarin er samen met medeverdachte [medeverdachte] (hierna: [medeverdachte] ) wordt gepraat over het doodschoppen van een ME’er. Vijftien minuten nadat hij deze video had opgenomen, is [medeverdachte] aangehouden voor het schoppen tegen het schild van een ME’er.\n\nHet hof overweegt als volgt.\n\nHet hof stelt voorop dat van het \"in vereniging\" plegen van geweld sprake is, indien de betrokkene een voldoende significante of wezenlijke bijdrage levert aan het geweld, zij het dat deze bijdrage zelf niet van gewelddadige aard hoeft te zijn. De enkele omstandigheid dat iemand aanwezig is in een groep die openlijk geweld pleegt is niet zonder meer voldoende om hem te kunnen aanmerken als iemand die \"in vereniging\" geweld pleegt. Beoordeeld zal moeten worden of de door de verdachte geleverde – intellectuele en\u002Fof materiële – bijdrage aan het delict van voldoende gewicht is.\n\nMet de advocaat-generaal en de verdediging is het hof van oordeel dat op grond van het verhandelde ter terechtzitting niet kan worden bewezen dat de verdachte omstreeks de jaarwisseling geweld heeft gebruikt jegens de verbalisanten, zoals het gooien met stenen of vuurwerk. Het hof is voorts van oordeel dat evenmin bewezen kan worden dat de verdachte op enige wijze geweldshandelingen die door andere personen zijn gepleegd heeft ondersteund of anderszins heeft bijgedragen aan het ontstaan of het voortduren van het geweld jegens de verbalisanten. Het hof neemt hierbij in aanmerking dat [medeverdachte] bij de raadsheer-commissaris als getuige is gehoord en heeft verklaard dat hetgeen de verdachte in de video-opname heeft gezegd, los stond van zijn handelen daarna en dat de verdachte niet in de buurt was toen [medeverdachte] tegen het schild van verbalisant [verbalisant 2] aan schopte. De enkele aanwezigheid in de groep die door de politie\u002FME was ingesloten en het feit dat de verdachte deel uit maakte van een WhatsApp-groep acht het hof evenmin een bijdrage van voldoende gewicht. Gelet op het voorgaande is niet vast komen te staan dat de verdachte een voldoende significante of wezenlijke bijdrage heeft geleverd aan het tenlastegelegde geweld tegen de desbetreffende verbalisanten, zodat het ten laste gelegde niet kan worden bewezen en de verdachte daarvan zal worden vrijgesproken.\n\nBewezenverklaring\n\nHet hof acht wettig en overtuigend bewezen dat de verdachte het onder 3 tenlastegelegde heeft begaan, met dien verstande dat:\n\n3. hij op of omstreeks31 december 2022 te 's-Gravendeel, gemeente Hoeksche Waard opzettelijk en wederrechtelijk eenvuilnisbak\u002Fprullenbak, in elk geval enig goed,dat\u002Fdiegeheel of ten deleaan Gemeente Hoeksche Waard, in elk geval aan een ander dan aan verdachtetoebehoorde(n)heeft vernield, beschadigd, onbruikbaar gemaakt;.\n\nHetgeen meer of anders is tenlastegelegd, is niet bewezen. De verdachte moet daarvan worden vrijgesproken.\n\nBewijsvoering\n\nHet hof grondt zijn overtuiging dat de verdachte het bewezenverklaarde heeft begaan op de feiten en omstandigheden die in de bewijsmiddelen zijn vervat en die reden geven tot de bewezenverklaring.\n\nIn die gevallen waarin de wet aanvulling van het arrest vereist met de bewijsmiddelen dan wel, voor zover artikel 359, derde lid, tweede volzin, van het Wetboek van Strafvordering wordt toegepast, met een opgave daarvan, zal zulks plaatsvinden in een aanvulling die als bijlage aan dit arrest zal worden gehecht.\n\nStrafbaarheid van het bewezenverklaarde\n\nHet onder 3 bewezenverklaarde levert op\n\nopzettelijk en wederrechtelijk enig goed dat geheel of ten dele aan een ander toebehoort, vernielen.\n\nStrafbaarheid van de verdachte\n\nEr is geen omstandigheid aannemelijk geworden die de strafbaarheid van de verdachte uitsluit. De verdachte is dus strafbaar.\n\nStrafmotivering\n\nHet hof heeft de op te leggen straf bepaald op grond van de ernst van het feit en de omstandigheden waaronder dit is begaan en op grond van de persoon en de persoonlijke omstandigheden van de verdachte, zoals daarvan is gebleken uit het onderzoek ter terechtzitting.\n\nDaarbij heeft het hof in het bijzonder het volgende in aanmerking genomen.\n\nDe verdachte heeft zich op oudejaarsavond schuldig gemaakt aan vernieling van een prullenbak door hierop zwaar vuurwerk tot ontploffing te brengen. Een dergelijk feit is gevaarzettend en geschikt om gevoelens van angst en onveiligheid in de maatschappij teweeg te brengen. De verdachte heeft met zijn handelen de gemeente en daarmee de gemeenschap financiële schade berokkend en hij heeft hiermee overlast veroorzaakt.\n\nHet hof heeft acht geslagen op een de verdachte betreffend uittreksel Justitiële Documentatie van 1 juni 2026, waaruit blijkt dat de verdachte niet eerder voor een vergelijkbaar feit is veroordeeld.\n\nTen aanzien van de redelijke termijn als bedoeld in artikel 6, eerste lid, van het Europees Verdrag tot bescherming van de rechten van de mens en de fundamentele vrijheden (EVRM) overweegt het hof dat deze is aangevangen op 6 maart 2023. In eerste aanleg is de redelijke termijn niet overschreden. Het hof stelt vast dat de behandeling van de zaak in hoger beroep niet heeft plaatsgevonden binnen de daartoe gestelde redelijke termijn,. Namens de verdachte is immers op 4 juli 2023 hoger beroep ingesteld en het hof wijst op 8 juli 2026 eindarrest. De redelijke termijn van de berechting in hoger beroep is derhalve met meer dan één jaar overschreden. Het hof ziet, ook gelet op de duur van de procedure als geheel, aanleiding te volstaan met de constatering van dit verzuim, gelet op de gekozen strafmodaliteit en de hoogte van de op te leggen straf.\n\nHet hof is – alles afwegende – van oordeel dat een onvoorwaardelijke taakstraf van na te melden duur een passende en geboden reactie vormt. Anders dan de verdediging heeft bepleit acht het hof een geldboete, gelet op de context waarin en de wijze waarop de vernieling plaatsvond – tijdens de jaarwisseling en met (illegaal) vuurwerk – niet passend. Evenmin zal om die reden toepassing worden gegeven aan het bepaalde in artikel 9a van het Wetboek van Strafrecht.\n\nVorderingen tot schadevergoeding\n\nIn het onderhavige strafproces hebben tweeëntwintig verbalisanten zich als benadeelde partij gevoegd ter zake van het onder 2 ten laste gelegde. De benadeelde partijen [verbalisant 17] , [verbalisant 12] , [verbalisant 8] , [verbalisant 9] , [verbalisant 19] , [verbalisant 20] , [verbalisant 18] , [verbalisant 15] , [verbalisant 10] , [verbalisant 4] , [verbalisant 1] , [verbalisant 16] , [verbalisant 3] , [aspirant] , [verbalisant 7] , [hoofdagent] , [verbalisant 14] , [verbalisant 5] en [verbalisant 6] vorderen per persoon een vergoeding van € 350,00 aan immateriële schade. De benadeelde partijen [verbalisant 13] en [verbalisant 11] vorderen per persoon een vergoeding van € 400,00 aan immateriële schade en de benadeelde partij [verbalisant 2] vordert een vergoeding van € 750,00 aan immateriële schade.\n\nNu de verdachte ter zake van het onder 2 tenlastegelegde wordt vrijgesproken, zullen de benadeelde partijen niet-ontvankelijk worden verklaard in hun vordering.\n\nGelet daarop zullen de benadeelde partijen worden veroordeeld in de kosten die de verdachte tot aan deze uitspraak in verband met de verdediging tegen die vorderingen heeft moeten maken, welke kosten het hof vooralsnog begroot op nihil.\n\nToepasselijke wettelijke voorschriften\n\nHet hof heeft gelet op de artikelen 9, 22c, 22d en 350 van het Wetboek van Strafrecht, zoals zij rechtens gelden dan wel golden.\n\nBESLISSING\n\nHet hof:\n\nVerklaart de verdachte niet-ontvankelijk in het hoger beroep, voor zover gericht tegen de beslissing ter zake van het onder 1 tenlastegelegde.\n\nVernietigt het vonnis waarvan beroep voor zover thans aan het oordeel van het hof onderworpen en doet in zoverre opnieuw recht:\n\nVerklaart niet bewezen dat de verdachte het onder 2 tenlastegelegde heeft begaan en spreekt de verdachte daarvan vrij.\n\nVerklaart, zoals hiervoor overwogen, bewezen dat de verdachte het onder 3 tenlastegelegde heeft begaan.\n\nVerklaart niet bewezen hetgeen de verdachte meer of anders is tenlastegelegd dan hierboven is bewezenverklaard en spreekt de verdachte daarvan vrij.\n\nVerklaart het onder 3 bewezenverklaarde strafbaar, kwalificeert dit als hiervoor vermeld en verklaart de verdachte strafbaar.\n\nVeroordeelt de verdachte tot een taakstrafvoor de duur van60 (zestig) uren, indien niet naar behoren verricht te vervangen door30 (dertig) dagen hechtenis.\n\nBeveelt dat de tijd die door de verdachte vóór de tenuitvoerlegging van deze uitspraak in enige in artikel 27, eerste lid, van het Wetboek van Strafrecht bedoelde vorm van voorarrest is doorgebracht, bij de uitvoering van de opgelegde taakstraf in mindering zal worden gebracht, volgens de maatstaf van 2 uren taakstraf per in voorarrest doorgebrachte dag, voor zover die tijd niet reeds op een andere straf in mindering is gebracht.\n\nVordering van de benadeelde partijen:\n\n- [verbalisant 17] ,\n\n- [verbalisant 12] ,\n\n- [verbalisant 13] ,\n\n- [verbalisant 8] ,\n\n- [verbalisant 9] ,\n\n- [verbalisant 19] ,\n\n- [verbalisant 20] ,\n\n- [verbalisant 11]\n\n- [verbalisant 18] ,\n\n- [verbalisant 15] ,\n\n- [verbalisant 10] ,\n\n- [verbalisant 4] ,\n\n- [verbalisant 1] ,\n\n- [verbalisant 16] ,\n\n- [verbalisant 3] ,\n\n- [verbalisant 2]\n\n- [aspirant] ,\n\n- [verbalisant 7] ,\n\n- [hoofdagent] ,\n\n- [verbalisant 14] ,\n\n- [verbalisant 5] , en\n\n- [verbalisant 6]\n\nVerklaart de hiervoor genoemde benadeelde partijen telkens niet-ontvankelijk in hun vordering tot schadevergoeding.\n\nVeroordeelt de hiervoor genoemde benadeelde partijen telkens in de door verdachte gemaakte kosten en begroot deze telkens op nihil.\n\nDit arrest is gewezen door mr. F.W. Pieters, als voorzitter, mr. E.C. van Veen en mr. M.C. Bruining, leden, in bijzijn van de griffier mr. V.V. de Lange.\n\nHet is uitgesproken op de openbare terechtzitting van het hof van 8 juli 2026.","https:\u002F\u002Fdeeplink.rechtspraak.nl\u002Fuitspraak?id=ECLI:NL:GHDHA:2026:2250","ecli-nl-ghdha-2026-2250",{"courtName":52,"legalDomain":53,"decisionType":32,"procedureType":33},"Den Haag","Strafrecht",{"id":55,"ecli":56,"caseNumber":14,"courtId":57,"courtName":14,"decisionDate":23,"fullText":58,"language":25,"source":26,"sourceUrl":59,"summary":14,"slug":60,"metadata":61},"348","ECLI:NL:RBDHA:2026:18721",65,"RECHTBANK DEN HAAG\n\nZittingsplaats Groningen\n\nBestuursrecht\n\nzaaknummer: NL26.20806\n uitspraak van de enkelvoudige kamer in de zaak tussen\n \n [naam], eiseres,\n\nV-nummer: [v-nummer:],\n\n(gemachtigde: mr. I.M. Zuidhoek),\n\nen\n\nde minister van Asiel en Migratie, de minister.\n\nInleiding\n\n1. In deze uitspraak beoordeelt de rechtbank het beroep van eiseres tegen het niet in behandeling nemen van de aanvraag tot het verlenen van een verblijfsvergunning asiel voor bepaalde tijd. De minister heeft de aanvraag met het bestreden besluit van 7 april 2026 niet in behandeling genomen omdat daarvoor Frankrijk verantwoordelijk is.\n\n1.1.. De rechtbank doet op grond van artikel 8:54 van de Algemene wet bestuursrecht (Awb) uitspraak zonder zitting.\n\nBeoordeling door de rechtbank\n\n2. De rechtbank beoordeelt het niet in behandeling nemen van de asielaanvraag van eiseres. Zij doet dat mede aan de hand van de argumenten die eiseres heeft aangevoerd, de beroepsgronden.\n\n3. De rechtbank verklaart het beroep ongegrond. Dat betekent dat eiseres ongelijk krijgt en het bestreden besluit in stand blijft. Hierna legt de rechtbank uit hoe zij tot dit oordeel komt en welke gevolgen dit oordeel heeft.\n\nToepasselijk recht\n\n4. Op deze zaak is het recht van toepassing dat gold vóór 12 juni 2026.\n\nTotstandkoming van het besluit\n\n5. De Europese Unie heeft gezamenlijke regelgeving over het in behandeling nemen van asielaanvragen. Die staat in de Dublinverordening.Op grond van de Dublinverordening neemt de minister een asielaanvraag niet in behandeling als is vastgesteld dat een andere lidstaat verantwoordelijk is voor de behandeling daarvan.In dit geval heeft Nederland bij Frankrijk een verzoek om terugname gedaan. Frankrijk heeft dit verzoek aanvaard.\n\nMag de minister ten opzichte van Frankrijk uitgaan van het interstatelijk vertrouwensbeginsel?\n\n6. Eiseres stelt zich op het standpunt dat er in Frankrijk voor haar een onveilige situatie zal optreden. Dit is het gevolg van de aanwezigheid van veel Libanezen in Frankrijk, waaronder ook de familie van haar moeder die haar eerder al bedreigde. Bovendien heeft eiseres in Nederland een community gevonden waar zij zich veilig bij voelt en in Frankrijk heeft zij niemand, dit is voor haar een angstaanjagend vooruitzicht. Dit terwijl in Nederland er een sterke en diverse LHBT-gemeenschap is waar zij zich veilig voelt. Volgens eiseres is er in Frankrijk bovendien nog steeds een groot probleem met betrekking tot de opvang van asielzoekers. Ze verwijst naar het AIDA-rapport over Frankrijk, update 2024.Er is een tekort aan opvangplekken en eiseres loopt bij terugkeer een reëel risico om in een situatie van materiële deprivatie terecht te komen. Volgens eiseres is het bestreden besluit niet zorgvuldig voorbereid en berust het evenmin op een deugdelijke motivering.\n\n6.1.. De beroepsgrond slaagt niet. Naar het oordeel van de rechtbank mag de minister ten aanzien van Frankrijk uitgaan van het interstatelijk vertrouwensbeginsel. De Afdelingheeft meermaals bevestigd dat ten aanzien van Frankrijk in algemene zin kan worden uitgegaan van het interstatelijk vertrouwensbeginsel. Hierbij is ook het AIDA rapport, update 2024, betrokken. De rechtbank overweegt ambtshalve dat ook het recente AIDA rapport, update 2025, geen wezenlijk ander beeld geeft van de opvangvoorzieningen in Frankrijk dan de informatie die is betrokken door de Afdeling in eerdere uitspraken.\n\n6.2.. Uit de AIDA rapporten blijkt niet dat sprake is van structurele tekortkomingen in de opvang of asielprocedure, ook niet ten aanzien van de LHTBI-gemeenschap. Eiseres heeft bovendien niet aannemelijk gemaakt dat zij bij overdracht aan Frankrijk persoonlijk geen opvang, rechtsbescherming of toegang tot de procedure zal krijgen. Eiseres heeft niet eerder een asielaanvraag in Frankrijk ingediend waardoor zij geen persoonlijke ervaring heeft met de kwaliteit van de asielprocedure en de opvangvoorzieningen in Frankrijk.\n\n6.3.. Naar het oordeel van de rechtbank heeft de minister zich niet ten onrechte op het standpunt gesteld dat eiseres niet aannemelijk heeft gemaakt dat sprake is van bijzondere, individuele omstandigheden op basis waarvan de minister de aanvraag toch zou moeten behandelen.\n\nConclusie en gevolgen\n\n7. Het beroep is kennelijk ongegrond. Dat betekent dat het bestreden besluit in stand blijft en eiseres overgedragen kan worden aan Frankrijk. Eiseres krijgt geen vergoeding van haar proceskosten.\n\nBeslissing\n\nDe rechtbank verklaart het beroep ongegrond.\n\nDeze uitspraak is gedaan door mr. A. Sibma, rechter, in aanwezigheid van mr. S. Strating, griffier, en openbaar gemaakt door middel van gepseudonimiseerde publicatie op rechtspraak.nl.\n\nDe uitspraak is openbaar gemaakt en bekendgemaakt op:\n\nInformatie over verzet\n\nAls partijen het niet eens zijn met deze uitspraak, kunnen zij een verzetschrift sturen naar de rechtbank waarin zij uitleggen waarom zij het niet eens zijn met deze uitspraak. Het verzetschrift moet worden ingediend binnen zes weken na de dag waarop deze uitspraak is verzonden. Als partijen graag een zitting willen om het verzetschrift toe te lichten, moeten zij dit in het verzetschrift vermelden.\n\n Zie artikel 84 van de Asiel- en migratiebeheerverordening inzake het overgangsrecht.\n\n Verordening (EU) nr. 604\u002F2013.\n\n Dit staat ook in artikel 30, eerste lid, van de Vreemdelingenwet 2000.\n\n Update 2024 van juni 2025.\n\n Afdeling bestuursrechtspraak van de Raad van State.\n\n Update 2025 van mei 2026.\n\n Zie ook de uitspraak van deze rechtbank, zittingsplaats Arnhem, van 3 juli 2026. (ECLI:NL:RBDHA:2026:18469, r.o. 7.1) en de uitspraak van deze rechtbank, zittingsplaats Middelburg, van 25 juni 2026 (ECLI:NL:RBDHA:2026:17711).","https:\u002F\u002Fdeeplink.rechtspraak.nl\u002Fuitspraak?id=ECLI:NL:RBDHA:2026:18721","ecli-nl-rbdha-2026-18721",{"courtName":62,"legalDomain":63,"decisionType":32,"procedureType":33},"Groningen","Bestuursrecht; Vreemdelingenrecht",{"id":65,"ecli":66,"caseNumber":14,"courtId":67,"courtName":14,"decisionDate":23,"fullText":68,"language":25,"source":26,"sourceUrl":69,"summary":14,"slug":70,"metadata":71},"418","ECLI:NL:RBDHA:2026:18726",61,"RECHTBANK DEN HAAG\n\nZittingsplaats Rotterdam\n\nBestuursrecht\n\nzaaknummer: NL26.36068uitspraak van de enkelvoudige kamer in de zaak tussen\n\n [naam eiser] , eiser\n\nV-nummer: [V-nummer]\n\n(gemachtigde: mr. J.S. Dobosz),\n\nen\n\nde minister van Asiel en Migratie, verweerder\n\n(gemachtigde: mr. C. van der Zijde).\n\nSamenvatting\n\n1. Deze uitspraak gaat over de maatregel van vreemdelingenbewaring die aan eiser is opgelegd. Deze maatregel is opgelegd op grond van artikel 59, eerste lid, aanhef en onder a, van de Vreemdelingenwet 2000. Eiser is het niet eens met die maatregel. Hij voert daartegen een beroepsgrond aan. Onder meer aan de hand van deze beroepsgrond beoordeelt de rechtbank de rechtmatigheid van die maatregel en de vraag of aan eiser een schadevergoeding moet worden toegekend.\n\n1.1.. De rechtbank komt in deze uitspraak tot het oordeel dat het beroep gegrond is. Het opleggen van de maatregel van vreemdelingenbewaring is onrechtmatig. De rechtbank kent daarom een schadevergoeding toe. Hieronder legt de rechtbank uit hoe zij tot dit oordeel komt en welke gevolgen dit heeft.\n\n1.2.. In deze uitspraak gebruikt de rechtbank de volgende afkortingen voor de wet- en regelgeving:\n\nAwb: Algemene wet bestuursrecht\n\nVw: Vreemdelingenwet 2000\n\nVb: Vreemdelingenbesluit 2000\n\nProcesverloop\n\n2. Met het bestreden besluit van 29 juni 2026 heeft verweerder aan eiser de maatregel van vreemdelingenbewaring opgelegd en de rechtbank daarvan in kennis gesteld.\n\n2.1.. Deze kennisgeving wordt gelijkgesteld met een door eiser ingesteld beroep. Het beroep wordt ook aangemerkt als een verzoek om schadevergoeding.\n\n2.2.. De rechtbank heeft het beroep op 7 juli 2026 op zitting behandeld. Hieraan hebben deelgenomen: eiser, de gemachtigde van eiser, K.A. Ozdzinska als tolk en de gemachtigde van verweerder.\n\nBeoordeling door de rechtbank\n\nToetsingskader\n\n3. Verweerder kan als het belang van de openbare orde of de nationale veiligheid dat vordert, de vreemdeling die geen rechtmatig verblijf heeft in vreemdelingenbewaring stellen.Verweerder stelt een vreemdeling slechts in vreemdelingenbewaring, voor zover geen minder dwingende maatregelen doeltreffend kunnen worden toegepast en de vreemdelingenbewaring blijft achterwege of wordt beëindigd, indien deze niet langer noodzakelijk is met het oog op het doel van de vreemdelingenbewaring.Deze vreemdeling kan in vreemdelingenbewaring worden gesteld op grond dat het belang van de openbare orde of nationale veiligheid zulks vordert, indien a) een onderduikrisico bestaat, of b) de vreemdeling de voorbereiding van het vertrek of de uitzettingsprocedure ontwijkt of belemmert.De maatregel kan alleen worden opgelegd wegens het bestaan van een onderduikrisico, indien ten minste twee van de gronden, genoemd in artikel 5.6, tweede lid, van het Vb zich voordoen.\n\nGronden\n\n4. Eiser heeft de gronden die aan de maatregel ten grondslag zijn gelegd niet bestreden. De gronden, die de ambtshalve toetsing van de rechtbank doorstaan, zijn tezamen voldoende om de maatregel van bewaring te kunnen dragen.\n\nRechtmatig verblijf\n\n5. Eiser heeft aangevoerd dat er sprake is van een rechtmatig verblijf van eiser in Nederland op grond van artikel 7 van de Richtlijn 2004\u002F38\u002FEG. Eiser is een maand voorafgaand aan de onderhavige zaak opgehouden op 3 juni 2026. Hij heeft ter onderbouwing het proces-verbaal van ophouding overgelegd. Op deze dag is onderzoek gedaan naar de arbeidssituatie van eiser. Gebleken is dat eiser arbeid verricht voor een Nederlands uitzendbureau en beschikte over een arbeidscontract. Eiser is vervolgens heengezonden wegens bestendig verblijf. Verweerder kon ten aanzien van de onderhavige maatregel van bewaring op 29 juni 2026 niet zonder meer terugvallen op het standpunt dat sprake is van voortgezet onrechtmatig verblijf. Dit is onverenigbaar met de bevinding op 3 juni 2026. De maatregel van bewaring is dan ook onvoldoende zorgvuldig voorbereid en onvoldoende gemotiveerd.\n\n5.1.. Verweerder heeft aan de maatregel ten grondslag gelegd dat eiser geen rechtmatig verblijf in Nederland heeft, nu zijn verblijfsrecht als Unieburger bij beschikking van 6 maart 2025 is beëindigd. De rechtbank stelt voorop dat de enkele omstandigheid dat het verblijfsrecht van een Unieburger eerder is beëindigd, niet zonder meer meebrengt dat deze op een later moment geen rechten meer aan het Unierecht kan ontlenen. Indien sprake is van gewijzigde feiten en omstandigheden dient verweerder de verblijfsrechtelijke positie van de betrokkene opnieuw te beoordelen alvorens tot het oordeel te komen dat hij geen rechtmatig verblijf heeft.\n\n5.2.. De rechtbank oordeelt als volgt. In de maatregel van bewaring is vermeld dat eiser heeft verklaard werkzaam te zijn voor een Nederlands uitzendbureau en dit ook heeft aangetoond, dat eiser werkzaam is in België waar hij ook wordt voorzien van woonruimte door de werkgever en dat hij in België mag verblijven. Naar het oordeel van de rechtbank vormen deze omstandigheden concrete aanwijzingen dat de feitelijke situatie van eiser sinds de beschikking van 6 maart 2025 is gewijzigd. Van verweerder mocht daarom worden verwacht dat hij kenbaar zou onderzoeken welke betekenis deze gewijzigde omstandigheden hebben voor de actuele verblijfsrechtelijke positie van eiser. Uit de maatregel van bewaring, het gehoor voorafgaand aan deze maatregel en de overige stukken in het dossier is niet gebleken dat een dergelijk onderzoek heeft plaatsgevonden. Daarbij betrekt de rechtbank dat uit het proces-verbaal van ophouding van eiser op 3 juni 2026 blijkt dat eiser is heengezonden, omdat sprake was van ‘mogelijk bestendig verblijf’. Uit het proces-verbaal van verhoor op die dag blijkt dat het werken voor een Nederlands uitzendbureau hier ook aan de orde is geweest. Vervolgens wordt nog geen maand later in de onderhavige maatregel van bewaring zonder kenbare motivering aangenomen dat eiser geen rechtmatig verblijf heeft. Niet valt in te zien waarom verweerder er zonder nader onderzoek van uit heeft kunnen gaan dat eiser geen aan het Unierecht ontleend verblijfsrecht had. De motivering dat eiser geen rechtmatig verblijf heeft, is onder deze omstandigheden onvoldoende draagkrachtig. Gelet hierop is de maatregel in strijd met artikel 3:2 en 3:46 van de Awb tot stand gekomen en is dan ook onrechtmatig. Deze beroepsgrond slaagt.\n\nConclusie en gevolgen\n\n6. Het beroep tegen de maatregel van vreemdelingenbewaring is gegrond. Deze maatregel is vanaf het moment van het opleggen daarvan onrechtmatig. De rechtbank beveelt de opheffing van deze maatregel met ingang van vandaag.\n\n6.1.. Op grond van artikel 106 van de Vw kan de rechtbank indien zij de opheffing van de maatregel van vreemdelingenbewaring beveelt aan eiser een schadevergoeding ten laste van de Staat toekennen. De rechtbank acht gronden aanwezig om een schadevergoeding toe te kennen voor 10 dagen onrechtmatige (tenuitvoerlegging van de) vreemdelingenbewaring ten bedrage van 0 x € 160,- (verblijf politiecel) en 10 x € 120,- (verblijf detentiecentrum) = € 1.200,-.\n\n6.2.. Eiser krijgt een vergoeding van zijn proceskosten. Verweerder moet deze vergoeding betalen. Deze vergoeding bedraagt € 1.868,- omdat de gemachtigde van eiser geacht wordt beroep te hebben ingesteld en aan de zitting heeft deelgenomen. Verder zijn er geen kosten gemaakt die vergoed kunnen worden.\n\nBeslissing\n\nDe rechtbank:\n\n- verklaart het beroep gegrond;\n\n- veroordeelt de Staat der Nederlanden tot het betalen van € 1.200,- aan schadevergoeding aan eiser, te betalen door de griffier en beveelt de tenuitvoerlegging van deze schadevergoeding;\n\n- beveelt de opheffing van de maatregel van vreemdelingenbewaring met ingang van vandaag;\n\n- veroordeelt verweerder tot betaling van € 1.868,- aan proceskosten aan eiser.\n\nDeze uitspraak is gedaan door mr. S.N. Abdoelkadir, rechter, in aanwezigheid van mr. M. Stehouwer, griffier.\n\nUitgesproken in het openbaar en bekendgemaakt op:\n\nInformatie over hoger beroep\n\nEen partij die het niet eens is met deze uitspraak, kan een hogerberoepschrift sturen naar de Afdeling bestuursrechtspraak van de Raad van State waarin wordt uitgelegd waarom deze partij het niet eens is met de uitspraak. Het hogerberoepschrift moet worden ingediend binnen één week na de dag waarop deze uitspraak is verzonden of na de dag van plaatsing daarvan in het digitale dossier.\n\n Het beroep tegen een maatregel van bewaring wordt ook aangemerkt als een verzoek om toekenning van schadevergoeding. Dit volgt uit artikel 106, eerste lid, van de Vw.\n\n Dit volgt uit artikel 106, eerste lid, van de Vw.\n\n Dit volgt uit artikel 59, eerste lid, aanhef en onder a, van de Vw.\n\n Dit volgt uit artikel 59c van de Vw.\n\n Dit volgt uit artikel 5.5 van het Vb.\n\n Dit volgt uit artikel 5.6, eerste lid, van het Vb.","https:\u002F\u002Fdeeplink.rechtspraak.nl\u002Fuitspraak?id=ECLI:NL:RBDHA:2026:18726","ecli-nl-rbdha-2026-18726",{"courtName":72,"legalDomain":63,"decisionType":32,"procedureType":33},"Rotterdam"]