[{"data":1,"prerenderedAt":-1},["ShallowReactive",2],{"decision-ecli-de-neuris-jure259031989":3,"decision-more-ecli-de-neuris-jure259031989":18},{"id":4,"ecli":5,"caseNumber":6,"courtId":7,"courtName":8,"courtSlug":9,"decisionDate":10,"fullText":11,"language":12,"source":13,"sourceUrl":14,"summary":15,"slug":16,"metadata":17},"7069","ECLI:DE:NEURIS:JURE259031989","4 Ni 32\u002F23 (EP)",42,"Bundespatentgericht","bundespatentgericht","2025-03-27T00:00:00.000Z","#  BPatG München, 27.03.2025, 4 Ni 32\u002F23 (EP) \n\n## Tenor\n\n**In der Patentnichtigkeitssache**\n\n…\n\n**betreffend das europäische Patent 2 633 521**\n\n**(DE 60 2011 050 658)**\n\nhat der 4. Senat (Nichtigkeitssenat) des Bundespatentgerichts auf die mündliche Verhandlung vom 27. März 2025 durch die Richterin Werner M. A. als Vorsitzende, die Richter Dipl.-Ing. Altvater, Dipl.-Ing. Matter, Dipl.-Phys. Univ. Dr. Haupt und die Richterin Berner\n\nfür Recht erkannt:\n\n**I.** Die Klage wird abgewiesen.\n\n**II.** Die Klägerin trägt die Kosten des Rechtsstreits.\n\n**III.** Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 120 % des zu vollstreckenden Betrages vorläufig vollstreckbar.\n\n## Tatbestand\n\n1\\. Die Klägerin strebt mit ihrer Klage die Nichtigerklärung des europäischen Patents 2 633 521 an. \n\n2\\. Die Beklagte ist eingetragene Inhaberin des in englischer Sprache auch mit Wirkung für das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland erteilten europäischen Patents 2 633 521 (Streitpatent), das am 24. Oktober 2011 in Form der Internationalen Anmeldung PCT\u002FCA2011\u002F001182 unter Inanspruchnahme der Priorität der US 406379 P vom 25. Oktober 2010 angemeldet worden ist. Die Erteilung des Patents ist am 1. August 2018 veröffentlicht worden *.*\n\n3\\. Das Streitpatent ist in Kraft und wird beim Deutschen Patent- und Markenamt unter dem Aktenzeichen 60 2011 050 658.7 geführt. Es trägt in der englischen Verfahrenssprache die Bezeichnung \n\n4\\. \"CODING GENERIC AUDIO SIGNALS AT LOW BITRATES AND LOW DELAY\" \n\n5\\. und in der deutschen Übersetzung \n\n6\\. \"Kodierung generischer Audiosignale bei niedrigen Bitraten und geringer Verzögerung\". \n\n7\\. Das Streitpatent umfasst in der erteilten Fassung 32 Patentansprüche, die die Klägerin mit ihrer Nichtigkeitsklage vom 24. August 2023 in vollem Umfang angreift. Die Beklagte verteidigt das Streitpatent in erteilter Fassung und mit sechs Hilfsanträgen. \n\n8\\. Der angegriffene Vorrichtungsanspruch 1 und der angegriffene Verfahrensanspruch 17 sind einander nebengeordnete unabhängige Ansprüche, die ebenfalls angegriffenen abhängigen Ansprüche 2 bis 16 und 18 bis 32 sind direkt oder indirekt auf Anspruch 1 bzw. 17 rückbezogen. \n\n9\\. Der unabhängige Vorrichtungsanspruch 1, gerichtet auf eine gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codiervorrichtung zum Codieren eines Eingabeschallsignals, lautet in der Verfahrenssprache ausweislich der Streitpatentschrift: \n\n10\\. **1.** A mixed time-domain \u002F frequency-domain coding device for coding an input sound signal (101), **characterized in that** it comprises: \n\n11\\. a calculator (105) of a time-domain excitation contribution in response to the input sound signal (101); \n\n12\\. a calculator (215) of a cut-off frequency for the time-domain excitation contribution in response to the input sound signal (101); \n\n13\\. a filter (216) responsive to the cut-off frequency for adjusting a frequency extent of the time-domain excitation contribution; \n\n14\\. a calculator (107) of a frequency-domain excitation contribution in response to the input sound signal (101); and \n\n15\\. an adder (111) of the filtered time-domain excitation contribution and the frequency-domain excitation contribution in the frequency domain to form a mixed time-domain \u002F frequency-domain excitation constituting a coded version of the input sound signal (101). \n\n16\\. In deutscher Übersetzung lautet Patentanspruch 1 entsprechend der Streitpatentschrift wie folgt: \n\n17\\. **1.** Gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codiervorrichtung zum Codieren eines Eingabeschallsignals (101), **dadurch gekennzeichnet, dass** sie umfasst: \n\n18\\. einen Rechner (105) eines Zeitdomänen-Anregungsbeitrag [sic!] als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (101); \n\n19\\. einen Rechner (215) einer Grenzfrequenz für den Zeitdomänen-Anregungsbeitrag als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (101); \n\n20\\. einen Filter (216), der auf die Grenzfrequenz zum Einstellen einer Frequenzerweiterung des Zeitdomänen-Anregungsbeitrags reagiert; \n\n21\\. einen Rechner (107) eines Frequenzdomänen-Anregungsbeitrags als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (101); und \n\n22\\. einen Addierer (111) des gefilterten Zeitdomänen-Anregungsbeitrags und des Frequenzdomänen-Anregungsbeitrags an der Frequenzdomäne, um eine gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Anregung zu bilden, die eine Codeversion des Eingabeschallsignals (101) bildet. \n\n23\\. Der unabhängige Verfahrensanspruch 17, gerichtet auf ein gemischtes Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codierverfahren zum Codieren eines Eingabeschallsignals, lautet in der Verfahrenssprache ausweislich der Streitpatentschrift: \n\n24\\. **17.** A mixed time-domain \u002F frequency-domain coding method for coding an input sound signal (101), **characterized in that** it comprises: \n\n25\\. calculating (105) a time-domain excitation contribution in response to the input sound signal (101); \n\n26\\. calculating (215) a cut-off frequency for the time-domain excitation contribution in response to the input sound signal (101); \n\n27\\. in response to the cut-off frequency, adjusting (216) a frequency extent of the time-domain excitation contribution; \n\n28\\. calculating (107) a frequency-domain excitation contribution in response to the input sound signal (101); and \n\n29\\. adding (111) the adjusted time-domain excitation contribution and the frequency-domain excitation contribution in the frequency domain to form a mixed time-domain \u002F frequency-domain excitation constituting a coded version of the input sound signal (101). \n\n30\\. In deutscher Übersetzung lautet Patentanspruch 17 entsprechend der Streitpatentschrift wie folgt: \n\n31\\. **17.** Gemischtes Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codierverfahren zum Codieren eines Eingabeschallsignals (101), **dadurch gekennzeichnet, dass** es umfasst: \n\n32\\. Berechnen (105) eines Zeitdomänen-Anregungsbeitrags als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (101); \n\n33\\. Berechnen (215) einer Grenzfrequenz für den Zeitdomänen-Anregungsbeitrag als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (101); \n\n34\\. als Reaktion auf die Grenzfrequenz, Einstellen (216) einer Frequenzerweiterung des Zeitdomänen-Anregungsbeitrags; \n\n35\\. Berechnen (107) eines Frequenzdomänen-Anregungsbeitrags als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (101); und \n\n36\\. Addieren (111) des eingestellten Zeitdomänen-Anregungsbeitrags und des Frequenzdomänen-Anregungsbeitrags an der Frequenzdomäne, um eine gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Anregung zu bilden, die eine Codeversion des Eingabeschallsignals (101) bildet. \n\n37\\. Wegen der konkreten Fassung der abhängigen Patentansprüche 2 bis 16 und 18 bis 32 wird auf die Streitpatentschrift Bezug genommen. \n\n38\\. Die Klägerin macht geltend, der Gegenstand des Streitpatents sei nicht so deutlich offenbart, dass eine Fachperson ihn ausführen könne, da sie mit in sich widersprüchlichen Lehren konfrontiert sei, die sie selbst bei Heranziehung ihres Fachwissens nicht lösen könne, wenn sie der Offenbarung des Streitpatents folge. Zudem sei er gegenüber dem entgegengehaltenen Stand der Technik nicht patentfähig, insbesondere weder neu gegenüber der Druckschrift US 2007\u002F0106502 A1 – \"KIM” (D1) und dem Dokument GHAEMMAGHAMI, S. und DERICHE, M. mit dem Titel: An improved model for speech excitation using time-frequency characterisation, Proceedings of the Fifth International Symposium on Signal Processing and its Applications - \"GHAEMMAGHAMI II\" (D3) noch beruhe er auf erfinderischer Tätigkeit. \n\n39\\. Die Klägerin stützt ihr Vorbringen auf folgende Dokumente, dabei auch auf von der Klägerin des parallelen, das Streitpatent betreffenden, zunächst verbundenen dann wieder getrennten Nichtigkeitsverfahrens zum Aktenzeichen 4 Ni 18\u002F23 (EP) mit dem Dokumentenkürzel MFG eingereichte: \n\n40\\. \n\nKurzzeichen D1 MFG24 US 2007\u002F0106502 A1, \"KIM” D2 MFG6 GHAEMMAGHAMI, S.; DERICHE, M.: A new approach to modeling excitation in very low-rate speech coding, Proceedings of the 1998 IEEE International Conference on Acoustics, Speech and Signal Processing, ICASSP'98 (Cat. No. 98CH36181) Vol. 2. IEEE, 1998, Seiten 597 bis 600 \"GHAEMMAGHAMI I\" D3 MFG7 GHAEMMAGHAMI, S.; DERICHE, M.: An improved model for speech excitation using time-frequency characterisation, Proceedings of the Fifth International Symposium on Signal Processing and its Applications, ISSPA'99 (IEEE Cat. No. 99EX359) Vol. 1. IEEE, 1999, Seiten 47 bis 50, \"GHAEMMAGHAMI II\" D4 MFG8 JELINEK, M. et al.: A new embedded speech and audio coding standard with high resilience to error-prone transmission channels, IEEE Communications Magazine, October 2009, Seiten 117 bis 123, \"JELINEK\" D5 MFG9 SALAMI, R. A. et al.: A fully vector quantised self-excited vocoder, International Conference on Acoustics, Speech, and Signal Processing, IEEE, 1989, Seiten 124 bis 127, \"SALAMI\" D6 MFG10 US 6 003 001 A, \"MAEDA\" D7 MFG11 US 5 737 484 A, \"OZAWA\" D8 MFG12 FUCHS, G. et al.: MDCT-based coder for highly adaptive speech and audio coding, 17th European Signal Processing Conference (EUSIPCO 2009), EURASIP, 2009, Seiten 1264 bis 1268, \"FUCHS\" D9 MFG13 MORIYA, T.; HONDA, M.: Transform coding of speech using a weighted vector quantizer, IEEE Journal on Selected Areas in Communications, Vol. 6, No. 2, February 1988, Seiten 425 bis 431, \"MORIYA\" D10 MFG14 OSHIKIRI, M. et al.: An 8-32 kbit\u002Fs scalable wideband coder extended with MDCT-based bandwidth extension on top of a 6.8 kbit\u002Fs narrowband CELP coder, 27. - 31. August, Antwerpen, Belgien, INTERSPEECH 2007, Seiten 1701 bis 1704, \"OSHIKIRI\" D11 MFG15 OPPENHEIM, A. V.; SHAFER R. W.: Digital Signal Processing, Prentice-Hall, Inc., Englewood Cliffs, New Jersey, 1975, ISBN 0-13-214635-5, Seiten vii bis x, 251 bis 255, 270, 271, 571, \"OPPENHEIM” D12 Recommendation ITU-T G.718 (06\u002F2008): SERIES G: TRANSMISSION SYSTEMS AND MEDIA, DIGITAL SYSTEMS AND NETWORKS, Digital terminal equipments – Coding of voice and audio signals, Frame error robust narrow-band and wideband embedded variable bit-rate coding of speech and audio from 8-32 kbit\u002Fs, Juni 2008, Seiten i bis v und 1 bis 246, \"G.718\" D13 EHARA, H.; YOSHIDA, K.: An energy extrapolation-based concealment algorithm for an erased excitation signal, IEEE Signal Processing Letters, Vol. 12, No. 5, Mai 2005, doi: 10.1109\u002FLSP.2005.845597, Seiten 411 bis 414, \"EHARA\" D14 MFG22 GRIFFIN, D. W.; LIM, J. S.: Multiband excitation vocoder, IEEE Transactions on acoustics, speech, and signal processing, Vol. 36, No. 8, August 1988, Seite 1223 bis 1235, \"GRIFFIN\" D15 MFG18 LEFEBVRE, R. et al.: High quality coding of wideband audio signals using transform coded excitation (TCX), Proceedings of ICASSP'94 IEEE International Conference on Acoustics, Speech and Signal Processing, Vol. 1., IEEE, 1994, Seiten I-193 bis I-196, \"LEFEBVRE\" D16 MFG26 SPANIAS, A. S.: Speech Coding: A Tutorial Review, Proceedings of the IEEE Vol. 82, Nr. 10, Oktober 1994, Seiten 1541 bis 1582, 1539 und 1540, \"SPANIAS\" MFG5 EP 2 581 904 A1, \"KAWASHIMA” (Priorität: 11. Juni 2010) MFG16 EP 2 146 344 A1, \"GRILL\" MFG17 US 2007\u002F0225971 A1, \"BESSETTE\" MFG19 SCHNITZLER, J. et al: Wideband speech coding using forward\u002Fbackward adaptive prediction with mixed time\u002Ffrequency domain excitation, 1999 IEEE Workshop on Speech Coding Proceedings, Model, Coders, and Error Criteria (Cat. No. 99EX351), IEEE, 1999, Seiten 4 bis 6, \"SCHNITZLER\" MFG20 CHEN, J.-H.; WANG, D.: Transform predictive coding of wideband speech signals, 1996 IEEE International Conference on Acoustics, Speech, and Signal Processing Conference Proceedings Vol. 1, IEEE, 1996, Seiten 275 bis 278, \"CHEN\" MFG21 YELDENER, S. et al.: A mixed sinusoidally excited linear prediction coder at 4 kb\u002Fs and below, Proceedings of the 1998 IEEE International Conference on Acoustics, Speech and Signal Processing, ICASSP'98 (Cat. No. 98CH36181) Vol. 2, IEEE, 1998, 4 Seiten, \"YELDENER\" MFG25 BENETSY, J. et al. (Eds.): Analysis-by-Synthesis Speech Coding, In: Handbook of Speech Processing, Vol. 1, Berlin, Springer 2008, Seiten 351 bis 392, \"BENETSY\"\n\n41\\. Die Klägerin beantragt, \n\n42\\. das europäische Patent 2 633 521 mit Wirkung für das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland in vollem Umfang für nichtig zu erklären. \n\n43\\. Die Beklagte beantragt, \n\n44\\. die Klage abzuweisen. \n\n45\\. hilfsweise, die Klage abzuweisen, \n\n46\\. soweit sie sich auch gegen eine der Fassungen des Streitpatents nach den mit Schriftsatz vom 27. September 2024 einge- \n\n47\\. reichten Hilfsanträgen 1 bis 6 richtet, \n\n48\\. mit der Maßgabe, dass die Hilfsanträge in der numerischen Reihenfolge geprüft werden sollen und \n\n49\\. alle Anträge jeweils als geschlossener Anspruchssatz gestellt werden. \n\n50\\. Die Beklagte tritt dem Vorbringen der Klägerin in allen Punkten entgegen und verteidigt das Streitpatent in der erteilten Fassung. Sie hält die Gegenstände insbesondere der Patentansprüche 1 und 17 in erteilter Fassung für rechtsbeständig. Gleiches gelte für die rückbezogenen Unteransprüche. Der von der Klägerin erstmals mit Schriftsatz vom 10. Januar 2025 geltend gemachten Nichtigkeitsgrund der mangelnden ausführbaren Offenbarung sei verspätet und daher nicht zum Verfahren zuzulassen. Das Streitpatent erweise sich bereits in der Fassung nach Hauptantrag, zumindest jedoch in einer der verteidigten Fassungen der Hilfsanträge 1 bis 6 sowohl als ausführbar als auch als patentfähig, insbesondere als neu und auf erfinderischer Tätigkeit beruhend. \n\n51\\. Wegen des Wortlauts der Hilfsanträge wird auf deren zur Akte gereichte Fassungen verwiesen. \n\n52\\. Der Senat hat den Parteien einen qualifizierten Hinweis vom 8. Juli 2024 zugeleitet und hierin Fristen zur Stellungnahme auf den Hinweis und auf etwaiges Vorbringen der jeweiligen Gegenpartei gesetzt, die er später bis zum 21. Oktober 2024 und 10. Januar 2025 verlängert hat. \n\n53\\. Die Akten des parallelen, das Streitpatent betreffenden, zunächst verbundenen und später wieder getrennten Nichtigkeitsverfahrens zum Aktenzeichen 4 Ni 18\u002F23 (EP) lagen vor und waren Gegenstand der mündlichen Verhandlung am 27. März 2025. \n\n54\\. Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstands wird auf die zwischen den Parteien gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen, auf das Protokoll der mündlichen Verhandlung vom 27. März 2025 sowie den weiteren Akteninhalt Bezug genommen. \n\n## Entscheidungsgründe\n\n**A.**\n\n55\\. Die zulässige Klage ist nicht begründet und war daher abzuweisen. Der Gegenstand des Streitpatents erweist sich als rechtsbeständig; die geltend gemachten Nichtigkeitsgründe der mangelnden Ausführbarkeit und der fehlenden Patentfähigkeit gemäß Art. II § 6 Abs. 1 Nr. 1 und 2 IntPatÜG, Art. 138 Abs. 1 a) und b) EPÜ i. V. m. Art. 52, 54, 56 und 83 EPÜ liegen nicht vor. \n\n56\\. **I. Zum Streitpatent, zur Aufgabe, zur Fachperson, zur Merkmalsgliederung und zur Auslegung**\n\n57\\. **1.** Das **Streitpatent** betrifft gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codiervorrichtungen und -verfahren (\"*mixed time-domain \u002F frequency-domain coding devices and methods* \"; im Folgenden synonym auch als Zeitbereichs\u002FFrequenzbereichs-Codiervorrichtungen und -verfahren bezeichnet) zur Codierung eines Eingangsaudiosignals und entsprechende Codierer und Decodierer, die diese benutzen (Streitpatentschrift, Absatz 0001). \n\n58\\. Aus dem Stand der Technik bekannte Codecs, die das Eingangssignal meist im Zeitbereich codieren, seien bei Bitraten unter 16 kbps für generische Audiosignale wie Musik und hallige (\"*reverberant* \") Sprache nicht gut geeignet. Um diesen Nachteil zu überwinden, seien sog. Switched-Codecs eingeführt worden, die im Wesentlichen sprachdominierte Eingangssignale im Zeitbereich und allgemeine (\"*generic* \") Audiosignale im Frequenzbereich codieren. Jedoch würden derartige Switched-Codecs typischerweise eine höhere Verarbeitungsverzögerung insbesondere aufgrund der Sprach-Musik-Klassifikation und der Transformation in den Frequenzbereich aufweisen (Absatz 0002). \n\n59\\. **2.** Als **Aufgabe** gibt das Streitpatent explizit lediglich an, den oben genannten Nachteil zu überwinden und ein einheitlicheres (\"*more unified* ”) Zeitbereichs- und Frequenzbereichsmodell vorzuschlagen (Absatz 0004) zur möglichst guten Integration in die CELP-Zeitbereichscodierung (Absatz 0014). Den Erläuterungen zum Stand der Technik ist die objektive Aufgabe zu entnehmen, die Synthesequalität für generische Audiosignale wie z. B. Musik und\u002Foder nachhallende\u002Fhallige (\"*reverberant* \") Sprache zu verbessern, ohne die Verarbeitungsverzögerung und die Bitrate zu erhöhen (Absätze 0004 und 0013) und bei dem insbesondere nicht die innovative, im Frequenzbereich quantisierte Anregung im Decodierer durch inverse Filterung des quantisierten Zielsignals abgeleitet werden muss, wie es bei dem aus dem Fachartikel D15 \"LEFEBVRE\" bekannten Codec der Fall ist, von dem sich das Streitpatent einleitend abgrenzt (Absatz 0003). \n\n60\\. **3.** Maßgebliche **Fachperson** auf dem für das Streitpatent relevanten technischen Gebiet ist eine Ingenieurin oder einen Ingenieur der Elektro-, Nachrichten- oder Informationstechnik mit Hochschulabschluss und mehrjähriger Berufserfahrung auf dem Gebiet der Audiocodierverfahren. Diese ist mit den Normen und Standards auf diesem Gebiet vertraut und verfolgt die laufenden Standardisierungsbemühungen. \n\n61\\. **4.** Zur Lösung der Aufgabe schlägt das Streitpatent in Anspruch 1 eine Vorrichtung und in Anspruch 17 ein Verfahren gerichtet auf eine gemischte Zeitdomänen- \u002FFrequenzdomänen-Codiervorrichtung bzw. ein -verfahren zum Codieren eines Eingabeschallsignals vor, deren bzw. dessen Merkmale sich in der maßgeblichen Verfahrenssprache Englisch auch nach den Ausführungen der Parteien wie folgt gliedern lassen: \n\n62\\. **Anspruch 1**\n\n63\\. 1\\. A mixed time-domain \u002F frequency-domain coding device for coding an input sound signal (101), \n\n64\\. characterized in that it comprises: \n\n65\\. 1.1 a calculator (105) of a time-domain excitation contribution in response to the input sound signal (101); \n\n66\\. 1.2 a calculator (215) of a cut-off frequency for the time-domain excitation contribution in response to the input sound signal (101); \n\n67\\. 1.3 a filter (216) responsive to the cut-off frequency for adjusting a frequency extent of the time-domain excitation contribution; \n\n68\\. 1.4 a calculator (107) of a frequency-domain excitation contribution in response to the input sound signal (101); and \n\n69\\. 1.5 an adder (111) of the filtered time-domain excitation contribution and the frequency-domain excitation contribution in the frequency domain to form a mixed time-domain \u002F frequency-domain excitation constituting a coded version of the input sound signal (101). \n\n70\\. **Anspruch 17**\n\n71\\. 17\\. A mixed time-domain \u002F frequency-domain coding method for coding an input sound signal (101), \n\n72\\. characterized in that it comprises: \n\n73\\. 17.1 calculating (105) a time-domain excitation contribution in response to the input sound signal (101); \n\n74\\. 17.2 calculating (215) a cut-off frequency for the time-domain excitation contribution in response to the input sound signal (101); \n\n75\\. 17.3 in response to the cut-off frequency, adjusting (216) a frequency extent of the time-domain excitation contribution; \n\n76\\. 17.4 calculating (107) a frequency-domain excitation contribution in response to the input sound signal (101); and \n\n77\\. 17.5 adding (111) the adjusted time-domain excitation contribution and the frequency-domain excitation contribution in the frequency domain to form a mixed time-domain \u002F frequency-domain excitation constituting a coded version of the input sound signal (101). \n\n78\\. Die erteilten Patentansprüche 1 und 17 lauten mit der gleichen Merkmalsgliederung und in der Übersetzung nach Streitpatentschrift, wobei der Begriff \"*frequency extent* \" in den Merkmalen 1.3 und 17.3 statt durch \"Frequenzerweiterung\" auch nach übereinstimmendem Parteienvortrag durch den technisch zutreffenderen Begriff \"Frequenzumfang\" sowie in den Merkmalen 1.5 und 17.5 \"*coded version* ” statt durch \"Codeversion” durch \"codierte Version\" und \"in the frequency domain” statt durch \"an der Frequenzdomäne\" durch \"in der Frequenzdomäne\" übersetzt sind, wie folgt: \n\n79\\. **Anspruch 1**\n\n80\\. 1\\. Gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codiervorrichtung zum Codieren eines Eingabeschallsignals (101), \n\n81\\. dadurch gekennzeichnet, dass sie umfasst: \n\n82\\. 1.1 einen Rechner (105) eines Zeitdomänen-Anregungsbeitrags als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (101); \n\n83\\. 1.2 einen Rechner (215) einer Grenzfrequenz für den Zeitdomänen-Anregungsbeitrag als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (101); \n\n84\\. 1.3 einen Filter (216), der auf die Grenzfrequenz zum Einstellen eines Frequenzumfangs des Zeitdomänen-Anregungsbeitrags reagiert; \n\n85\\. 1.4 einen Rechner (107) eines Frequenzdomänen-Anregungsbeitrags als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (101); und \n\n86\\. 1.5 einen Addierer (111) des gefilterten Zeitdomänen-Anregungsbeitrags und des Frequenzdomänen-Anregungsbeitrags in der Frequenzdomäne, um eine gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Anregung zu bilden, die eine codierte Version des Eingabeschallsignals (101) bildet. \n\n87\\. **Anspruch 17**\n\n88\\. 17\\. Gemischtes Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codierverfahren zum Codieren eines Eingabeschallsignals (101), \n\n89\\. dadurch gekennzeichnet, dass es umfasst: \n\n90\\. 17.1 Berechnen (105) eines Zeitdomänen-Anregungsbeitrags als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (101); \n\n91\\. 17.2 Berechnen (215) einer Grenzfrequenz für den Zeitdomänen-Anregungsbeitrag als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (101); \n\n92\\. 17.3 als Reaktion auf die Grenzfrequenz, Einstellen (216) eines Frequenzumfangs des Zeitdomänen-Anregungsbeitrags; \n\n93\\. 17.4 Berechnen (107) eines Frequenzdomänen-Anregungsbeitrags als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (101); und \n\n94\\. 17.5 Addieren (111) des eingestellten Zeitdomänen-Anregungsbeitrags und des Frequenzdomänen-Anregungsbeitrags in der Frequenzdomäne, um eine gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Anregung zu bilden, die eine codierte Version des Eingabeschallsignals (101) bildet. \n\n95\\. **5.** Die Merkmale der Patentansprüche bedürfen der näheren Erläuterung. \n\n96\\. Die für das Verständnis der beanspruchten Gegenstände wesentlichen Komponenten und deren Funktionsweise sind teilweise in der Figur 1 aber vor allem in der Figur 2 gezeigt und in der zugehörigen Beschreibung ab Absatz 0032 erläutert. \n\n97\\. Figur 2 der Streitpatentschrift \n\n98\\. **5.1** **Merkmale 1. und 17. (Gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codiervorrichtung bzw. -** **Codierverfahren)**\n\n99\\. Gemäß Merkmal 1. des Anspruchs 1 wird eine gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codiervorrichtung beansprucht, die zum Codieren eines Eingabeschallsignals geeignet ist, mit dem Merkmal 17\\. des Anspruchs 17 ein entsprechendes Verfahren. Was unter gemischter Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codierung zu verstehen ist, ergibt sich dabei aus den folgenden kennzeichnenden Merkmalen 1.1 bis 1.5 und 17.1 bis 17.5. \n\n100\\. **5.2 Merkmale 1.1 und 17.1 (Zeitdomänen-Anregungsbeitrag)**\n\n101\\. Laut Merkmal 1.1 umfasst die Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codiervorrichtung einen Rechner, der gemäß Merkmal 17.1 einen **Zeitdomänen-Anregungsbeitrag** (\"*time-domain excitation contribution* ”) als Reaktion auf das Eingabeschallsignal berechnet. \n\n102\\. Die Berechnung des Zeitdomänen-Anregungsbeitrags aus dem Eingabeschallsignal erfolgt, die Patentansprüche nicht einschränkend, nach dem Ausführungsbeispiel (\"*illustrative embodiment* \") des Streitpatents, wie bei prädiktiven Codecs, insbesondere CELP, üblich und der Fachperson vertraut, indem – nach diversen ebenfalls fachüblichen Manipulationen – i. A. mit den beiden Komponenten des Rechners 105, dem adaptiven Codebuch (\"*Close loop pitch analysis (ACB) 211* \") und dem festen, innovativen, insbesondere algebraischen, Codebuch (\"*Fixed algebraic codebook 212* \") die vier für dieses Anregungssignal charakteristischen Größen ermittelt werden (Beitrag des adaptiven Codebuchs *ν(n*) mit dem Verstärkungsfaktor *b* sowie Beitrag des innovativen Codebuchs *c(n)* mit dem Verstärkungsfaktor *g*) (Figur 2 i. V. m. Absatz 0051: \"*The time-domain excitation contribution is given by the following relation:*\n\n103\\. *where v(n) is the adaptive codebook contribution, b is the adaptive codebook gain, c(n) is the fixed codebook contribution, and g is the fixed codebook gain. It should be noted that the time-domain excitation contribution may consist only of the adaptive codebook contribution as described in the foregoing description*.\"). \n\n104\\. Der für verschiedene Berechnungen – von der Addition oder Subtraktion bis hin zu komplexen Auswertungen – jeweils verwendete Begriff \"Rechner\" (\"*calculator* ”) ist im Streitpatent nicht definiert. Die Fachperson versteht darunter allgemein diejenige Komponente der Codierungsvorrichtung, welche geeignet eingerichtet ist, die jeweilige Berechnung durchzuführen, ohne dass dies zwangsläufig eigenständige Vorrichtungskomponenten wie beispielsweise Prozessoren impliziert. \n\n105\\. **5.3 Merkmale 1.2 und 17.2 (Grenzfrequenz)**\n\n106\\. Gemäß Merkmal 1.2 wird mittels eines weiteren Rechners (215) eine **Grenzfrequenz** für den Zeitdomänen-Anregungsbeitrag als Reaktion auf das Eingabeschallsignal gemäß Merkmal 17.2 berechnet. \n\n107\\. Bei der Grenzfrequenz handelt es sich um diejenige Frequenz, bis zu der der Zeitdomänen-Anregungsbeitrag einen sinnvollen Beitrag für die Codierung des Eingabeschallsignals liefert. Für das Ausführungsbeispiel des Streitpatents ist der Rechner 215 in Figur 2 gezeigt und die Berechnung der Grenzfrequenz *f* *tc* wird in den Absätzen 0052 bis 0065 beschrieben. \n\n108\\. Die Patentansprüche 1 und 17 nicht einschränkend wird im Streitpatent erläutert, dass bei der Berechnung der variablen Grenzfrequenz noch weitere Faktoren mit Hilfe weiterer Komponenten berücksichtigt werden können, insbesondere um die Genauigkeit und die Stabilität zu erhöhen (Absätze 0059 bis 0065 i. V. m. Figuren 3 und 4). Wie fachüblich wird die ermittelte Grenzfrequenz abschließend quantisiert, beispielsweise mit drei Bits, womit acht mögliche Grenzfrequenzen unterschieden werden können (Absatz 0064: \"*quantizer 309* \", Figuren 3 und 4). \n\n109\\. **5.4 Merkmale 1.3 bzw. 17.3 (Filter)**\n\n110\\. Nach Merkmal 1.3 bzw. 17.3 wird die Grenzfrequenz in einem **Filter** (216) dazu verwendet, den **Frequenzumfang** (\"*frequency extent* \") des Zeitdomänen-Anregungsbeitrags einzustellen. \n\n111\\. Die Patentansprüche 1 und 17 nicht einschränkend wird zum Ausführungsbeispiel des Streitpatents konkretisiert, dass mit bestimmten Komponenten des Rechners 215 (Figuren 3 und 4 i. V. m. den Absätzen 0062 und 0063: \"*decider 307, … zeroer 308; analyser 415 … selector 416 … zeroer 417 … filter 418* \") die Frequenzen des Zeitdomänen-Anregungsbeitrags oberhalb der Grenzfrequenz auf Null gesetzt werden können (Tiefpassfilter), wobei in einem Übergangsbereich zwischen dem unveränderten Spektrum unterhalb der Grenzfrequenz und den mit Nullen versehenen Bins bei höheren Frequenzen auch ein sanfter spektraler Übergang erzeugt werden kann (Absatz 0062). \n\n112\\. Die Patentansprüche 1 und 17 nehmen dabei auf den nach Merkmal 1.3 berechneten Zeitdomänen-Anregungsbeitrag Bezug (\"*adjusting a* *frequency extent of the time-domain excitation contribution* \"). Insbesondere aufgrund der bevorzugten Möglichkeit der Schaffung eines sanften spektralen Übergangs wird deutlich, dass das Einstellen des Frequenzumfangs für diesen errechneten Zeitdomänen-Anregungsbeitrag und nicht bereits vorab für das Eingangssignal erfolgt. \n\n113\\. Der Frequenzumfang des Zeitdomänen-Anregungsbeitrags, der in Merkmal 1.1 als durch einen Rechner 105 berechnet eingeführt wird (\"*a* *time-domain excitation contribution* \"), wird durch den Filter 216 gemäß Merkmal 1.3 eingestellt (\"*adjusting a frequency extent of* *the* *time-domain excitation contribution* \"). Damit muss schon aus Kausalitätsgründen erst der Zeitdomänen-Anregungsbeitrag berechnet werden, bevor der Filter relativ zur Grenzfrequenz Teile davon \"einstellt\", beispielsweise die Werte oberhalb der Grenzfrequenz auf Null setzt, rein vorzugsweise inklusive eines sanften Übergangs. Dies wird im Übrigen noch deutlicher durch die Reihenfolge der Verfahrensschritte 17.1 und 17.3 des Anspruchs 17. Eine Auslegung, nach der das Einstellen des Frequenzumfangs auch vor der Berechnung des Zeitdomänen-Anregungsbeitrags erfolgen könne, würde somit dem Verständnis der Fachperson der Ansprüche 1 und 17 aber auch der gesamten technischen Lehre des Streitpatents widersprechen. \n\n114\\. Im Zusammenhang mit dem Festlegen des Frequenzumfangs verwendet das Streitpatent die Begriffe \"gefiltert\" (\"*filtered* \") und \"eingestellt\" (\"*adjusted* ”) synonym. \n\n115\\. **5.5 Merkmale 1.4 bzw. 17.4 (Frequenzdomänen-Anregungsbeitrag)**\n\n116\\. Gemäß den Merkmalen 1.4 und 17.4 wird analog zu den Merkmalen 1.1 und 17.1 mit einem weiteren Rechner (107) ein Frequenzdomänen-Anregungsbeitrag als Reaktion auf das Eingabeschallsignal berechnet. Wie die Fachperson dabei mitliest, muss dazu das Eingabeschallsignal mittels geeigneter Transformation in die Frequenzdomäne überführt werden. \n\n117\\. Dies geschieht im Ausführungsbeispiel des Streitpatents, indem das vom LP-Analysator 201 kommende LP-Residuumsignal bzw. LP-Residualsignal (\"*LP residual* \") Res nach Transformation im DCT 213 (Discrete Cosine Transform) als Signal Fres in der Frequenzdomäne vorliegt und von dem ebenfalls in der Frequenzdomäne vorliegenden gefilterten Zeitdomänen-Anregungsbeitrag FexcF subtrahiert wird (Figur 2 i. V. m. Absatz 0066). Auch der so erzeugte Differenzvektor fd bzw. Fd wird nach dem Ausführungsbeispiel im Frequenz-Quantisierer 219 (bzw. 110 in Figur 1) quantisiert (Absatz 0067) und einem Addierer 111 als quantisierter Differenz-Vektor bzw. quantisierter Frequenzdomänen-Anregungsbeitrag (FdQ) zugeleitet. \n\n118\\. Zwar wird in den Ansprüchen 1 und 17 weder gefordert, dass der Frequenzdomänen-Anregungsbeitrag oberhalb der Grenzfrequenz liegen müsse, noch, dass die Frequenzbereiche von Zeitdomänen- und Frequenzdomänen-Anregungsbeiträgen vollständig disjunkt sind. Jedoch wird die Fachperson aufgrund ihres Fachwissens und der Gesamtoffenbarung des Streitpatents davon auszugehen, dass regelmäßig der Zeitbereichs-Anregungsbeitrag im Frequenzbereich unterhalb der Grenzfrequenz den Hauptbeitrag zur Gesamtanregung liefert und im Frequenzbereich oberhalb der Grenzfrequenz der Frequenzdomänen-Anregungsbeitrag (z. B. Absätze 0016, 0018 und 0062). \n\n119\\. **5.6 Merkmale 1.5 bzw. 17.5 (Addierer)**\n\n120\\. Gemäß den Merkmalen 1.5 bzw. 17.5 werden vom Addierer (111) der nach Merkmal 1.3 bzw. 17.3 gefilterte bzw. eingestellte Zeitdomänen-Anregungsbeitrag (FexcF) und der nach Merkmal 1.4 bzw. 17.4 berechnete Frequenzdomänen-Anregungsbeitrag in der Frequenzdomäne (FdQ) addiert, um eine gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Anregung zu bilden, die eine codierte Version des Eingabeschallsignals (101) darstellt (vgl. auch Ausführungsbeispiel zu Figur 2 und Absatz 0082). \n\n121\\. Von den Ansprüchen 1 und 17 ist nicht mehr umfasst, dass im Decodierer das Summensignal mit einer inversen diskreten Kosinustransformation IDCT 220 in den Zeitbereich zurücktransformiert und, wie bei CELP-Codes üblich, durch einen LP-Synthesefilter 113 das synthetisierte Signal des Eingabeschallsignals erhalten wird (Figuren 1 und 2 i. V. m. den Absätzen 0083 und 0084). \n\n122\\. **II. Zur Ausführbarkeit des Streitpatents in erteilter Fassung**\n\n123\\. Das Streitpatent offenbart die Erfindung so deutlich und vollständig, dass die Fachperson sie ausführen kann, Art. II § 6 Abs. 1 Nr. 2 IntPatÜG i. V. m. Art. 138 Abs. 1 b) und Art. 83 EPÜ. \n\n124\\. **1.** Die Erweiterung der Klage auf den Nichtigkeitsgrund der mangelnden Ausführbarkeit ist auch ohne Zustimmung der Beklagten aufgrund Sachdienlichkeit zulässig. \n\n125\\. Zwar handelt es sich hierbei formal nicht nur um eine Klageerweiterung i. S. d. §264 Nr. 2 ZPO, sondern nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs um eine Klageänderung nach § 263 ZPO (vgl. hierzu etwa BGH-Urteil vom 7. Juni 1994 – X ZR 82\u002F91, Bausch Bd. I 1994-1998, 27, 29 - thermoplastische Formmassen; Urteil vom 11. Mai 2010 – X ZR 51\u002F06, GRUR 2010, 901 Rn. 26, 27 - polymerisierbare Zementmischung; Urteil vom 21\\. April 2009 – X ZR 153\u002F04, GRUR 2009, 933 - Druckmaschinentemperierungssystem II; Urteil vom 12. Dezember 2006 – X ZR 131\u002F02, GRUR 2007, 309 Rn. 8 – Schussfädentransport; Urteil vom 20. März 2001 – X ZR 177\u002F98, GRUR 2001, 730 Rn. 11 – Trigonellin; Busse\u002F Keukenschrijver, 9. Aufl. 2020, § 82 Rn. 33; Schulte\u002FVoit, PatG, 11. Aufl., § 81 Rn. 73, jeweils m. w. N.). \n\n126\\. Die demzufolge geänderte Klage ist allerdings nach § 99 Abs. 1 PatG i. V. m. § 263 ZPO jedenfalls als sachdienlich zuzulassen, weil hierdurch zwischen den Parteien ein weiterer Rechtsstreit über die Schutzfähigkeit des Streitpatents vermieden werden kann. \n\n127\\. **2.** Der von der Klägerin erstmals mit Schriftsatz vom 10. Januar 2025 und demnach binnen der zweiten auf den qualifizierten Hinweis eingeräumten Frist geltend gemachte Nichtigkeitsgrund mangelnder Ausführbarkeit war entgegen der Annahme und Rüge der Beklagten nicht gemäß § 83 Abs. 4 Satz 1 PatG als verspätet zurückzuweisen. \n\n128\\. § 83 PatG mit den in das Nichtigkeitsverfahren eingeführten Präklusionsregeln sieht grundsätzlich die Möglichkeit vor, verspätetes Vorbringen – neue Angriffs- und Verteidigungsmittel, eine Klageänderung oder eine Verteidigung des Beklagten mit einer geänderten Fassung des Patents – zurückzuweisen und bei der Entscheidung unberücksichtigt zulassen. Voraussetzung hierfür ist nach § 83 Abs. 4 PatG, dass das Vorbringen unter Versäumung der nach § 83 Abs. 2 Satz 1 PatG gesetzten Frist erfolgt, die betroffene Partei die Verspätung nicht genügend entschuldigt und die Berücksichtigung des neuen Vortrags eine Vertagung des Termins zur mündlichen Verhandlung erfordert hätte. Hierfür ist es demnach stets erforderlich, dass dieser Vortrag tatsächliche oder rechtliche Fragen aufkommen lässt, die in der mündlichen Verhandlung nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand zu klären sind (vgl. Begründung zum Entwurf eines Gesetzes zur Vereinfachung und Modernisierung des Patentrechts, BlPMZ 2009, 307, 315). Kann das an sich verspätete Vorbringen dagegen noch ohne Weiteres in die mündliche Verhandlung einbezogen werden, ohne dass es zu einer Verfahrensverzögerung kommt, liegen die Voraussetzungen für eine Zurückweisung nach § 83 Abs. 4 PatG nicht vor (s. a. BPatG, Urteil vom 30. April 2024 – 7 Ni 3\u002F23, juris Rn. 206; vgl. Keukenschrijver, Patentnichtigkeitsverfahren, 7. Aufl. 2021, Rn. 223 mit umfangreichen Nachweisen zur Rechtsprechung des BPatG in Rn. 125). \n\n129\\. So liegt der Fall hier. \n\n130\\. Der weitere Angriff der Klägerin mit dem Nichtigkeitsgrund der unzureichenden Offenbarung ist fristgemäß am Tag des Ablaufs der auf den qualifizierten Hinweis gesetzten bzw. verlängerten Frist zur Stellungnahme auf das Vorbringen der Gegenseite, nämlich am 10\\. Januar 2025, eingegangen. \n\n131\\. In Bezug auf den weiteren Nichtigkeitsgrund bestand auch kein Vertagungserfordernis, weil die Beklagte vorliegend bei Geltendmachung des weiteren Nichtigkeitsgrunds mehr als zehn Wochen vor der mündlichen Verhandlung nicht nur ausreichend Zeit zur Vorbereitung ihres Vorbringens in der mündlichen Verhandlung hatte, sondern auch schriftsätzlich vollinhaltlich dazu Stellung nehmen konnte. Dies hat sie mit ihren diesbezüglichen ausführlichen Darlegungen im Schriftsatz vom 27. Februar 2025 auch getan und sich damit zudem in der Sache eingelassen. \n\n132\\. **3.** Die Annahme der Klägerin, dass die Fachperson den Rechner 215 einer Grenzfrequenz für den Zeitdomänen-Anregungsbeitrag, der diese gemäß Merkmal 1.2 in Erwiderung auf das Eingangsschallsignal berechne, nicht nacharbeiten könne, denn die Fachperson würde mit in sich widersprüchlichen Lehren konfrontiert, welche sie selbst bei Heranziehung ihres Fachwissens nicht lösen könne, wenn sie der Offenbarung des Streitpatents folgen sollte, ist unzutreffend. \n\n133\\. **3.1** Eine Erfindung ist ausführbar offenbart, wenn die Fachperson ohne erfinderisches Zutun und ohne unzumutbare Schwierigkeiten in der Lage ist, die Lehre des Patentanspruchs auf Grund der Gesamtoffenbarung der Patentschrift in Verbindung mit dem allgemeinen Fachwissen und Fachkönnen so zu verwirklichen, dass der angestrebte Erfolg erreicht wird. Dazu muss die Patentschrift zumindest ansatzweise erkennen lassen, durch welche Mittel und auf welche Weise die beanspruchte technische Lehre verwirklicht werden kann (BGH, Urteil vom 29. März 2022 – X ZR 16\u002F20 – Übertragungsleistungssteuerungsverfahren, juris Leitsatz 2). Es ist daher nicht erforderlich, dass mindestens eine praktisch brauchbare Ausführungsform als solche unmittelbar und eindeutig offenbart ist. Vielmehr reicht es aus, wenn der Fachmann ohne eigenes erfinderisches Bemühen Unvollständigkeiten ergänzen und sich notfalls mit Hilfe orientierender Versuche Klarheit verschaffen kann (BGH, Urteil vom 13. Juli 2010 – Xa ZR 126\u002F07, GRUR 2010, 916 – Klammernahtgerät, juris Leitsatz und Rn. 17). Denn er entnimmt bereits die zur Ausführung der Erfindung in den Ansprüchen regelmäßig nicht vollständig enthaltenen aber für die praktische Verwirklichung erforderlichen Einzelangaben der allgemeinen Beschreibung (BGH, Urteil vom 28. März 2017 – X ZR 17\u002F15, juris Rn. 23 m. w. N.). \n\n134\\. **3.2** Diese Anforderungen erfüllt das Streitpatent, da der Einwand der Klägerin lediglich auf einem für die Fachperson offensichtlichen Fehler in einer Gleichung (Absatz 0054) der mehreren und lediglich beispielgebenden Berechnungsvorschriften gründet, den die Fachperson anhand der Gesamtoffenbarung der technischen Lehre des Streitpatents und insbesondere der verbalen Beschreibung der Berechnung durch eine Korrektur der entsprechenden Gleichung ohne Weiteres richtig stellt. \n\n135\\. Die Fachperson, welche die technische Lehre des Streitpatents verwirklichen und die mit den unabhängigen Ansprüchen 1 und 17 beanspruchte gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codiervorrichtung bzw. das zugehörige Verfahren zum Codieren eines Eingabeschallsignals nacharbeiten will, muss die mit den Merkmalen 1.2 bzw. 17.2 angegebene Berechnung einer Grenzfrequenz für den Zeitdomänen-Anregungsbeitrag als Reaktion auf das Eingabeschallsignal konkret realisieren. \n\n136\\. Bei Zweifeln oder erkannten Ungenauigkeiten kann sie die zur Ausführung der Erfindung in den Ansprüchen als nicht treffend erkannten aber für die praktische Verwirklichung erforderlichen Einzelangaben der allgemeinen Beschreibung ausführbar entnehmen. Im Absatz 0026 der Beschreibung wird detailliert angegeben, wie die Grenzfrequenz im Frequenzbereich geschätzt (\"*estimated* \") bzw. berechnet (\"*compute* \") wird. Neben der Aufteilung der Spektren sowohl des LP-Residuums als auch des im Zeitbereich codierten Beitrags in eine vordefinierte Anzahl von Frequenzbändern entnimmt sie, dass für jedes der Frequenzbänder eine normierte Korrelation zwischen der Frequenzdarstellung des Zeitbereichs-Anregungsbeitrags und der Frequenzdarstellung des LP-Residuums berechnet und die Korrelation zwischen benachbarten Frequenzbändern geglättet wird, wobei die Korrelationen pro Band nach unten auf 0,5 begrenzt und zwischen 0 und 1 normiert sind (\"*The per-band correlations are lower limited to 0.5 and normalized between 0 and 1.* \"). \n\n137\\. Die Fachperson kann zur Erlangung eines tieferen Verständnisses der Details und als Hilfe bei der technischen Umsetzung zusätzlich die exemplarische Berechnung der Grenzfrequenz nachvollziehen, wie sie in den Absätzen 0052 bis 0065 des Streitpatents konkret an einem Ausführungsbeispiel vorgeführt wird. \n\n138\\. Bei dieser beispielhaften Berechnung wird \n\n139\\. · zunächst durch den Rechner 215 (Figur 2), unter Verwendung eines Computers 303 (Figuren 3 und 4) zur normierten Kreuzkorrelation für jedes Fre-quenzband zwischen dem frequenztransformierten LP-Residuum (*f* *res* ) aus dem Rechner 107 und dem frequenztransformierten Anregungsbeitrag im Zeitbereich (*f* *exc* *)* aus dem Rechner 106 die Grenzfrequenz geschätzt, wobei von der Einteilung des Spektrums in 16 Frequenzbänder ausgegangen wird (Absatz 0052: \"… *for example, the sixteen (16) frequency bands are defined in Hz* \") und \n\n140\\. · für jedes Frequenzband eine normierte Kreuzkorrelation *C* *C* *(i)* berechnet, deren Werte jeweils zwischen -1 und +1 liegen (Absatz 0053); \n\n141\\. · anschließend durch einen Glätter (\"*smoother 304* \"; dargestellt in den Figuren 3 und 4) unter Verwendung der Gleichung im Absatz 0054 ein neuer Kreuzkorrelationsvektor *C* *C2* *(i)* für die ersten 13 Frequenzbänder berechnet, \n\n142\\. · bevor durch den Rechner 305 der Mittelwert des neuen Kreuzkorrelationsvektors *C* *C2* über die ersten *N* *b* -Bänder (*N* *b* = 13 entsprechend 5575 Hz als oberer Grenzfrequenz des dreizehnten Frequenzbands, vgl. auch Absatz 0052, wobei dort 5575 Hz der oberen Grenzfrequenz des fünfzehnten Frequenzbandes *N* *b* = 15 entspricht) berechnet wird (Absatz 0055) und \n\n143\\. · abschließend die Funktion des Grenzfrequenzmoduls 306 (Figur 3) beschrieben, dessen Begrenzer 406 den Mittelwert des Kreuzkorrelationsvektors auf einen Mindestwert von 0,5 begrenzt, der Normierer 407 den Mittelwert des Kreuzkorrelationsvektors zwischen 0 und 1 normiert und der Finder 408 eine erste Schätzung der Grenzfrequenz *f* *tc1* gewinnt, indem er die letzte Frequenz eines Frequenzbandes *L* *f* , welche die Differenz zwischen dieser und dem normierten Mittelwert  des Kreuzkorrelationsvektors *C* *C2* multipliziert mit der Breite F\u002F2 des Spektrums des Eingangsschallsignals minimiert (Absätze 0056 und 0057). \n\n144\\. Falls die Fachperson beim Nacharbeiten der beanspruchten Gegenstände nicht allein die Anweisungen in Absatz 0026 befolgt, sondern zusätzlich von den exemplarischen Berechnungen beim Ausführungsbeispiel nach den Absätzen 0052 bis 0065 Gebrauch macht, wird sie entweder beim rechnerischen Nachvollziehen oder bei der regelgerechten Implementierung als Computerprogramm feststellen – worauf die Klägerin zutreffend hingewiesen hat – dass einer der Berechnungsschritte zur Schätzung der Grenzfrequenz, der durch die Gleichung in Absatz 0054 repräsentiert wird, zu Ergebnissen führt, die im Widerspruch zu ihren auf Fachwissen beruhenden Erwartungen und insbesondere zu den Anweisungen in Absatz 0026 stehen. \n\n145\\. Die Fachperson, die für die Komponenten des sogenannten neuen Kreuzkorrelationsvektors *C* *C2* *(i)* von Absatz 0054 \n\n146\\. – wie für jeden üblichen Korrelationskoeffizienten – Werte aus dem Intervall zwischen -1 und 1 erwartet, stellt bereits beim Berechnen der ersten Komponente in der ersten Zeile der Gleichung (*i = 0*) fest, dass sich Werte zwischen -3 und 0 ergeben und stellt daher die Korrektheit der Gleichung in Frage. \n\n147\\. Sie erkennt vor allem, allein aus ihrem mathematischen Grundwissen heraus, dass eine allgemeine Minimumsfunktion, beispielsweise: *C(x)* = min(0.5, *x*), wobei *x* für einen beliebigen Term mit Wertebereich -1 bis 1 steht, stets Werte von kleiner oder gleich 0,5 liefert – und damit für den Wertevorrat von *C* *C2* *(i = 0)* der ersten Zeile der Gleichung das Intervall von -3 bis 0, wie auch die Klägerin korrekt angibt – und somit nach oben begrenzt ist, was im Widerspruch zum Absatz 0026 steht, der nach unten auf 0,5 begrenzte und zwischen 0 und 1 normierte Korrelationen fordert (siehe oben). \n\n148\\. Die Fachperson wird daher wiederum mit ihrem mathematischen Grundwissen einer Realisierung der Begrenzung nach unten selbstverständlich eine Maximumsfunktion statt einer Minimumsfunktion zuordnen und feststellen, dass eine entsprechend korrigierte Gleichung (Absatz 0054) alle Anforderungen erfüllt, insbesondere konsistent mit der übrigen beschriebenen technischen Lehre des Streitpatents ist und auch für die erste Komponente des Kreuzkorrelationsvektors CC2(i) korrekterweise Werte zwischen 0 und 1 liefert. Die Fachperson wird somit den offensichtlichen Fehler ohne Weiteres folgendermaßen richtigstellen: \n\n149\\. Im Übrigen ist festzuhalten, dass als Bedingung für eine hinreichend deutliche und vollständige Offenbarung nicht zu fordern ist, dass das jedes einzelne in einem Patent beschriebene Ausführungsbeispiel von der Fachperson nachgearbeitet werden kann, sondern dass sie die Lehre des jeweiligen Patentanspruchs – mittels geläufiger Maßnahmen, ohne erfinderisches Zutun und ohne unzumutbaren Aufwand, wie hier gezeigt – praktisch realisieren kann (BGH, Urteil vom 18. Juni 2013 – X ZR 35\u002F12 – Halbleiterdotierung, juris 4. Orientierungssatz, Rn. 46 m. w. N.). \n\n150\\. **III. Zur Patentfähigkeit des Streitpatents in erteilter Fassung**\n\n151\\. Dem Bestand des Streitpatents steht der Nichtigkeitsgrund der mangelnden Patentfähigkeit nicht entgegen, Art. II § 6 Abs. 1 Nr. 1 IntPatÜG i. V. m. Art. 138 Abs. 1 Buchst. a) und Art. 52, 54 und 56 EPÜ. \n\n152\\. Die jeweiligen Gegenstände der nebengeordneten Patentansprüche 1 und 17 des Streitpatents erweisen sich gegenüber dem von der Klägerin entgegengehaltenen Stand der Technik als patentfähig. \n\n153\\. **1.** Die Druckschrift **D1** \"KIM\" steht der Patentfähigkeit des Gegenstands des Streitpatents nicht entgegen. \n\n154\\. **1.1** Druckschrift**D1\u002FKIM** betrifft ausweislich ihres Titels Vorrichtungen und Verfahren zur adaptiven zeit-\u002Ffrequenzbasierten Audiocodierung und -decodierung.Dazu wird das Frequenzspektrum eines Eingabeschallsignals eines bestimmten Zeitabschnitts (z. B. eines 20 ms langen Rahmens, vgl. Absatz 0047) in eine Vielzahl von Frequenzabschnitten (Frequenzbänder) unterteilt, wobei jeder dieser Frequenzabschnitte für sich entweder im Zeitbereich oder im Frequenzbereich codiert werden kann. Als Ergebnis könne ein effektives Komprimierungsverfahren sowohl für Musik als auch für Sprache bereitgestellt werden, welches für mobile Endgeräte einsetzbar sei (Abstract sowie Absätze 0010 und 0085). \n\n155\\. Das Blockdiagramm der Figur 1 zeigt eine Ausführungsform einer adaptiven zeit- \u002F frequenzbasierten Audiocodiervorrichtung gemäß der allgemeinen technischen Lehre der D1\u002FKIM. Die Transformations- und Modusbestimmungseinheit 100 teilt das Eingangssignal IN in Frequenzbereichssignale S1 und S2 auf und wählt für jedes der Signale entweder einen zeitbasierten oder einen frequenzbasierten Codiermodus aus. Die Einheit 100 generiert zudem Informationen über die vorgenommene Aufteilung (\"*division information S3* \") und den jeweils gewählten Codiermodus (\"*encoding mode information S4* \"). Die Codiereinheit 110 codiert die Frequenzbereichssignale S1 und S2 entsprechend im zeitbasierten bzw. im frequenzbasierten Codiermodus in die Signale S5 und S6. Die Bitstrom-Ausgabeeinheit 120 erzeugt aus den zeit- und frequenzcodierten Daten S5 bzw. S6 und den Informationen S3 und S4 als Bitstrom das resultierende Ausgabesignal OUT (Absätze 0043 bis 0045). \n\n156\\. Figur 1 der Druckschrift D1 \"KIM\" \n\n157\\. Figur 2 zeigt exemplarisch ein sich von 0 bis etwa 22 kHz erstreckendes Spektrum eines 20 ms langen Zeitabschnitts eines Eingangsaudiosignals, das in fünf Frequenzbänder (in der D1 in nicht fachüblicher Weise als \"Unterrahmen\" (sub-frames) bezeichnet) sf1, … sf5 aufgeteilt wird, wobei die Frequenzbänder sf1 und sf3 im Zeitbereich und die Frequenzbänder sf2, sf4 und sf5 im Frequenzbereich codiert werden (\"*time-based encoding mode* \" bzw. \"*frequency-based encoding mode* \", Absatz 0047). \n\n158\\. Figur 2 der Druckschrift D1 \"KIM\" \n\n159\\. Um das Eingangsaudiosignal in Frequenzbänder aufzuteilen und den entsprechenden Codierungsmodus für jedes Band zu bestimmen, könne ein Spektralmessverfahren, ein Energiemessverfahren, ein Langzeitvorhersage-Schätzverfahren und ein Verfahren, das einen stimmhaften Klang von einem stimmlosen Klang unterscheiden kann, verwendet werden (Absatz 0048). \n\n160\\. Die in Figur 4 schematisch dargestellte Codiereinheit 110 umfasst eine zeitbasierte Codiereinheit 400 und eine frequenzbasierte Codiereinheit 410. Das Frequenzbereichssignal S1 wird vor der zeitbasierten Codierung, die beispielsweise als lineare Vorhersagemethode (CELP) ausgestaltet ist, mittels einer inversen Frequenzbereichstransformation in ein Zeitbereichssignal umgewandelt. Das Frequenzbereichssignals S2 wird in der Codiereinheit 410 beispielsweise mittels eines TCX- oder eines ACC-Algorithmus (\"*such as a Tex character translation*[sic!]*(TCX) algorithm and an advanced audio coding (AAC) algorithm* ”) frequenzbasiert codiert (Absätze 0040 und 0053 bis 0055; wobei das Akronym \"TCX\" – für die Fachperson offensichtlich – nicht für einen \"*Tex character translation (TCX) algorithm* \" steht, wie in den Absätzen 0007 und 0040 angegeben, sondern den ihr bekannten \"*transform coded excitation* \"-Algorithmus bezeichnet). \n\n161\\. Figur 4 der Druckschrift D1 \"KIM\" \n\n162\\. Eine derartige Nutzung der Kombination aus zeit- und frequenzbasierter Audiocodierung ermögliche eine hohe Kompressionseffizienz sowohl für Musik als auch für Sprache und könne für mobile Endgeräte verwendet werden, die eine Audiokompression mit niedriger Bitrate benötigen (Abstract, Absätze 0003, 0008 und 0085). \n\n163\\. **1.2** Die Druckschrift **D1\u002FKIM** offenbart der Fachperson in Worten des erteilten Anspruchs 1 Folgendes: Eine \n\n164\\. 1\\. gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codiervorrichtung (\"*time\u002Ffrequency-based audio encoding apparatus”*) zum Codieren eines Eingabeschallsignals (\"*input audio signal IN* \"), wobei sie umfasst: \n\n165\\. Die schematisch in Figur 1 gezeigte Audiocodiervorrichtung der Druckschrift D1\u002FKIM codiert das Eingabeschallsignal IN in einer Codiereinheit 110, die eine zeitbasierte Codiereinheit 400 und eine frequenzbasierte Codiereinheit 410 umfasst, und damit eine in der Zeitdomäne und der Frequenzdomäne \"gemischte\" Codierung vornimmt, wie in Figur 4 gezeigt und den Absätzen 0042 bis 0057 beschrieben wird. \n\n166\\. 1.1 einen Rechner eines Zeitdomänen-Anregungsbeitrags (\"*time-based encoding unit 400* \") als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (\"*input audio signal IN* \"); \n\n167\\. Die zeitbasierte Codiereinheit 400, die das Frequenzsignal S1 in der Zeitdomäne beispielsweise mittels CELP codiert (Absatz 0040), kann als Rechner eines Zeitdomänen-Anregungsbeitrags im Sinne des Streitpatents bezeichnet werden (Absatz 0054). Die Berechnung als Reaktion auf das Eingabeschallsignal ergibt sich daraus, dass das Frequenzsignal S1 einen Teil des durch die Transformations- und Modusbestimmungseinheit 100 aufgeteilten Eingangssignals IN darstellt (Figur 1 i. V. m. Absatz 0043). \n\n168\\. 1.2 einen Rechner einer Grenzfrequenz (100) für den Zeitdomänen-Anregungsbeitrag als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (\"*input audio signal IN* \"); \n\n169\\. Die Transformations- und Modusbestimmungseinheit 100 (Figur 1) teilt das Eingangssignal IN in mehrere Frequenzbereichssignale auf und wirkt damit als Rechner zur Bestimmung von Grenzfrequenzen für den Zeitdomänen-Anregungsbeitrag, da sie dabei zwangsläufig Unter- und Obergrenzen für die Frequenzbereiche bestimmt (z. B. für die Frequenzbereiche *sf1* und *sf3* in Figur 2), aus denen die Zeitdomänen-Anregungsbeiträge berechnet werden (Figur 2 und Absatz 0047). Diese Grenzfrequenzen werden als Reaktion auf das Eingabeschallsignal berechnet, da die Unterteilung des Eingangsaudiosignals in die Frequenzbänder mit den unterschiedlichen Codiermodi mittels verschiedener Verfahren durchgeführt wird, die auf bestimmte Eigenschaften des Eingangsaudiosignals reagieren, wie z. B. Spektralmessverfahren, Energiemessverfahren, Langzeitvorhersage-Schätzverfahren und Verfahren zur Unterscheidung stimmhafter und stimmloser Signale (Absatz 0048). \n\n170\\. 1.3 einen Filter, der auf die Grenzfrequenz zum Einstellen eines Frequenzumfangs des Zeitdomänen-Anregungsbeitrags reagiert; \n\n171\\. Ein Filter, der wie beim Streitpatentgegenstand dazu dienen würde, den Frequenzumfang des bzw. der Zeitdomänen-Anregungsbeiträge einzustellen, ist in Druckschrift D1\u002FKIM nicht offenbart und bei deren Codiervorrichtung auch nicht erforderlich. Gemäß Streitpatent werden alle Frequenzen des durch eine CELP-Codierung mittels Codebüchern ermittelten Zeitdomänen-Anregungsbeitrags, der für den gesamten Spektralbereich des Signals vorliegt, jenseits, vorzugsweise oberhalb der Grenzfrequenz bzw. eines zusätzlichen Übergangsbereichs gefiltert, insbesondere auf Null gesetzt (Tiefpassfilter). Im Gegensatz dazu liegt in der D1\u002FKIM durch die Aufteilung des gesamten Spektralbereichs des Eingabeschallsignals in Frequenzbänder, die entweder nur im Zeitbereich oder nur im Frequenzbereich codiert werden, bereits vor der Codierung und Erzeugung des bzw. der Zeitdomänen-Anregungsbeiträge das Eingabeschallsignal nur in dem bzw. den dazu bestimmten Frequenzbereichen vor, so dass nicht nachträglich ein als nicht erforderlich erachteter Frequenzbereich jenseits einer Grenzfrequenz gefiltert bzw. auf Null gesetzt werden müsste. \n\n172\\. 1.4 einen Rechner eines Frequenzdomänen-Anregungsbeitrags (\"*frequency-based encoding unit 410* \") als Reaktion auf das Eingabeschallsignal; und \n\n173\\. Die frequenzbasierte Codiereinheit 410, die das Frequenzsignal S2 in der Frequenzdomäne beispielsweise mittels TCX- und ACC-Algorithmen codiert (Absatz 0040), kann als Rechner im Sinne des Streitpatents bezeichnet werden (Figur 4 i. V. m. Absatz 0055). Die Berechnung als Reaktion auf das Eingabeschallsignal ergibt sich daraus, dass das Frequenzsignal S2 einen Teil des durch die Transformations- und Modusbestimmungseinheit 100 aufgeteilten Eingangssignals IN darstellt (Absatz 0043). \n\n174\\. 1.5Teil einen Kollektor Addierer des gefilterten Zeitdomänen-Anregungsbeitrags und des Frequenzdomänen-Anregungsbeitrags (bzw. der jeweiligen Beiträge) in der Frequenzdomäne, um eine gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Anregung zu bilden, die eine codierte Version des Eingabeschallsignals bildet. \n\n175\\. Die Bitstrom-Ausgabeeinheit 120 erzeugt aus den zeit- und frequenzcodierten Daten S5 bzw. S6 und den Informationen S3 und S4 als Bitstrom das resultierende Ausgabesignal OUT (Absatz 0045, Figuren 1 und 4). Abgesehen davon, dass der Zeitdomänen-Anregungsbeitrag nach der technischen Lehre der D1\u002FKIM nicht gefiltert wird, ist der D1 nicht entnehmbar, wie aus den, den Zeitdomänen- und Frequenzdomänen-Anregungsbeiträgen entsprechenden, Datensignalen S5 und S6 unter Verwendung der Informationen S3 und S4 das resultierende Bitstrom-Ausgabesignal OUT erzeugt wird. Ein Addierer, der die gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Anregung durch Addition bilden würde, ist jedenfalls nicht unmittelbar und eindeutig offenbart. Der Fachperson sind zudem auch andere Methoden bekannt, um die codierte Version des Eingabeschallsignals aus den \"gesammelten\" Signalen S3 bis S6 zu bilden (Absatz 0045: \"*The bitstream output unit 120 collects the data S5 and S6, the division information S3 and the encoding mode information S4 of each frequency-domain signal, and out-puts a bitstream OUT. Here, the bitstream OUT may have a data compression process performed thereon, such as an entropy-encoding process.* \"). \n\n176\\. Im Blockdiagramm der Figur 5 gezeigt und in den Absätzen 0058 bis 0062 beschrieben ist eine weitere, gegenüber der vorstehend analysierten Ausführungsform gemäß den Figuren 1 bis 4 modifizierte, Ausführungsform des allgemeinen Erfindungskonzepts von D1\u002FKIM. \n\n177\\. Figuren 5 der Druckschrift D1 \"KIM\" mit Hervorhebung durch den Senat \n\n178\\. Wie bereits in Figur 5 gut zu erkennen ist, besteht der Unterschied zum Ausführungsbeispiel der Figuren 1 bis 4 darin, dass die zeitbasierte Codiereinheit 510 (die ansonsten der zeitbasierten Codiereinheit 400 von Figur 4 entspricht) mit einer zusätzlichen Funktion zur Bestätigung eines bestimmten Codiermodus ausgestattet ist, welche anhand von Zwischendatenwerten, die während der zeitbasierten Codierung erhalten werden, bestimmt, ob der zeitbasierte Codiermodus für das empfangene Frequenzbereichssignal S1 geeignet ist. Ist dies nicht der Fall, d. h., wenn die Codiereinheit 510 feststellt, dass der frequenzbasierte Codiermodus für das Signal S1 (besser) geeignet ist, wird die Durchführung der zeitbasierten Codierung für das Frequenzbereichssignal S1 gestoppt und die zeitbasierte Codiereinheit 510 liefert ein Modusumwandlungssteuersignal S9 (\"*mode conversion control signal* \") zurück an die Transformations- und Modusbestimmungseinheit 500. \n\n179\\. In diesem Fall einer \"Umklassifizierung\" wird das zunächst in der Zeitdomäne teilweise aus dem Frequenzbereichssignal S1 codierte Anregungssignal S5 verworfen und erneut, nun vollständig in der Frequenzdomäne, codiert. Es erfolgt somit auch bei diesem Ausführungsbeispiel stets eine Zeitdomänen-Codierung oder eine Frequenzdomänen-Codierung, die jeweils auf jedes einzelne der eingangs durch Unterteilung des Eingangsschallsignals erzeugten Frequenzbandsignale beschränkt ist. Dies entspricht nicht einem streitpatentgemäßen Filtern, beispielsweise durch teilweise auf Null setzen eines codierten Zeitdomänen-Anregungsbeitrags. Vielmehr ist ein Einstellen eines Frequenzumfangs (*frequency extent*) des Zeitdomänen-Anregungsbeitrags durch einen Filter als Reaktion auf die Grenzfrequenz, wie es Merkmal 1.3 (und auch 17.3) fordert, auch durch das Ausführungsbeispiel gemäß der Figur 5 von D1\u002FKIM nicht offenbart. Denn auch nach diesem Beispiel werden immer erst die Grenzfrequenz bzw. die Grenzfrequenzen bestimmt und damit ein Einstellen des Frequenzumfangs des Eingangssignals (vgl. insb. Figur 2) vorgenommen, bevor der bzw. die Zeitdomänen-Anregungsbeiträge berechnet werden, der im Gegensatz dazu gemäß den Ansprüchen 1 und 17 des Streitpatents Voraussetzung für die Berechnung der Grenzfrequenz ist. \n\n180\\. Auch wenn die Reihenfolge der von der im Vorrichtungsanspruch 1 des Streitpatents genannten Codiervorrichtung durchgeführten Verfahrensschritte aus dem Anspruch 1 alleine, wie zur Auslegung dargelegt, nicht unmittelbar erkennbar ist, ergibt sich diese jedoch unter Berücksichtigung des korrespondierenden Verfahrensanspruchs 17 und der Gesamtoffenbarung des Streitpatents, nämlich, dass zuerst ein Zeitdomänen-Anregungsbeitrag (Merkmale 1.1 und 17.1) und hierfür eine Grenzfrequenz berechnet werden muss (Merkmale 1.2 und 17.2), bevor ein Frequenzumfang des Zeitdomänen-Anregungsbeitrags mittels eines Filters eingestellt wird (Merkmal 1.3 und 17.3). Erst dann wird ein Frequenzdomänen-Anregungsbeitrag berechnet (Merkmal 1.4 und 17.4). \n\n181\\. Weder ein Verfahren mit in dieser Reihenfolge ablaufenden Schritten noch eine dafür eingerichtete Vorrichtung ist der Druckschrift D1\u002FKIM entnehmbar. Da D1\u002FKIM somit das einen Filter betreffende Merkmal 1.3 nicht und den einen Addierer betreffenden Teil des Merkmals 1.5 zumindest nicht explizit offenbart, ist die Vorrichtung des Patentanspruchs 1 nach Streitpatent gegenüber dem Stand der Technik nach der Druckschrift D1\u002FKIM **neu**. \n\n182\\. **1.3** Der Gegenstand des erteilten Anspruchs 1 beruht ausgehend vom Stand der Technik nach Druckschrift D1\u002FKIM auch auf erfinderischer Tätigkeit. \n\n183\\. Zwar mag es für die Fachperson eine naheliegende Maßnahme darstellen, die codierte Version des Eingabeschallsignals durch Addition aus den zeit- und frequenzcodierten Daten (S5 bzw. S6 in den Figuren 1 und 5) zu bilden, und damit den fehlenden Rest des Merkmals 1.5 zu realisieren. \n\n184\\. Über diese Maßnahme hinaus ist jedoch keine Veranlassung für die Fachperson erkennbar, die Vorrichtung zur adaptiven zeit- und frequenzbasierten Audiocodierung nach Druckschrift D1\u002FKIM in Richtung auf die mit Anspruch 1 des Streitpatents beanspruchte technische Lehre abzuändern und das **Merkmal 1.3** zu realisieren. Die dazu erforderlichen Umgestaltungen– statt das Eingabeschallsignal in Frequenzbänder aufzuteilen und diese nur entweder im Zeitbereich oder im Frequenzbereich zu codieren, was den Kern der Lehre der Druckschrift D1\u002FKIM darstellt, einen Filter einzufügen und damit einen vorher bereits vollständig berechneten Zeitdomänen-Anregungsbeitrag (\"*time-domain excitation contribution* \" aus Merkmal 1.1) zu filtern – würden grundlegende Änderungen der in sich geschlossenen und ohne erkennbare Nachteile beschriebenen technischen Lehre der Druckschrift D1\u002FKIM bedeuten, zu der die Fachperson weder aus ihrem Fachwissen heraus veranlasst wird noch in D1\u002FKIM einen Hinweis oder eine Anregung dazu entnehmen kann. \n\n185\\. **1.4** Zu einer Kombination mit dem weiteren im Verfahren vorliegenden Stand der Technik besteht ebenfalls keine Veranlassung und könnte die Fachperson auch nicht in naheliegender Weise zum Streitpatentgegenstand führen. Dies gilt entgegen der Auffassung der Klägerin auch für eine Zusammenschau von D1\u002FKIM mit dem (bereits im Streitpatent genannten) Fachartikel D15\u002FLEFEBVRE. \n\n186\\. Zwar wird im Absatz 0040 in D1\u002FKIM als frequenzbasierte Codierungsmethode exemplarisch ein Audiokomprimierungsalgorithmus mit dem Akronym TCX angegeben, bei dem es sich für die Fachperson offensichtlich, wie bereits dargelegt und begründet, nicht um einen Tex-Zeichenübersetzungsalgorithmus (\"*a Tex character translation (TCX) algorithm* \"), sondern um die ihr geläufige Transform Coded Excitation)-Codierung handelt. \n\n187\\. Es ist jedoch bereits fraglich, ob die Fachperson – selbst, wenn sie den IEEE-Fachartikel D15\u002FLEFEBVRE, der TCX-Codierung für Breitband-Audiocodierung verwendet, berücksichtigen sollte – diesen zur Weiterentwicklung der Lehre von D1\u002FKIM heranziehen würde, zumal ihr die Nachteile der in D15\u002FLEFEBVRE verwendeten Methode, die auch das Streitpatent in Absatz 0003 beschreibt, bekannt sind. Insbesondere wird die Fachperson, welche einen Codec entwickeln möchte, der von der Struktur und Funktionsweise einem herkömmlichen Zeitbereichs-CELP-Codec ähnlich ist bzw. besser in einen solchen integriert werden kann, nicht D15\u002FLEFEBVRE zur Kombination heranziehen, dessen Ansatz die CELP-typische Analyse-durch-Synthese umgeht und bei dem die innovative, im Frequenzbereich quantisierte Anregung im Decodierer durch inverse Filterung des quantisierten Zielsignals abgeleitet werden muss. \n\n188\\. Doch selbst wenn die Fachperson die technische Lehre von D15\u002FLEFEBVRE zur Kombination mit der von D1\u002FKIM in Betracht ziehen sollte, würde sie nicht zur gemischten Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codierung des Streitpatents gelangen. Vielmehr würde sie die Transformationsdomänen-Codierung der D15\u002FLEFEBVRE allenfalls in der frequenzbasierten Codiereinheit 410 einsetzen, um das vorher selektierte Frequenzbereichssignal S2 in der Frequenzdomäne mittels des TCX-Algorithmus zu codieren (Absatz 0040). \n\n189\\. Jedenfalls wäre damit eine Filterung des Zeitdomänen-Anregungsbeitrags nicht verwirklicht, da dies beim Konzept von D1\u002FKIM nicht erforderlich ist und von dem abzuweichen kein Anlass besteht, da der Kern der technischen Lehre von KIM darauf basiert, das Eingangssignal zuerst in den Frequenzbereich zu transformieren und dort eine Segmentierung in Frequenzbänder durchzuführen (insbesondere Absatz 0043, 0047 und 0048), um dann jedes Frequenzband separat entweder vollständig in der Zeit- oder der Frequenzdomäne zu codieren. Ein derartiger Wechsel der grundlegenden Methode ist auch nicht unter Berücksichtigung der technischen Lehre von D15\u002FLEFEBVRE naheliegend, vielmehr stellt eine solche Überlegung ausgehend von der Druckschrift D1\u002FKIM eine unzulässige rückschauende Betrachtungsweise in Kenntnis der technischen Lehre des Streitpatents dar. \n\n190\\. Nach alledem gelangt die Fachperson ausgehend vom Stand der Technik nach der Druckschrift D1\u002FKIM nicht in naheliegender Weise zur Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codiervorrichtung des geltenden Anspruchs 1 und diese beruht auf erfinderischer Tätigkeit. \n\n191\\. **2.** Die Dokumente **D4** \"JELINEK\" und **D12** \"G.718\" stehen der Patentfähigkeit des Gegenstands des Streitpatents ebenfalls nicht entgegen. \n\n192\\. **2.1** Beim Fachartikel **D4** **\u002FJELINEK** handelt es sich um einen Übersichtsartikel zur Standardisierung, Architektur und Leistung der ITU-T-Empfehlung G.718 (**D12** **\u002FG.718**). Dieser Standard **G.718** (nach den Dokumenten D12 und D4) beschreibt einen eingebetteten Codec mit variabler Bitrate mit hoher Robustheit gegenüber fehleranfälligen Übertragungskanälen, der eine skalierbare Lösung für die Kompression von mit 8 kHz und 16 kHz abgetasteten Sprach- und Audiosignalen mit Raten zwischen 8 kb\u002Fs und 32 kb\u002Fs bereitstellt. Er umfasst fünf Schichten, wobei Bitströme höherer Schichten verworfen werden können, ohne die Decodierung der unteren Schichten zu beeinträchtigen. Der Codec, wie ihn G.718 spezifiziert, wurde entwickelt, um eine hohe Sprachqualität für allgemeine Audiodaten und auch zur Codierung von Musik bei niedrigen Bitraten zu ermöglichen sowie stabil im Falle von signifikanten Raten von Rahmenlöschungen oder Paketverlusten zu sein (D4\u002FJELINEK, Titel und Abstract). Ein Blockdiagramm eines G.718-Codierers für Breitband-Eingangssignale ist in Figur 1 von D4\u002FJELINEK dargestellt. \n\n193\\. Figur 1 des Übersichtsartikels D4 \"JELINEK\" \n\n194\\. Die erste Schicht (Layer 1; core layer) und die zweite Schicht (Layer 2) benutzen die ACELP-Technologie, die dritte, vierte und fünfte Schicht (Layer 3, Layer 4, Layer 5) basieren auf Transformationsdomänen-Codierung und benutzen dafür eine modifizierte diskrete Kosinus-Transformation (MDCT) (D4\u002FJELINEK, Figur 1; D12\u002FG.718, Abschnitt 5, Seiten 3 und 4 übergreifender Absatz), wobei jede Schicht mit einer festen Bitrate codiert wird: Schicht 1 mit 8 kbit\u002Fs; für Schicht 2 stehen zusätzliche 4 kbit\u002Fs zur Verfügung, weshalb bei einer Zeitdomänen-Codierung, in der nur die Schichten 1 und 2 benutzt werden, insgesamt 12 kbit\u002Fs verwendet werden; für Schichten 3 sowie 4 und 5 stehen weitere 4 kbit\u002Fs bzw. nochmals jeweils 8 kbit\u002Fs zur Verfügung (D4\u002FJELINEK, Seite 118, rechte Spalte, letzter Absatz; Seite 119, Table 1). Auf diese Weise wird die Skalierbarkeit mit den genannten Bitraten 8, 12, 16, 24 und 32 kbit\u002Fs realisiert. \n\n195\\. Tabelle 1 des Übersichtsartikels D4 \"JELINEK\" \n\n196\\. Auch beim G.718-Standard wird berücksichtigt, dass Sprachcodierungen wie CELP nicht gut zur Codierung von Musik-Signalen geeignet sind und deshalb das aus der Codierung eines generischen Audiosignals entstehende Fehlersignal in höheren Schichten mittels MDCT transformiert und dann codiert wird (D4\u002FJELINEK, Seite 120, linke Spalte, zweiter Absatz). \n\n197\\. **2.2** Der **G.718-Standard** bzw. die Entgegenhaltungen **D4\u002FJELINEK** und **D12\u002FG.718** offenbaren somit eine gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codiervorrichtung zum Codieren eines Eingabeschallsignals (Merkmal 1.), einen Rechner eines Zeitdomänen-Anregungsbeitrags als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (Merkmal 1.1) und einen Rechner eines Frequenzdomänen-Anregungsbeitrags als Reaktion auf das Eingabeschallsignal (Merkmal 1.4) gemäß erteiltem Anspruch 1 des Streitpatents. \n\n198\\. Nicht entnehmbar sind den den G.718-Standard beschreibenden Dokumenten D4\u002FJELINEK und D12\u002FG.718 jedoch die Merkmale 1.2 und 1.3, welche die Berechnung der Grenzfrequenz und die Anwendung eines Filters in Antwort auf die Grenzfrequenz betreffen, wie auch die Klägerin in ihrer Stellungnahme auf den Hinweis vom 21. Oktober 2024 zugesteht (Rn. 50 und 54), und zumindest nicht explizit einen Addierer des gefilterten Zeitdomänen-Anregungsbeitrags und des Frequenzdomänen-Anregungsbeitrags in der Frequenzdomäne, um eine gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Anregung zu bilden, die eine codierte Version des Eingabeschallsignals bildet (Merkmal 1.5). \n\n199\\. Die Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codiervorrichtung des Anspruchs 1 ist somit unbestritten jeweils neu gegenüber D4\u002FJELINEK und D12\u002FG.718 und auch die Klägerin hat diese Dokumente nur zur Frage der erfinderischen Tätigkeit benannt. \n\n200\\. **2.3** Der Gegenstand des Patentanspruchs 1 des Streitpatents ergibt sich für die Fachperson auch nicht in naheliegender Weise ausgehend von der technischen Lehre der Entgegenhaltungen D4\u002FJELINEK und D12\u002FG.718. \n\n201\\. **2.3.1** Der G.718-Standard, so wie er im vorliegenden Stand der Technik durch die beiden Entgegenhaltungen D4\u002FJELINEK und D12\u002FG.718 repräsentiert wird, stellt schon keinen geeigneten Ausgangspunkt für die Fachperson dar, die vor der Aufgabe steht, eine Codiervorrichtung bzw. ein entsprechendes Verfahren anzugeben, mit denen es ermöglicht wird, die Synthesequalität für generische Audiosignale wie z. B. Musik und\u002Foder nachhallende Sprache zu verbessern, ohne die Verzögerung bei der Verarbeitung und die Bitrate zu erhöhen und dabei ein einheitlicheres (\"*more unified* ”) Zeitbereichs- und Frequenzbereichsmodell zur möglichst guten Integration in die CELP-Zeitbereichscodierung bereitzustellen (Absätze 0004 und 0013). \n\n202\\. Zwar nimmt das Streitpatent an mehreren Stellen Bezug auf den G.718-Standard in Form der ITU-T Recommendation D12\u002FG.718 und macht von Basiskomponenten, insbesondere eines CELP-Codecs, Gebrauch, die auch Bestandteile von G.718-Codecs darstellen. Darüber hinaus verfolgen der G.718-Standard einerseits und das Streitpatent andererseits jedoch grundlegend verschiedene Ansätze zur Lösung verschiedener Aufgaben. \n\n203\\. Das Streitpatent verwirklicht eine gemischte Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Anregung mit einer vom Eingabeschallsignal abhängigen Grenzfrequenz zur Einstellung des Frequenzumfangs von Zeitdomänen- und damit auch Frequenzdomänen-Anregungsbeitrag, wohingegen das gemäß G.718-Standard implementierte Modell mehrere Schichten benutzt, von denen jede Schicht gemäß Bedarf jeweils das gesamte abgedeckte Frequenzspektrum für sich separat codiert und decodiert, was für die benannte Robustheit, die schon jeweils im Titel der Dokumente D4\u002FJELINEK und D12\u002FG.718 als zentrales Ziel angegeben wird, essentiell ist, aber im Streitpatent keine Rolle spielt. \n\n204\\. Im Übrigen ist es entgegen der Ansicht der Klägerin nicht ungewöhnlich, dass sich eine Patentschrift in der Beschreibung von einem gewürdigten Stand der Technik abgrenzt, der weit entfernt von der eigenen Lehre liegt bzw. einen technisch alternativen, inkompatiblen und vor allem auch als nachteilig erkannten Ansatz oder eine in eine andere Richtung weisende Aufgabe verfolgt und der daher nicht als Ausgangspunkt für eine Weiterentwicklung unter Berücksichtigung der gestellten Aufgabe in Frage kommt, so wie es bei der Nennung des ITU-T-Standards G.718 im Streitpatent der Fall ist. \n\n205\\. Eine Anpassung der Aufgabe an einen solchen, nicht als Ausgangspunkt verwendeten, Stand der Technik ist nicht veranlasst, da das der Erfindung zugrundeliegende technische Problem vielmehr so allgemein und neutral zu formulieren ist, dass sich die Frage, welche Anregungen der Fachmann durch den Stand der Technik erhielt, ausschließlich bei der Prüfung der erfinderischen Tätigkeit stellt (BGH, Urteil vom 21. Januar 2020 – X ZR 65\u002F18 – Tadalafil, GRUR 2020, 603, Rn. 12). \n\n206\\. **2.3.2** Aber selbst wenn die Fachperson vom G.718-Standard nach D4\u002FJELINEK und D12\u002FG.718 ausgehen würde, hätte sie – angesichts der jeweiligen Unterschiede zum Gegenstand des Streitpatents – keine Veranlassung, die in sich geschlossene Lehre, welche die dortige Aufgabe ohne erkennbare Nachteile löst, zu verwerfen und eine grundlegend andere Struktur und Funktionsweise in Richtung auf die technische Lehre des Streitpatents, so wie sie durch die Merkmale 1.2 und 1.3 beansprucht wird, zu realisieren. Einen entsprechenden Hinweis oder eine Anregung für entsprechende umfassende Änderungen kann sie jedenfalls den Dokumenten D4\u002FJELINEK und D12\u002FG.718 nicht entnehmen. \n\n207\\. **2.3.3** Auch unter Einbeziehung des übrigen im Verfahren vorliegenden Standes der Technik kommt die Fachperson nicht in naheliegender Weise zum Gegenstand des Anspruchs 1, insbesondere auch nicht durch Kombination mit der Entgegenhaltung **D3 \"GHAEMMAGHAMI II\"**. \n\n208\\. Im Fachartikel D3\u002FGHAEMMAGHAMI II wird ausweislich seines Titels ein verbessertes Modell für eine Sprach-Anregung unter Verwendung von Zeit-Frequenz-Charakterisierung bereitgestellt, bei dem sich die Sprachanregung aus einem periodischen Anteil und einem nicht-periodischen Anteil zusammensetzt, wobei die sog. Übergangsfrequenz (\"*transition frequency,* *f* *trans* \") zwischen den beiden Anteilen und die Grundfrequenz (\"*fundamental frequency* \") der Pitch-Periode im Frequenzraum ermittelt werden (Abschnitte 2. und 2.1). \n\n209\\. Nach der technischen Lehre des Artikels D3\u002FGHAEMMAGHAMI II wird das Hochfrequenzband oberhalb der Grenzfrequenz, welches den stochastischen Teil des Signals enthält (\"*random part of the residual signal* \") mit einer anderen Methode, nämlich mit sogenanntem Gaußschen weißen Rauschen modelliert (Seite 47, rechte Spalte, *2\\. PROPOSED METHOD* , letzter Satz: \"*The non-periodic part of the signal is modelled using white Gaussian noise*.\"). Mit dieser Methode wird ein Anregungsbeitrag (\"*random excitation signals* \") erzeugt, und zwar auch in Reaktion auf das Eingabeschallsignal im Sinne des Streitpatents, wie beispielsweise durch die Wortwahl \"*modelled* ” oder Seite 49, linke und rechte Spalte übergreifender Absatz ausgedrückt wird: \"*The random part of the residual signal, for each frame, is constructed using a random pulse train filtered by a high-pass filter with cut-off frequency … using the gain value for the frame, obtained from the LPC analysis*.\", wozu eine als Rechner im Sinne des Streitpatents wirkende Komponente verwendet wird. \n\n210\\. Nicht unmittelbar und eindeutig zu entnehmen ist dem Artikel D3\u002FGHAEMMAGHAMI II jedoch, neben der nicht expliziten Nennung eines Addierers für das Kombinieren der beiden Anregungsbeiträge (Seite 49, linke Spalte, *2.3 Reconstructing the Excitation* , 2. Satz: \"*For each frame of speech, periodic and random excitation signals are combined*.\"), dass es sich beim nicht gefilterten Anregungssignal um einen Anregungsbeitrag handelt, der in der Frequenzdomäne vorliegen würde. Vielmehr ist allen Textstellen, welche sich auf die Frequenzdomäne beziehen, lediglich zu entnehmen, dass in dieser mittels eines spektralen Modells eine Charakterisierung stattfindet (Titel: \"*TIME-FREQUENCY CHARACTERISATION* \"), insbesondere zur Bestimmung der Grenzfrequenz (*f* *trans* ) und der Grundfrequenz (Seite 47, rechte Spalte, *2\\. PROPOSED METHOD* : \"*The proposed method characterises the residual signal in an LPC model in both time and frequency domains.* \", Seite 47, rechte Spalte, *2.1 Spectral Modelling* , 2. Absatz: \"*To compute* *f* *trans* *, … the periodicity of the signal in frequency domain which results in the fundamental frequency* \"). \n\n211\\. Zudem wird im Abschnitt 2.3, in dem die Rekonstruktion der Anregung beschrieben wird, angegeben, dass der stochastische Anteil zum Zeitdomänen-Anregungsbeitrag hinzukombiniert wird (Seite 49, linke Spalte, *2.3 Reconstructing the Excitation* , 2. Satz: \"*For each frame of speech, periodic and random excitation signals are combined*.\"). Da eine solche Kombination nur in derselben Domäne erfolgen kann, muss dieser Anregungsbeitrag zu diesem Zeitpunkt ebenfalls in der Zeitdomäne vorliegen. \n\n212\\. Eine andere Lesart ist auch nicht den Angaben \"*The temporal approximation is* *just* *performed for the periodic part determined by the spectral analysis*.\" (Seite 49, linke Spalte, Abschnitt 2.3, 1. Absatz, 3. Satz), und \"*Another major difference from the conventional MPLPC is that* *only* *the periodic part of the excitation, is approximated by the temporal model. The non-periodic part of the signal is modelled using white Gaussian noise*.\" (Seite 47, rechte Spalte, 3. Absatz, 4. Satz) zu entnehmen. Vielmehr sind diese Textstellen im Sinne einer Abgrenzung so zu verstehen, dass nur der periodische Teil mit dem vorgeschlagenen *temporal model* , welches ähnlich dem MPLPC-Modell ist, modelliert wird, der nicht-periodische Teil des Signals dagegen nicht mit dem auf MPLPC basierenden *temporal model* (sondern mit weißem Gaußschen Rauschen) und somit nicht als Abgrenzung zwischen Zeit- und Frequenzdomäne. \n\n213\\. Weiterhin bedeutet die Angabe, dass der nicht-periodische Teil des Signals durch \"weißes Gaußsches Rauschen\" modelliert wird nicht, dass das Signal damit zu einem Frequenzdomänen-Signal wird. Denn \"weißes Gaußsches Rauschen\" bezeichnet eine Eigenschaft eines Signals, die in einer bestimmten Darstellung, nämlich der spektralen Darstellung erkennbar ist, hier, dass dessen sämtliche Frequenzen im Spektrum entsprechend einer Gauß-Kurve verteilt sind, nicht jedoch, dass das Signal in der Frequenzdomäne vorliegt. Ebenso weiß die Fachperson, dass das Anwenden eines Filters auf ein Signal – hier eines Hochpassfilter auf einen stochastischen Pulszug (Seite 49, linke Spalte, letzter Absatz: \"*The random part of the residual signal, for each frame, is constructed using a random pulse train filtered by a high-pass filter with cut-off frequency obtained from the spectral analysis.* \") – nicht erfordert, dass das Signal in der Frequenzdomäne vorliegen muss, vielmehr deutet auch hier der Begriff \"*Pulszug* \" auf die Zeitdomäne hin. \n\n214\\. Somit offenbart der Artikel D3\u002FGHAEMMAGHAMI II zumindest wesentliche Teile der Merkmale 1.4 und 1.5, die den Frequenzdomänen-Anregungsbeitrag betreffen, nicht unmittelbar und eindeutig, wie im Detail bereits im qualifizierten Hinweis vom 8. Juli 2024 (Abschnitt III. 2.) ausgeführt wurde. \n\n215\\. **2.3.4** Selbst, wenn die Fachperson – entgegen der in Abschnitt 2.3.1 dargelegten Hinderungsgründe – vom G.718-Standard ausgehen würde, hätte sie keinen Anlass D3\u002FGHAEMMAGHAMI II heranzuziehen und durch deren technische Lehre den G.718-Codec in Richtung des Streitpatents zu modifizieren. Denn zu einer Zusammenschau gibt keines der Dokumente Anlass, vielmehr handelt es sich um jeweils in sich abgeschlossene Lösungen mit einer Vielzahl prinzipieller Unterschiede, insbesondere hinsichtlich \n\n216\\. · technischem Ansatz (CELP bei D4\u002FJELINEK und D12\u002FG.718; kein CELP bei D3\u002FGHAEMMAGHAMI II), \n\n217\\. · Zielsetzung (Fehlerrobustheit bei Rahmenlöschung bei D4\u002FJELINEK und D12\u002FG.718; gute Signal-Annäherung für Sprachlaute, geringere spektrale Verzerrung und weniger Empfindlichkeit gegenüber Sprach- und Sprechervariabilität bei niedrigen Bitraten bei D3\u002FGHAEMMAGHAMI II), \n\n218\\. · Anwendungsbereich (nur Sprache bei D3\u002FGHAEMMAGHAMI II; auch generische Audiosignale bei D4\u002FJELINEK und D12\u002FG.718) und \n\n219\\. · zu codierender Bitrate (Bitraten von 8 bis 32 kbit\u002Fs bei D4\u002FJELINEK und D12\u002FG.718; sehr niedrige Bitraten von 2,4 kb\u002Fs des zehn Jahre älteren Artikels D3\u002FGHAEMMAGHAMI II). \n\n220\\. **2.3.5** Auch wenn man der Klägerin darin folgen wollte, dass die Fachperson ungeachtet der in Abschnitt 2.3.1 genannten Hinderungsgründe D4\u002FJELINEK und D12\u002FG.718 als Ausgangspunkt nehmen und überdies trotz der in Abschnitt 2.3.3 dargelegten fehlenden Veranlassung mit D3\u002FGHAEMMAGHAMI II kombinieren sollte, würde sie nicht auf naheliegende Weise zum Gegenstand des Streitpatents gelangen. \n\n221\\. Aufgrund der durch die in Abschnitt 2.3.4 angegebenen Vielzahl prinzipieller Unterschiede der technischen Lehren von D4\u002FJELINEK und D12\u002FG.718 einerseits und D3\u002FGHAEMMAGHAMI II andererseits würde eine Kombination der beiden technischen Lehren zu einer Vielzahl möglicher verschiedener Varianten von Codiervorrichtung bzw. Codierverfahren führen, so dass sich die spezielle Erzeugung der gemischten Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Anregung gemäß Streitpatent für die Fachperson weder zwingend noch naheliegend ergibt, sondern lediglich bei unzulässiger Rückschau aus Kenntnis der technischen Lehre des Streitpatents. \n\n222\\. **3.** Der Stand der Technik nach den weiteren im Verfahren befindlichen Dokumenten liegt noch weiter vom Streitpatentgegenstand ab als die oben in den Abschnitten 1. und 2. analysierten Dokumente. Die weiteren Dokumente wurden von der Klägerin im vorliegenden Verfahren sowie von der Klägerin des parallelen, das Streitpatent betreffenden, zunächst verbundenen und danach wieder getrennten Nichtigkeitsverfahrens zum Aktenzeichen 4 Ni 18\u002F23 (EP)(mit dem Dokumentenkürzel MFG) lediglich in das Verfahren eingeführt zum Beleg des Fachwissens (MFG5), zum Nachweis einzelner Merkmale der Unteransprüche (D5\u002FMFG9 bis D9\u002FMFG13, D11\u002FMDG15, MFG25 und D16\u002FMFG26), zum Nachweis der zusätzlichen Merkmale in den Hilfsanträgen (D13) oder sie wurden bereits im EPA-Prüfungsverfahren genannt (MFG16, MFG17 und MFG19 bis MFG21). Dass eines dieser Dokumente jeweils sämtliche Merkmale des Patentgegenstands offenbaren würde oder ausgehend von diesen jeweils für sich genommen oder in Kombination mit weiteren Dokumenten diese nahelegen würde, ist nicht ersichtlich und hat auch die Klägerin nicht vorgetragen. \n\n223\\. Da sich mithin der Gegenstand des Patentanspruchs 1 in seiner erteilten Fassung nach Hauptantrag für die Fachperson nicht in naheliegender Weise aus dem im Verfahren befindlichen Stand der Technik ergibt, gilt er als auf einer erfinderischen Tätigkeit beruhend und ist patentfähig. \n\n224\\. **4.** Die vorstehenden Ausführungen zur Patentfähigkeit der Codiervorrichtung gemäß Anspruch 1 nach Hauptantrag gelten entsprechend auch für den erteilten Anspruch 17, dessen Gegenstand ein gemischtes Zeitdomänen-\u002FFrequenzdomänen-Codierverfahren zum Codieren eines Eingabeschallsignals betrifft und nur zu den im Anspruch 1 genannten Merkmalen inhaltsgleiche Merkmale enthält. \n\n225\\. Die ebenfalls angegriffenen Unteransprüche 2 bis 16 und 18 bis 32, welche vorteilhafte Ausgestaltungen des Erfindungsgegenstands betreffen, sind bereits durch ihren Rückbezug auf die jeweils patentfähigen Ansprüche 1 bzw. 17 ebenfalls rechtsbeständig. Gegenteiliges hat auch die Klägerin weder geltend gemacht noch dargelegt. \n\n226\\. Auf die Hilfsanträge kam es daher nicht an. \n\n**B.**\n\n227\\. **Nebenentscheidungen**\n\n228\\. Die Kostenentscheidung beruht auf § 84 Abs. 2 PatG i. V. m. § 91 Abs. 1 ZPO. \n\n229\\. Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit beruht auf § 99 Abs. 1 PatG i. V. m. § 709 ZPO.","de","jurionline_de","","BPatG München, 27.03.2025, 4 Ni 32\u002F23 (EP)","ecli-de-neuris-jure259031989",null,[19,34,44,54,64],{"id":20,"ecli":21,"caseNumber":14,"courtId":22,"courtName":14,"decisionDate":23,"fullText":24,"language":25,"source":26,"sourceUrl":27,"summary":14,"slug":28,"metadata":29},"410","ECLI:NL:RBLIM:2026:6423",66,"2026-07-08T00:00:00.000Z","RECHTBANK limburg\n\nZittingsplaats Roermond\n\nBestuursrecht\n\nzaaknummer: ROE 25 \u002F 2565\n\nuitspraak van de meervoudige kamer van 8 juli 2026 in de zaak tussen\n\n [belanghebbende] , gevestigd te [plaats], belanghebbende\n\n(gemachtigde: M.O.E. Uyen)\n\nen\n\nde heffingsambtenaar van de Belastingsamenwerking Gemeenten en Waterschappen, de heffingsambtenaar (gemachtigde: A. van den Dool).\n\nProcesverloop\n\nDe heffingsambtenaar heeft op grond van de Wet waardering onroerende zaken (Wet woz) de waarde van de onroerende zaken van belanghebbende voor het belastingjaar 2025 vastgesteld (het primaire besluit).\n\nBelanghebbende heeft tegen het primaire besluit bezwaar gemaakt.\n\nDe heffingsambtenaar heeft het bezwaar van belanghebbende gegrond verklaard (het bestreden besluit). Aan belanghebbende is een proceskostenvergoeding van in totaal € 161,74 toegekend.\n\nBelanghebbende heeft tegen het bestreden besluit beroep ingesteld.\n\nDe heffingsambtenaar heeft verweer gevoerd.\n\nOp 4 mei 2026, aangevuld op 11 mei 2026, zijn van belanghebbende nadere gronden en stukken ontvangen.\n\nHet onderzoek ter zitting heeft vervolgens plaatsgevonden op 15 mei 2026. Belanghebbende heeft zich laten vertegenwoordigen door mr. L.H.G.M. Driessen, kantoorgenote van haar gemachtigde bij Previcus B.V. te Boxmeer. De heffingsambtenaar heeft zich laten vertegenwoordigen door zijn gemachtigde.\n\nOverwegingen\n\n1. De rechtbank stelt vast dat de woz-waarde tussen partijen niet meer in geschil is. Het beroep van belanghebbende richt zich enkel tegen de toegekende proceskostenvergoeding en spitst zich toe op de vraag of de heffingsambtenaar bij de vaststelling van de proceskostenvergoeding in bezwaar toepassing heeft mogen geven aan de vermenigvuldigingsfactor 0,125 van artikel 30a, eerste lid, van de Wet woz, zoals dit artikellid luidt met ingang van 1 januari 2025.\n\n2. De heffingsambtenaar heeft in het bestreden besluit de proceskostenvergoeding van € 161,74 als volgt gespecificeerd:\n\n- indienen bezwaarschrift: 1 punt x waarde per punt € 647,- x factor 0,125 = € 80,87 +\n\n- bijwonen hoorzitting: 1 punt x waarde per punt € 647,- x factor 0,125 = € 80,87 = € 161,74.\n\n3. Belanghebbende vindt dat de heffingsambtenaar een te lage proceskostenvergoeding heeft toegekend. Zij verzoekt de rechtbank om artikel 30a van de Wet woz buiten toepassing te laten, omdat haar gemachtigde een bijzonder geval is als bedoeld in het zogenoemde 30a-arrest van de Hoge Raad van 17 januari 2025 (ECLI:NL:HR:2025:46).\n\n4. In het 30a-arrest heeft de Hoge Raad geoordeeld dat bijzondere gevallen zich onderscheiden doordat zij niet voldoen aan de volgende kenmerken: dat aan de belanghebbende rechtsbijstand wordt verleend door een beroepsmatig optredende gemachtigde, dan wel een kantoor, waarvan het bedrijfsmodel eruit bestaat dat\n\n( i) wordt opgetreden op basis van no cure no pay,\n\n(ii) daarbij zodanige afspraken met de cliënten worden gemaakt dat het bedrag van eventuele proceskostenvergoedingen aan de gemachtigde of aan het kantoor wordt afgedragen, en\n\n(iii) de procedures op een zodanige wijze worden gevoerd dat de daarin toegekende proceskostenvergoedingen de in redelijkheid gemaakte kosten ver overtreffen.\n\n5. De daarbij te hanteren regels zijn nader uitgewerkt in de arresten van de Hoge Raad van 25 april 2025 (ECLI:NL:HR:2025:670) en 18 juli 2025 (ECLI:NL:HR:2025:1175).\n\n5.1.. Volgens de Hoge Raad rusten op de belanghebbende de stelplicht en bewijslast van feiten die meebrengen dat buiten redelijke twijfel komt vast te staan dat, beoordeelt naar de situatie op het moment waarop het desbetreffende rechtsmiddel is aangewend, het bedrijfsmodel van de betreffende gemachtigde of diens kantoor kennelijk niet allehiervoor bedoelde drie kenmerken heeft en dat aldus sprake is van een bijzonder geval. Er is dus (al) sprake van een bijzonder geval als één van de drie kenmerken niet van toepassing is.\n\n5.2.. Bij de beoordeling van het bedrijfsmodel gaat het niet specifiek om de werkzaamheden die de gemachtigde heeft verricht in de procedure waarop de proceskostenvergoeding ziet. Met het bedrijfsmodel is namelijk meer in het algemeen de wijze bedoeld waarop de gemachtigde zijn inkomsten verwerft met het beroepsmatig verlenen van rechtsbijstand.\n\n5.3.. Indien het bedrijfsmodel van een gemachtigde of een kantoor inhoudt dat wordt opgetreden op basis van no cure no pay (i), of op een grondslag die daarmee in wezen overeenkomt en daarmee dus op één lijn kan worden gesteld, en dat daarbij afspraken met de cliënten worden gemaakt als hiervoor onder (ii) bedoeld, zal aldus moeten worden beoordeeld of dit bedrijfsmodel voldoet aan het hiervoor onder (iii) vermelde kenmerk van vergaande overdekking. Daartoe moet een vergelijking worden gemaakt tussen enerzijds het totale bedrag aan proceskostenvergoedingen dat aan de gemachtigde of aan het kantoor wordt afgedragen, en anderzijds het totale bedrag van de kosten van de gemachtigde of van het kantoor die kunnen worden toegerekend aan het voeren van de procedures waarop die proceskostenvergoedingen betrekking hebben. Het komt dus erop aan of het totale bedrag van de afgedragen proceskostenvergoedingen het totale bedrag van de zojuist bedoelde kosten verre overtreft. De omstandigheid dat vaak geheel of ten dele gebruik wordt gemaakt van gestandaardiseerde tekstblokken die niet zijn toegespitst op de desbetreffende zaak, vormt een aanwijzing dat het bedrijfsmodel wel het derde kenmerk van vergaande overdekking heeft, en zal daarom in het algemeen volstaan om aan te nemen dat de belanghebbende niet in dit door hem te leveren bewijs is geslaagd.\n\n6. In het arrest van 26 september 2025 (ECLI:NL:HR:2025:1375) heeft de Hoge Raad nader uitgewerkt wanneer sprake is van een bedrijfsmodel dat eruit bestaat dat wordt opgetreden op basis van no cure no pay (i). Bij optreden op basis van no cure no pay moet worden uitgegaan van afspraken tussen de belanghebbende en de rechtsbijstandverlener op grond waarvan de belanghebbende geen financieel risico loopt bij inschakeling van de rechtsbijstandverlener, omdat geen instapvergoeding verschuldigd is noch een percentage van de bespaarde belasting als vergoeding moet worden afgestaan (zie Kamerstukken II 2023\u002F24, 36 427, nr. 3, blz. 2). Bij de beoordeling van de vraag of het bedrijfsmodel van een beroepsmatig optredende gemachtigde, dan wel een kantoor, eruit bestaat dat wordt opgetreden op basis van no cure no pay, komt het dus erop aan of die gemachtigde dan wel diens kantoor afspraken maakt met klanten op grond waarvan zij geen financieel risico lopen bij het verstrekken van de opdracht tot het verlenen van rechtsbijstand in een belastingprocedure. De verschuldigdheid van een instapvergoeding staat niet in alle gevallen eraan in de weg dat afspraken met een rechtsbijstandsverlener worden aangemerkt als afspraken op basis van no cure no pay. Onder het beroepsmatig verlenen van rechtsbijstand op basis van no cure no pay wordt namelijk ook begrepen het beroepsmatig verlenen van rechtsbijstand op een grondslag die daarmee in wezen overeenkomt en daarmee dus op één lijn kan worden gesteld. Dan moet worden gedacht aan de betaling van een zodanig laag bedrag dat die betaling als een pro forma of symbolische bijdrage moet worden beschouwd.\n\n7. De rechtbank stelt vast dat de gemachtigde van belanghebbende in deze zaak niet heeft bestreden dat haar bedrijfsmodel de hiervoor onder (ii) en (iii) vermelde kenmerken heeft.\n\n8. Belanghebbende bestrijdt dat het bedrijfsmodel van haar gemachtigde ten tijde van het instellen van bezwaar (en beroep) eruit bestaat dat wordt opgetreden op basis van no cure no pay (i). Hiertoe heeft de gemachtigde verwezen naar een beschrijving van haar per 1 januari 2025 gewijzigde bedrijfsmodel (“Bijzonder geval: bedrijfsmodel Previcus en artikel 30a Wet WOZ”).\n\n8.1.. Volgens die beschrijving is de werkwijze met ingang van 1 januari 2025 fundamenteel gewijzigd. Het aantal dossiers is vanaf 2025 aanzienlijk afgenomen van 128.000 zaken naar circa 1.291 zaken. De zaken worden (vrijwel) niet meer op basis van no cure no pay uitgevoerd, maar volgens een regulier model waarin een cliënt, ongeacht de uitkomst van de zaak, een vaste startvergoeding betaalt (doorgaans gebaseerd op het aantal aanslagbiljetten) en\u002Fof een deel van de gerealiseerde besparing afdraagt (in bijna alle gevallen 40% van de besparing). De vóór 2025 aangebrachte zaken worden nog op basis van no cure no pay uitgevoerd. Bovendien worden vanaf 2025 alle aanslagbiljetten op voorhand gescreend en worden enkel de zaken doorgezet waarbij op voorhand onvoldoende duidelijk is dat er geen fouten zijn gemaakt. Er is, aldus de beschrijving, geen sprake meer van een grote massa waar de wetswijziging (Wet herwaardering proceskostenvergoeding WOZ en Bpm) op zag. De gemachtigde richt zich voortaan op de zakelijke markt, waarbij vrijwel altijd ook prijsafspraken met belanghebbenden worden gemaakt die losstaan van eventueel toegekende proceskostenvergoedingen.\n\n8.2.. De gemachtigde heeft de prijsafspraken over 2025 als volgt in een overzicht opgenomen.\n\n8.3.. De vermelding in de volmacht dat de vergoeding voor de werkzaamheden uitsluitend het totaal van de proceskostenvergoedingen bedraagt, klopt, aldus de beschrijving, niet meer. De onderliggende overeenkomsten bepalen dat cliënten zelf vergoedingen verschuldigd zijn. De proceskostenvergoeding speelt daarin nog slechts een kleine aanvullende rol.\n\n9. Op 4 mei 2026 heeft de gemachtigde van belanghebbende de facturen en betaalbewijzen in een groot aantal zaken, waarin zij als gemachtigde optreedt, ingezonden. Op 11 mei 2026 is daarvan een overzicht overgelegd. Die stukken bevestigen het beeld dat de beschrijving van het bedrijfsmodel geeft. Uit de facturen en betaalbewijzen blijkt namelijk dat de gemachtigde van een groot deel van haar cliënten een “besparingsfee” van minimaal 30% van de eventuele belastingbesparing vraagt, zij die “besparingsfee” aan haar cliënten factureert en die “besparingsfee” vervolgens ook door de cliënten wordt betaald.\n\n10. Daarnaast komt uit de facturen en betaalbewijzen naar voren dat de meeste cliënten (bovenop de “besparingsfee”) tevens een (in hoogte variërende) “startfee” zijn verschuldigd. Op zitting heeft de gemachtigde toegelicht dat, indien overeengekomen, de “startfee” altijd wordt gefactureerd en betaald. Dat dit niet in alle gevallen gebeurt blijkt uit de overgelegde facturen en betaalbewijzen, en komt, aldus de gemachtigde, doordat de “startfee”, die ongeacht de uitkomst is verschuldigd, in die gevallen eerder is gefactureerd en betaald. Dat is anders bij de “besparingsfee”, die niet eerder dan na het nemen van het bestreden besluit in rekening kan worden gebracht, omdat dan pas de (hoogte van de) besparing duidelijk is.\n\n11. De heffingsambtenaar heeft zich ter zitting op het standpunt gesteld dat het pas op 4 mei 2026 door de gemachtigde van belanghebbende indienen van facturen en betaalbewijzen (die op 6 mei 2026 door de rechtbank zijn vrijgegeven), die al in 2025 beschikbaar waren, in strijd is met een goede procesorde. De rechtbank overweegt dat partijen in beginsel vrij zijn om gedurende de procedure hun standpunten aan te vullen. Die vrijheid wordt echter begrensd door de beginselen van de goede procesorde. Hoewel de late indiening van reeds voorhanden zijnde stukken niet de schoonheidsprijs verdient, ziet de rechtbank hierin geen grond om die stukken vanwege strijd met een goede procesorde buiten beschouwing te laten. Hiertoe acht de rechtbank van belang dat de stukken een onderbouwing vormen van een eerder door de gemachtigde ingenomen standpunt, een reactie zijn op het verweerschrift en dat de aard en de omvang van de stukken niet zodanig zijn dat van de heffingsambtenaar om adequaat hierop te kunnen reageren een nader diepgaand (feiten)onderzoek wordt gevergd. De inhoudelijke reactie van de heffingsambtenaar op de stukken in de pleitnota bevestigen dit oordeel.\n\n12. De rechtbank stelt voorop dat voor haar de facturen en de betaalbewijzen leidend zijn voor de beoordeling van de vraag of kenmerk (i) op de gemachtigde van belanghebbende van toepassing is. Naar het oordeel van de rechtbank zijn (alleen) die stukken, en niet (ook) de overeenkomst, de website en de algemene voorwaarden van de gemachtigde (op 9 februari 2025), waarvan gesteld is dat die op dat moment nog niet in overeenstemming met het gewijzigde bedrijfsmodel waren gebracht, relevant voor de vraag of sprake is van een bedrijfsmodel op basis van no cure no pay. Omdat het bedrijfsmodel van de gemachtigde (en niet de vergoedingen in de aan de rechtbank voorliggende zaken) moet worden beoordeeld, blijft die beoordeling, anders dan de heffingsambtenaar stelt, niet beperkt tot de gemeenten binnen het ambtsgebied van de heffingsambtenaar. Daaruit volgt ook dat op grond van het (incidenteel) ontbreken van facturen en betaalbewijzen in aan de rechtbank voorliggende zaken niet zonder meer kan worden geconcludeerd dat kenmerk (i) op het bedrijfsmodel van de gemachtigde van toepassing is.\n\n13. De rechtbank is van oordeel dat met voldoende gegevens is onderbouwd dat de gemachtigde in 2025 voor een groot deel van de procedures een “besparingsfee” in rekening heeft gebracht. Door het betalen van een “besparingsfee” loopt een belanghebbende bij de inschakeling een gemachtigde voor het voeren van een procedure een financieel risico (zie hiervoor het arrest van de Hoge Raad van 26 september 2025). Deze door de gemachtigde gevraagde vergoeding (van 30-40%) acht de rechtbank, nog daargelaten dat de Hoge Raad dat enkel ten aanzien van “instapvergoedingen” heeft geoordeeld, ook niet dusdanig laag dat kan worden gesproken van rechtsbijstandverlening op een grondslag die in wezen overeenkomt met rechtsbijstandverlening op basis van no cure no pay. Op grond van het vorenstaande heeft belanghebbende, naar het oordeel van de rechtbank, buiten redelijke twijfel bewezen dat het bedrijfsmodel van de gemachtigde ten tijde van het instellen van bezwaar niet het kenmerk van optreden op basis van no cure no pay heeft (i). Daaraan doet niet af dat een belanghebbende vooraf ermee heeft ingestemd dat een eventuele vergoeding van proceskosten aan de gemachtigde toekomt. Dat geldt ook voor het ontbreken van facturen en betaalbewijzen van op een eerder moment in rekening gebrachte “startfees” en de door de heffingsambtenaar gestelde inconsistenties in de hoogte hiervan.\n\n14. Uit het vorenstaande volgt dat sprake is van een bijzonder geval en de heffingsambtenaar ten onrechte toepassing heeft gegeven aan artikel 30a, eerste lid, van de Wet woz.\n\n15. Dit betekent dat het beroep van belanghebbende gegrond is. De rechtbank vernietigt het bestreden besluit voor zover dat ziet op de toegekende proceskostenvergoeding en bepaalt met toepassing van artikel 8:72, derde lid, aanhef en onder b, van de Algemene wet bestuursrecht de proceskostenvergoeding voor de bezwaarfase op € 1.332,- (2 x € 666,-).\n\n16. Aan het standpunt van belanghebbende dat aan het bestreden besluit een motiveringsgebrek kleeft, wordt niet toegekomen.\n\n17. Omdat het beroep gegrond is, moet de heffingsambtenaar het griffierecht aan belanghebbende vergoeden.\n\n18. De rechtbank acht termen aanwezig om de heffingsambtenaar te veroordelen in de proceskosten die belanghebbende redelijkerwijs heeft moeten maken in verband met de behandeling van het beroep, een en ander eveneens overeenkomstig de normen van het Besluit proceskosten bestuursrecht. Aan belanghebbende is door een derde beroepsmatig rechtsbijstand verleend. Voor de in aanmerking te nemen proceshandelingen worden 2 punten (1 punt voor het indienen van het beroepschrift en 1 punt voor het verschijnen op zitting met een waarde van € 934,- per punt) toegekend. De rechtbank bepaalt in overeenstemming met het Richtsnoer proceskostenvergoeding belastingkamers gerechtshoven 2024 (neergelegd in de uitspraak van het gerechtshof ’s-Hertogenbosch van 7 augustus 2024, ECLI:NL:GHSHE:2024:2524) de wegingsfactor op 0,5. Gelet hierop bedraagt het vanwege de in deze zaak verleende rechtsbijstand te vergoeden bedrag in totaal € 934,-.\n\nBeslissing\n\nDe rechtbank:\n\n- verklaart het beroep gegrond;\n\n- vernietigt het bestreden besluit voor zover dat ziet op de toegekende proceskostenvergoeding, stelt de proceskostenvergoeding voor de bezwaarfase vast op € 1.332,- en bepaalt dat deze uitspraak in de plaats treedt van het vernietigde besluit;\n\n- draagt de heffingsambtenaar op het betaalde griffierecht van € 385,- aan belanghebbende te vergoeden;\n\n- veroordeelt de heffingsambtenaar in de proceskosten van belanghebbende wegens verleende rechtsbijstand in beroep tot een bedrag van € 934,-.\n\nDeze uitspraak is gedaan door mr. B.F.A. van Huijgevoort, voorzitter, en mrs. E.P.J. Rutten en J.H. van Hoof leden, in aanwezigheid van mr. D.D.R.H. Lechanteur, griffier.De beslissing is in het openbaar uitgesproken op 8 juli 2026.\n\ngriffier rechter\n\nAfschrift verzonden aan partijen op: 8 juli 2026.\n\nRechtsmiddel\n\nTegen deze uitspraak kunnen partijen binnen zes weken na de verzenddatum hoger beroep instellen bij het gerechtshof ’s-Hertogenbosch (belastingkamer).\n\nU kunt digitaal beroep instellen via www.rechtspraak.nl. Daar klikt u op “Formulieren en inloggen”. Hoger beroep instellen kan eventueel ook nog steeds door verzending van een brief aan het gerechtshof ’s-Hertogenbosch (belastingkamer).\n\nBij het instellen van het hoger beroep dient het volgende in acht te worden genomen:\n\n1. bij het hogerberoepschrift wordt een afschrift van deze uitspraak overgelegd;\n\n2 - het hogerberoepschrift moet, indien het op papier wordt ingediend, ondertekend zijn. Verder moet het ten minste het volgende vermelden:\n\na. de naam en het adres van de indiener;\n\nb. de datum van verzending;\n\nc. een omschrijving van de uitspraak waartegen het hoger beroep is ingesteld;\n\nd. de redenen waarom u het niet eens bent met de uitspraak (de gronden van het hoger beroep).","nl","rechtspraak_nl","https:\u002F\u002Fdeeplink.rechtspraak.nl\u002Fuitspraak?id=ECLI:NL:RBLIM:2026:6423","ecli-nl-rblim-2026-6423",{"courtName":30,"legalDomain":31,"decisionType":32,"procedureType":33},"Roermond","Bestuursrecht; Belastingrecht","uitspraak","Uitspraak",{"id":35,"ecli":36,"caseNumber":37,"courtId":38,"courtName":14,"decisionDate":23,"fullText":39,"language":40,"source":41,"sourceUrl":14,"summary":42,"slug":43,"metadata":17},"85","ECLI:RO:2026:JudecatoriaSECTORUL5BUCURESTI:17050-302-2025-a1","17050\u002F302\u002F2025\u002Fa1",97,"Admite cererea de îndreptare a erorii materiale din cuprinsul sentin?ei civile nr. 2484\u002F06.03.2026, pronunţată de Judecătoria Sectorului 5 Bucure?ti în dosar nr. 17050\u002F302\u002F2025, formulată din oficiu.       \nDispune îndreptarea erorii materiale strecurată în cuprinsul sentin?ei civile nr. 2484\u002F06.03.2026 pronun?ată în cadrul dosarului nr. 17050\u002F302\u002F2025, în sensul re?inerii că pârâtul Vasile Constantin are codul numeric personal ............, iar nu ............., astfel cum în mod eronat s-a consemnat.   \nPrezenta încheiere face parte integrantă din cuprinsul sentin?ei civile nr. 2484\u002F06.03.2026 pronun?ată în cadrul dosarului nr. 17050\u002F302\u002F2025.   \nÎndreptarea se va efectua în toate exemplarele sentin?ei.\n\tCu drept de apel în 30 de zile de la comunicare. 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Voorts is beslist op de vorderingen van de benadeelde partijen, zoals nader omschreven in het vonnis waarvan beroep.\n\nNamens de verdachte is tegen het vonnis hoger beroep ingesteld.\n\nOmvang van het hoger beroep\n\nDe verdachte is door de rechtbank Rotterdam vrijgesproken van hetgeen aan hem onder 1 is tenlastegelegd. Het hoger beroep is door de verdachte onbeperkt ingesteld en is derhalve mede gericht tegen de in eerste aanleg gegeven beslissing tot vrijspraak. Gelet op hetgeen is bepaald in artikel 404, vijfde lid, van het Wetboek van Strafvordering staat voor de verdachte tegen deze beslissing geen hoger beroep open. Het hof zal de verdachte mitsdien niet-ontvankelijk verklaren in het ingestelde hoger beroep, voor zover dat is gericht tegen de in het vonnis waarvan beroep gegeven vrijspraak.\n\nWaar hierna wordt gesproken van \"de zaak\" of \"het vonnis\", wordt daarmee bedoeld de zaak of het vonnis voor zover op grond van het vorenstaande aan het oordeel van dit hof onderworpen.\n\nTenlastelegging\n\nAan de verdachte is – voor zover aan het oordeel van het hof onderworpen – tenlastegelegd dat:\n\n2. hij op of omstreeks 01 januari 2023 te 's-Gravendeel, gemeente Hoeksche Waard, openlijk, te weten, op of aan de Smidsweg en\u002Fof de Langestraat, in elk geval op of aan (een) openbare weg(en), in vereniging geweld heeft gepleegd tegen een of meer verbalisanten van de politie Eenheid Rotterdam, te weten [hoofdagent] (hoofdagent) en\u002Fof [aspirant] (aspirant) en\u002Fof één of meer verbalisanten, zijnde groepsleden van de Mobiele Eenheid van politie Eenheid Rotterdam, te weten [verbalisant 1] en\u002Fof [verbalisant 2] en\u002Fof [verbalisant 3] en\u002Fof [verbalisant 4] en\u002Fof [verbalisant 5] en\u002Fof [verbalisant 6] en\u002Fof [verbalisant 7] en\u002Fof [verbalisant 8] en\u002Fof [verbalisant 9] en\u002Fof [verbalisant 10] en\u002Fof [verbalisant 11] en\u002Fof [verbalisant 12] en\u002Fof [verbalisant 13] en\u002Fof [verbalisant 14] en\u002Fof [verbalisant 15] en\u002Fof [verbalisant 16] en\u002Fof [verbalisant 17] en\u002Fof [verbalisant 18] en\u002Fof [verbalisant 19] en\u002Fof [verbalisant 20] , althans een of meer (andere) verbalisanten door\n\n- één of meer stuks zwaar (illegaal) vuurwerk (betreffende onder meer: cobra's \u002F nitraten \u002F shells) en\u002Fof vuurwerkbommen op\u002Ftegen, althans in de richting van\u002Fnaar voornoemde verbalisanten af te schieten en\u002Fof te gooien, waarbij voornoemd(e) vuurwerk\u002Fvuurwerkbommen vlakbij\u002Fnaast het\u002Fde lichamen en\u002Fof het\u002Fde hoofden\u002Fgezichten van voornoemde verbalisanten tot ontploffing is\u002Fzijn gekomen en\u002Fof\n\n- ( met kracht) één of meer stenen en\u002Fof glaswerk op\u002Ftegen, althans in de richting van voornoemde verbalisanten te gooien en\u002Fof\n\n- ( dreigend) zich op te dringen aan voornoemde ambtenaren en\u002Fof\n\n- ( daarbij) (dreigend) een of meerdere ploertendoders, althans slagvoorwerpen, aan voornoemde ambtenaren te tonen\u002Fvoor te houden en\u002Fof\n\n- ( daarbij) aan die [aspirant] en\u002Fof [hoofdagent] en\u002Fof een of meer (andere) verbalisanten de weg te versperren, althans de doorgang te beletten en\u002Fof (daarbij) te verhinderen dat die [aspirant] en\u002Fof [hoofdagent] en\u002Fof anderen met\u002Fin een (politie)voertuig weg konden rijden en\u002Fof\n\n- naar\u002Fin de richting van voornoemde ambtenaren te schelden, met de woorden: \"Kankerlijers\", \"Kanker op joh\" en\u002Fof \"Kankerpolitie\" en\u002Fof\n\n- ( met kracht) op\u002Ftegen het (politie)schild van die [verbalisant 2] te trappen\u002Fschoppen;\n\n3. hij op of omstreeks 31 december 2022 te 's-Gravendeel, gemeente Hoeksche Waard opzettelijk en wederrechtelijk een vuilnisbak\u002Fprullenbak, in elk geval enig goed, dat\u002Fdie geheel of ten dele aan Gemeente Hoeksche Waard, in elk geval aan een ander dan aan verdachte toebehoorde(n) heeft vernield, beschadigd, onbruikbaar gemaakt.\n\nVordering van de advocaat-generaal\n\nDe advocaat-generaal heeft gevorderd dat het vonnis waarvan beroep ten aanzien van de bewezenverklaring zal worden bevestigd en dat de verdachte ter zake van het onder 2 en 3 tenlastegelegde zal worden veroordeeld tot een gevangenisstraf voor de duur van 107 dagen, met aftrek van voorarrest, waarvan 60 dagen voorwaardelijk en met een proeftijd van 2 jaren.\n\nHet vonnis waarvan beroep\n\nHet vonnis waarvan beroep kan niet in stand blijven omdat het hof zich daarmee niet verenigt.\n\nVrijspraak\n\nDe advocaat-generaal heeft zich op het standpunt gesteld dat het onder 2 tenlastegelegde wettig en overtuigend kan worden bewezenverklaard, nu de verdachte met zijn handelen een bijdrage van voldoende gewicht heeft geleverd aan het openlijk geweld tegen de desbetreffende verbalisanten. Zo heeft de verdachte voorafgaand aan de jaarwisseling deel genomen aan een WhatsApp-groep waarin werd gesproken over het voornemen onrust te veroorzaken ten tijde van de jaarwisseling. Voorts heeft de verdachte in de nacht van de jaarwisseling – nadat hij door leden van de Mobiele Eenheid (ME) was ingesloten –op zijn telefoon een video-opname gemaakt waarin er samen met medeverdachte [medeverdachte] (hierna: [medeverdachte] ) wordt gepraat over het doodschoppen van een ME’er. Vijftien minuten nadat hij deze video had opgenomen, is [medeverdachte] aangehouden voor het schoppen tegen het schild van een ME’er.\n\nHet hof overweegt als volgt.\n\nHet hof stelt voorop dat van het \"in vereniging\" plegen van geweld sprake is, indien de betrokkene een voldoende significante of wezenlijke bijdrage levert aan het geweld, zij het dat deze bijdrage zelf niet van gewelddadige aard hoeft te zijn. De enkele omstandigheid dat iemand aanwezig is in een groep die openlijk geweld pleegt is niet zonder meer voldoende om hem te kunnen aanmerken als iemand die \"in vereniging\" geweld pleegt. Beoordeeld zal moeten worden of de door de verdachte geleverde – intellectuele en\u002Fof materiële – bijdrage aan het delict van voldoende gewicht is.\n\nMet de advocaat-generaal en de verdediging is het hof van oordeel dat op grond van het verhandelde ter terechtzitting niet kan worden bewezen dat de verdachte omstreeks de jaarwisseling geweld heeft gebruikt jegens de verbalisanten, zoals het gooien met stenen of vuurwerk. Het hof is voorts van oordeel dat evenmin bewezen kan worden dat de verdachte op enige wijze geweldshandelingen die door andere personen zijn gepleegd heeft ondersteund of anderszins heeft bijgedragen aan het ontstaan of het voortduren van het geweld jegens de verbalisanten. Het hof neemt hierbij in aanmerking dat [medeverdachte] bij de raadsheer-commissaris als getuige is gehoord en heeft verklaard dat hetgeen de verdachte in de video-opname heeft gezegd, los stond van zijn handelen daarna en dat de verdachte niet in de buurt was toen [medeverdachte] tegen het schild van verbalisant [verbalisant 2] aan schopte. De enkele aanwezigheid in de groep die door de politie\u002FME was ingesloten en het feit dat de verdachte deel uit maakte van een WhatsApp-groep acht het hof evenmin een bijdrage van voldoende gewicht. Gelet op het voorgaande is niet vast komen te staan dat de verdachte een voldoende significante of wezenlijke bijdrage heeft geleverd aan het tenlastegelegde geweld tegen de desbetreffende verbalisanten, zodat het ten laste gelegde niet kan worden bewezen en de verdachte daarvan zal worden vrijgesproken.\n\nBewezenverklaring\n\nHet hof acht wettig en overtuigend bewezen dat de verdachte het onder 3 tenlastegelegde heeft begaan, met dien verstande dat:\n\n3. hij op of omstreeks31 december 2022 te 's-Gravendeel, gemeente Hoeksche Waard opzettelijk en wederrechtelijk eenvuilnisbak\u002Fprullenbak, in elk geval enig goed,dat\u002Fdiegeheel of ten deleaan Gemeente Hoeksche Waard, in elk geval aan een ander dan aan verdachtetoebehoorde(n)heeft vernield, beschadigd, onbruikbaar gemaakt;.\n\nHetgeen meer of anders is tenlastegelegd, is niet bewezen. De verdachte moet daarvan worden vrijgesproken.\n\nBewijsvoering\n\nHet hof grondt zijn overtuiging dat de verdachte het bewezenverklaarde heeft begaan op de feiten en omstandigheden die in de bewijsmiddelen zijn vervat en die reden geven tot de bewezenverklaring.\n\nIn die gevallen waarin de wet aanvulling van het arrest vereist met de bewijsmiddelen dan wel, voor zover artikel 359, derde lid, tweede volzin, van het Wetboek van Strafvordering wordt toegepast, met een opgave daarvan, zal zulks plaatsvinden in een aanvulling die als bijlage aan dit arrest zal worden gehecht.\n\nStrafbaarheid van het bewezenverklaarde\n\nHet onder 3 bewezenverklaarde levert op\n\nopzettelijk en wederrechtelijk enig goed dat geheel of ten dele aan een ander toebehoort, vernielen.\n\nStrafbaarheid van de verdachte\n\nEr is geen omstandigheid aannemelijk geworden die de strafbaarheid van de verdachte uitsluit. De verdachte is dus strafbaar.\n\nStrafmotivering\n\nHet hof heeft de op te leggen straf bepaald op grond van de ernst van het feit en de omstandigheden waaronder dit is begaan en op grond van de persoon en de persoonlijke omstandigheden van de verdachte, zoals daarvan is gebleken uit het onderzoek ter terechtzitting.\n\nDaarbij heeft het hof in het bijzonder het volgende in aanmerking genomen.\n\nDe verdachte heeft zich op oudejaarsavond schuldig gemaakt aan vernieling van een prullenbak door hierop zwaar vuurwerk tot ontploffing te brengen. Een dergelijk feit is gevaarzettend en geschikt om gevoelens van angst en onveiligheid in de maatschappij teweeg te brengen. De verdachte heeft met zijn handelen de gemeente en daarmee de gemeenschap financiële schade berokkend en hij heeft hiermee overlast veroorzaakt.\n\nHet hof heeft acht geslagen op een de verdachte betreffend uittreksel Justitiële Documentatie van 1 juni 2026, waaruit blijkt dat de verdachte niet eerder voor een vergelijkbaar feit is veroordeeld.\n\nTen aanzien van de redelijke termijn als bedoeld in artikel 6, eerste lid, van het Europees Verdrag tot bescherming van de rechten van de mens en de fundamentele vrijheden (EVRM) overweegt het hof dat deze is aangevangen op 6 maart 2023. In eerste aanleg is de redelijke termijn niet overschreden. Het hof stelt vast dat de behandeling van de zaak in hoger beroep niet heeft plaatsgevonden binnen de daartoe gestelde redelijke termijn,. Namens de verdachte is immers op 4 juli 2023 hoger beroep ingesteld en het hof wijst op 8 juli 2026 eindarrest. De redelijke termijn van de berechting in hoger beroep is derhalve met meer dan één jaar overschreden. Het hof ziet, ook gelet op de duur van de procedure als geheel, aanleiding te volstaan met de constatering van dit verzuim, gelet op de gekozen strafmodaliteit en de hoogte van de op te leggen straf.\n\nHet hof is – alles afwegende – van oordeel dat een onvoorwaardelijke taakstraf van na te melden duur een passende en geboden reactie vormt. Anders dan de verdediging heeft bepleit acht het hof een geldboete, gelet op de context waarin en de wijze waarop de vernieling plaatsvond – tijdens de jaarwisseling en met (illegaal) vuurwerk – niet passend. Evenmin zal om die reden toepassing worden gegeven aan het bepaalde in artikel 9a van het Wetboek van Strafrecht.\n\nVorderingen tot schadevergoeding\n\nIn het onderhavige strafproces hebben tweeëntwintig verbalisanten zich als benadeelde partij gevoegd ter zake van het onder 2 ten laste gelegde. De benadeelde partijen [verbalisant 17] , [verbalisant 12] , [verbalisant 8] , [verbalisant 9] , [verbalisant 19] , [verbalisant 20] , [verbalisant 18] , [verbalisant 15] , [verbalisant 10] , [verbalisant 4] , [verbalisant 1] , [verbalisant 16] , [verbalisant 3] , [aspirant] , [verbalisant 7] , [hoofdagent] , [verbalisant 14] , [verbalisant 5] en [verbalisant 6] vorderen per persoon een vergoeding van € 350,00 aan immateriële schade. De benadeelde partijen [verbalisant 13] en [verbalisant 11] vorderen per persoon een vergoeding van € 400,00 aan immateriële schade en de benadeelde partij [verbalisant 2] vordert een vergoeding van € 750,00 aan immateriële schade.\n\nNu de verdachte ter zake van het onder 2 tenlastegelegde wordt vrijgesproken, zullen de benadeelde partijen niet-ontvankelijk worden verklaard in hun vordering.\n\nGelet daarop zullen de benadeelde partijen worden veroordeeld in de kosten die de verdachte tot aan deze uitspraak in verband met de verdediging tegen die vorderingen heeft moeten maken, welke kosten het hof vooralsnog begroot op nihil.\n\nToepasselijke wettelijke voorschriften\n\nHet hof heeft gelet op de artikelen 9, 22c, 22d en 350 van het Wetboek van Strafrecht, zoals zij rechtens gelden dan wel golden.\n\nBESLISSING\n\nHet hof:\n\nVerklaart de verdachte niet-ontvankelijk in het hoger beroep, voor zover gericht tegen de beslissing ter zake van het onder 1 tenlastegelegde.\n\nVernietigt het vonnis waarvan beroep voor zover thans aan het oordeel van het hof onderworpen en doet in zoverre opnieuw recht:\n\nVerklaart niet bewezen dat de verdachte het onder 2 tenlastegelegde heeft begaan en spreekt de verdachte daarvan vrij.\n\nVerklaart, zoals hiervoor overwogen, bewezen dat de verdachte het onder 3 tenlastegelegde heeft begaan.\n\nVerklaart niet bewezen hetgeen de verdachte meer of anders is tenlastegelegd dan hierboven is bewezenverklaard en spreekt de verdachte daarvan vrij.\n\nVerklaart het onder 3 bewezenverklaarde strafbaar, kwalificeert dit als hiervoor vermeld en verklaart de verdachte strafbaar.\n\nVeroordeelt de verdachte tot een taakstrafvoor de duur van60 (zestig) uren, indien niet naar behoren verricht te vervangen door30 (dertig) dagen hechtenis.\n\nBeveelt dat de tijd die door de verdachte vóór de tenuitvoerlegging van deze uitspraak in enige in artikel 27, eerste lid, van het Wetboek van Strafrecht bedoelde vorm van voorarrest is doorgebracht, bij de uitvoering van de opgelegde taakstraf in mindering zal worden gebracht, volgens de maatstaf van 2 uren taakstraf per in voorarrest doorgebrachte dag, voor zover die tijd niet reeds op een andere straf in mindering is gebracht.\n\nVordering van de benadeelde partijen:\n\n- [verbalisant 17] ,\n\n- [verbalisant 12] ,\n\n- [verbalisant 13] ,\n\n- [verbalisant 8] ,\n\n- [verbalisant 9] ,\n\n- [verbalisant 19] ,\n\n- [verbalisant 20] ,\n\n- [verbalisant 11]\n\n- [verbalisant 18] ,\n\n- [verbalisant 15] ,\n\n- [verbalisant 10] ,\n\n- [verbalisant 4] ,\n\n- [verbalisant 1] ,\n\n- [verbalisant 16] ,\n\n- [verbalisant 3] ,\n\n- [verbalisant 2]\n\n- [aspirant] ,\n\n- [verbalisant 7] ,\n\n- [hoofdagent] ,\n\n- [verbalisant 14] ,\n\n- [verbalisant 5] , en\n\n- [verbalisant 6]\n\nVerklaart de hiervoor genoemde benadeelde partijen telkens niet-ontvankelijk in hun vordering tot schadevergoeding.\n\nVeroordeelt de hiervoor genoemde benadeelde partijen telkens in de door verdachte gemaakte kosten en begroot deze telkens op nihil.\n\nDit arrest is gewezen door mr. F.W. Pieters, als voorzitter, mr. E.C. van Veen en mr. M.C. Bruining, leden, in bijzijn van de griffier mr. V.V. de Lange.\n\nHet is uitgesproken op de openbare terechtzitting van het hof van 8 juli 2026.","https:\u002F\u002Fdeeplink.rechtspraak.nl\u002Fuitspraak?id=ECLI:NL:GHDHA:2026:2250","ecli-nl-ghdha-2026-2250",{"courtName":52,"legalDomain":53,"decisionType":32,"procedureType":33},"Den Haag","Strafrecht",{"id":55,"ecli":56,"caseNumber":14,"courtId":57,"courtName":14,"decisionDate":23,"fullText":58,"language":25,"source":26,"sourceUrl":59,"summary":14,"slug":60,"metadata":61},"348","ECLI:NL:RBDHA:2026:18721",65,"RECHTBANK DEN HAAG\n\nZittingsplaats Groningen\n\nBestuursrecht\n\nzaaknummer: NL26.20806\n uitspraak van de enkelvoudige kamer in de zaak tussen\n \n [naam], eiseres,\n\nV-nummer: [v-nummer:],\n\n(gemachtigde: mr. I.M. Zuidhoek),\n\nen\n\nde minister van Asiel en Migratie, de minister.\n\nInleiding\n\n1. In deze uitspraak beoordeelt de rechtbank het beroep van eiseres tegen het niet in behandeling nemen van de aanvraag tot het verlenen van een verblijfsvergunning asiel voor bepaalde tijd. De minister heeft de aanvraag met het bestreden besluit van 7 april 2026 niet in behandeling genomen omdat daarvoor Frankrijk verantwoordelijk is.\n\n1.1.. De rechtbank doet op grond van artikel 8:54 van de Algemene wet bestuursrecht (Awb) uitspraak zonder zitting.\n\nBeoordeling door de rechtbank\n\n2. De rechtbank beoordeelt het niet in behandeling nemen van de asielaanvraag van eiseres. Zij doet dat mede aan de hand van de argumenten die eiseres heeft aangevoerd, de beroepsgronden.\n\n3. De rechtbank verklaart het beroep ongegrond. Dat betekent dat eiseres ongelijk krijgt en het bestreden besluit in stand blijft. Hierna legt de rechtbank uit hoe zij tot dit oordeel komt en welke gevolgen dit oordeel heeft.\n\nToepasselijk recht\n\n4. Op deze zaak is het recht van toepassing dat gold vóór 12 juni 2026.\n\nTotstandkoming van het besluit\n\n5. De Europese Unie heeft gezamenlijke regelgeving over het in behandeling nemen van asielaanvragen. Die staat in de Dublinverordening.Op grond van de Dublinverordening neemt de minister een asielaanvraag niet in behandeling als is vastgesteld dat een andere lidstaat verantwoordelijk is voor de behandeling daarvan.In dit geval heeft Nederland bij Frankrijk een verzoek om terugname gedaan. Frankrijk heeft dit verzoek aanvaard.\n\nMag de minister ten opzichte van Frankrijk uitgaan van het interstatelijk vertrouwensbeginsel?\n\n6. Eiseres stelt zich op het standpunt dat er in Frankrijk voor haar een onveilige situatie zal optreden. Dit is het gevolg van de aanwezigheid van veel Libanezen in Frankrijk, waaronder ook de familie van haar moeder die haar eerder al bedreigde. Bovendien heeft eiseres in Nederland een community gevonden waar zij zich veilig bij voelt en in Frankrijk heeft zij niemand, dit is voor haar een angstaanjagend vooruitzicht. Dit terwijl in Nederland er een sterke en diverse LHBT-gemeenschap is waar zij zich veilig voelt. Volgens eiseres is er in Frankrijk bovendien nog steeds een groot probleem met betrekking tot de opvang van asielzoekers. Ze verwijst naar het AIDA-rapport over Frankrijk, update 2024.Er is een tekort aan opvangplekken en eiseres loopt bij terugkeer een reëel risico om in een situatie van materiële deprivatie terecht te komen. Volgens eiseres is het bestreden besluit niet zorgvuldig voorbereid en berust het evenmin op een deugdelijke motivering.\n\n6.1.. De beroepsgrond slaagt niet. Naar het oordeel van de rechtbank mag de minister ten aanzien van Frankrijk uitgaan van het interstatelijk vertrouwensbeginsel. De Afdelingheeft meermaals bevestigd dat ten aanzien van Frankrijk in algemene zin kan worden uitgegaan van het interstatelijk vertrouwensbeginsel. Hierbij is ook het AIDA rapport, update 2024, betrokken. De rechtbank overweegt ambtshalve dat ook het recente AIDA rapport, update 2025, geen wezenlijk ander beeld geeft van de opvangvoorzieningen in Frankrijk dan de informatie die is betrokken door de Afdeling in eerdere uitspraken.\n\n6.2.. Uit de AIDA rapporten blijkt niet dat sprake is van structurele tekortkomingen in de opvang of asielprocedure, ook niet ten aanzien van de LHTBI-gemeenschap. Eiseres heeft bovendien niet aannemelijk gemaakt dat zij bij overdracht aan Frankrijk persoonlijk geen opvang, rechtsbescherming of toegang tot de procedure zal krijgen. Eiseres heeft niet eerder een asielaanvraag in Frankrijk ingediend waardoor zij geen persoonlijke ervaring heeft met de kwaliteit van de asielprocedure en de opvangvoorzieningen in Frankrijk.\n\n6.3.. Naar het oordeel van de rechtbank heeft de minister zich niet ten onrechte op het standpunt gesteld dat eiseres niet aannemelijk heeft gemaakt dat sprake is van bijzondere, individuele omstandigheden op basis waarvan de minister de aanvraag toch zou moeten behandelen.\n\nConclusie en gevolgen\n\n7. Het beroep is kennelijk ongegrond. Dat betekent dat het bestreden besluit in stand blijft en eiseres overgedragen kan worden aan Frankrijk. Eiseres krijgt geen vergoeding van haar proceskosten.\n\nBeslissing\n\nDe rechtbank verklaart het beroep ongegrond.\n\nDeze uitspraak is gedaan door mr. A. Sibma, rechter, in aanwezigheid van mr. S. Strating, griffier, en openbaar gemaakt door middel van gepseudonimiseerde publicatie op rechtspraak.nl.\n\nDe uitspraak is openbaar gemaakt en bekendgemaakt op:\n\nInformatie over verzet\n\nAls partijen het niet eens zijn met deze uitspraak, kunnen zij een verzetschrift sturen naar de rechtbank waarin zij uitleggen waarom zij het niet eens zijn met deze uitspraak. Het verzetschrift moet worden ingediend binnen zes weken na de dag waarop deze uitspraak is verzonden. Als partijen graag een zitting willen om het verzetschrift toe te lichten, moeten zij dit in het verzetschrift vermelden.\n\n Zie artikel 84 van de Asiel- en migratiebeheerverordening inzake het overgangsrecht.\n\n Verordening (EU) nr. 604\u002F2013.\n\n Dit staat ook in artikel 30, eerste lid, van de Vreemdelingenwet 2000.\n\n Update 2024 van juni 2025.\n\n Afdeling bestuursrechtspraak van de Raad van State.\n\n Update 2025 van mei 2026.\n\n Zie ook de uitspraak van deze rechtbank, zittingsplaats Arnhem, van 3 juli 2026. (ECLI:NL:RBDHA:2026:18469, r.o. 7.1) en de uitspraak van deze rechtbank, zittingsplaats Middelburg, van 25 juni 2026 (ECLI:NL:RBDHA:2026:17711).","https:\u002F\u002Fdeeplink.rechtspraak.nl\u002Fuitspraak?id=ECLI:NL:RBDHA:2026:18721","ecli-nl-rbdha-2026-18721",{"courtName":62,"legalDomain":63,"decisionType":32,"procedureType":33},"Groningen","Bestuursrecht; Vreemdelingenrecht",{"id":65,"ecli":66,"caseNumber":14,"courtId":67,"courtName":14,"decisionDate":23,"fullText":68,"language":25,"source":26,"sourceUrl":69,"summary":14,"slug":70,"metadata":71},"418","ECLI:NL:RBDHA:2026:18726",61,"RECHTBANK DEN HAAG\n\nZittingsplaats Rotterdam\n\nBestuursrecht\n\nzaaknummer: NL26.36068uitspraak van de enkelvoudige kamer in de zaak tussen\n\n [naam eiser] , eiser\n\nV-nummer: [V-nummer]\n\n(gemachtigde: mr. J.S. Dobosz),\n\nen\n\nde minister van Asiel en Migratie, verweerder\n\n(gemachtigde: mr. C. van der Zijde).\n\nSamenvatting\n\n1. Deze uitspraak gaat over de maatregel van vreemdelingenbewaring die aan eiser is opgelegd. Deze maatregel is opgelegd op grond van artikel 59, eerste lid, aanhef en onder a, van de Vreemdelingenwet 2000. Eiser is het niet eens met die maatregel. Hij voert daartegen een beroepsgrond aan. Onder meer aan de hand van deze beroepsgrond beoordeelt de rechtbank de rechtmatigheid van die maatregel en de vraag of aan eiser een schadevergoeding moet worden toegekend.\n\n1.1.. De rechtbank komt in deze uitspraak tot het oordeel dat het beroep gegrond is. Het opleggen van de maatregel van vreemdelingenbewaring is onrechtmatig. De rechtbank kent daarom een schadevergoeding toe. Hieronder legt de rechtbank uit hoe zij tot dit oordeel komt en welke gevolgen dit heeft.\n\n1.2.. In deze uitspraak gebruikt de rechtbank de volgende afkortingen voor de wet- en regelgeving:\n\nAwb: Algemene wet bestuursrecht\n\nVw: Vreemdelingenwet 2000\n\nVb: Vreemdelingenbesluit 2000\n\nProcesverloop\n\n2. Met het bestreden besluit van 29 juni 2026 heeft verweerder aan eiser de maatregel van vreemdelingenbewaring opgelegd en de rechtbank daarvan in kennis gesteld.\n\n2.1.. Deze kennisgeving wordt gelijkgesteld met een door eiser ingesteld beroep. Het beroep wordt ook aangemerkt als een verzoek om schadevergoeding.\n\n2.2.. De rechtbank heeft het beroep op 7 juli 2026 op zitting behandeld. Hieraan hebben deelgenomen: eiser, de gemachtigde van eiser, K.A. Ozdzinska als tolk en de gemachtigde van verweerder.\n\nBeoordeling door de rechtbank\n\nToetsingskader\n\n3. Verweerder kan als het belang van de openbare orde of de nationale veiligheid dat vordert, de vreemdeling die geen rechtmatig verblijf heeft in vreemdelingenbewaring stellen.Verweerder stelt een vreemdeling slechts in vreemdelingenbewaring, voor zover geen minder dwingende maatregelen doeltreffend kunnen worden toegepast en de vreemdelingenbewaring blijft achterwege of wordt beëindigd, indien deze niet langer noodzakelijk is met het oog op het doel van de vreemdelingenbewaring.Deze vreemdeling kan in vreemdelingenbewaring worden gesteld op grond dat het belang van de openbare orde of nationale veiligheid zulks vordert, indien a) een onderduikrisico bestaat, of b) de vreemdeling de voorbereiding van het vertrek of de uitzettingsprocedure ontwijkt of belemmert.De maatregel kan alleen worden opgelegd wegens het bestaan van een onderduikrisico, indien ten minste twee van de gronden, genoemd in artikel 5.6, tweede lid, van het Vb zich voordoen.\n\nGronden\n\n4. Eiser heeft de gronden die aan de maatregel ten grondslag zijn gelegd niet bestreden. De gronden, die de ambtshalve toetsing van de rechtbank doorstaan, zijn tezamen voldoende om de maatregel van bewaring te kunnen dragen.\n\nRechtmatig verblijf\n\n5. Eiser heeft aangevoerd dat er sprake is van een rechtmatig verblijf van eiser in Nederland op grond van artikel 7 van de Richtlijn 2004\u002F38\u002FEG. Eiser is een maand voorafgaand aan de onderhavige zaak opgehouden op 3 juni 2026. Hij heeft ter onderbouwing het proces-verbaal van ophouding overgelegd. Op deze dag is onderzoek gedaan naar de arbeidssituatie van eiser. Gebleken is dat eiser arbeid verricht voor een Nederlands uitzendbureau en beschikte over een arbeidscontract. Eiser is vervolgens heengezonden wegens bestendig verblijf. Verweerder kon ten aanzien van de onderhavige maatregel van bewaring op 29 juni 2026 niet zonder meer terugvallen op het standpunt dat sprake is van voortgezet onrechtmatig verblijf. Dit is onverenigbaar met de bevinding op 3 juni 2026. De maatregel van bewaring is dan ook onvoldoende zorgvuldig voorbereid en onvoldoende gemotiveerd.\n\n5.1.. Verweerder heeft aan de maatregel ten grondslag gelegd dat eiser geen rechtmatig verblijf in Nederland heeft, nu zijn verblijfsrecht als Unieburger bij beschikking van 6 maart 2025 is beëindigd. De rechtbank stelt voorop dat de enkele omstandigheid dat het verblijfsrecht van een Unieburger eerder is beëindigd, niet zonder meer meebrengt dat deze op een later moment geen rechten meer aan het Unierecht kan ontlenen. Indien sprake is van gewijzigde feiten en omstandigheden dient verweerder de verblijfsrechtelijke positie van de betrokkene opnieuw te beoordelen alvorens tot het oordeel te komen dat hij geen rechtmatig verblijf heeft.\n\n5.2.. De rechtbank oordeelt als volgt. In de maatregel van bewaring is vermeld dat eiser heeft verklaard werkzaam te zijn voor een Nederlands uitzendbureau en dit ook heeft aangetoond, dat eiser werkzaam is in België waar hij ook wordt voorzien van woonruimte door de werkgever en dat hij in België mag verblijven. Naar het oordeel van de rechtbank vormen deze omstandigheden concrete aanwijzingen dat de feitelijke situatie van eiser sinds de beschikking van 6 maart 2025 is gewijzigd. Van verweerder mocht daarom worden verwacht dat hij kenbaar zou onderzoeken welke betekenis deze gewijzigde omstandigheden hebben voor de actuele verblijfsrechtelijke positie van eiser. Uit de maatregel van bewaring, het gehoor voorafgaand aan deze maatregel en de overige stukken in het dossier is niet gebleken dat een dergelijk onderzoek heeft plaatsgevonden. Daarbij betrekt de rechtbank dat uit het proces-verbaal van ophouding van eiser op 3 juni 2026 blijkt dat eiser is heengezonden, omdat sprake was van ‘mogelijk bestendig verblijf’. Uit het proces-verbaal van verhoor op die dag blijkt dat het werken voor een Nederlands uitzendbureau hier ook aan de orde is geweest. Vervolgens wordt nog geen maand later in de onderhavige maatregel van bewaring zonder kenbare motivering aangenomen dat eiser geen rechtmatig verblijf heeft. Niet valt in te zien waarom verweerder er zonder nader onderzoek van uit heeft kunnen gaan dat eiser geen aan het Unierecht ontleend verblijfsrecht had. De motivering dat eiser geen rechtmatig verblijf heeft, is onder deze omstandigheden onvoldoende draagkrachtig. Gelet hierop is de maatregel in strijd met artikel 3:2 en 3:46 van de Awb tot stand gekomen en is dan ook onrechtmatig. Deze beroepsgrond slaagt.\n\nConclusie en gevolgen\n\n6. Het beroep tegen de maatregel van vreemdelingenbewaring is gegrond. Deze maatregel is vanaf het moment van het opleggen daarvan onrechtmatig. De rechtbank beveelt de opheffing van deze maatregel met ingang van vandaag.\n\n6.1.. Op grond van artikel 106 van de Vw kan de rechtbank indien zij de opheffing van de maatregel van vreemdelingenbewaring beveelt aan eiser een schadevergoeding ten laste van de Staat toekennen. De rechtbank acht gronden aanwezig om een schadevergoeding toe te kennen voor 10 dagen onrechtmatige (tenuitvoerlegging van de) vreemdelingenbewaring ten bedrage van 0 x € 160,- (verblijf politiecel) en 10 x € 120,- (verblijf detentiecentrum) = € 1.200,-.\n\n6.2.. Eiser krijgt een vergoeding van zijn proceskosten. Verweerder moet deze vergoeding betalen. Deze vergoeding bedraagt € 1.868,- omdat de gemachtigde van eiser geacht wordt beroep te hebben ingesteld en aan de zitting heeft deelgenomen. Verder zijn er geen kosten gemaakt die vergoed kunnen worden.\n\nBeslissing\n\nDe rechtbank:\n\n- verklaart het beroep gegrond;\n\n- veroordeelt de Staat der Nederlanden tot het betalen van € 1.200,- aan schadevergoeding aan eiser, te betalen door de griffier en beveelt de tenuitvoerlegging van deze schadevergoeding;\n\n- beveelt de opheffing van de maatregel van vreemdelingenbewaring met ingang van vandaag;\n\n- veroordeelt verweerder tot betaling van € 1.868,- aan proceskosten aan eiser.\n\nDeze uitspraak is gedaan door mr. S.N. Abdoelkadir, rechter, in aanwezigheid van mr. M. Stehouwer, griffier.\n\nUitgesproken in het openbaar en bekendgemaakt op:\n\nInformatie over hoger beroep\n\nEen partij die het niet eens is met deze uitspraak, kan een hogerberoepschrift sturen naar de Afdeling bestuursrechtspraak van de Raad van State waarin wordt uitgelegd waarom deze partij het niet eens is met de uitspraak. Het hogerberoepschrift moet worden ingediend binnen één week na de dag waarop deze uitspraak is verzonden of na de dag van plaatsing daarvan in het digitale dossier.\n\n Het beroep tegen een maatregel van bewaring wordt ook aangemerkt als een verzoek om toekenning van schadevergoeding. Dit volgt uit artikel 106, eerste lid, van de Vw.\n\n Dit volgt uit artikel 106, eerste lid, van de Vw.\n\n Dit volgt uit artikel 59, eerste lid, aanhef en onder a, van de Vw.\n\n Dit volgt uit artikel 59c van de Vw.\n\n Dit volgt uit artikel 5.5 van het Vb.\n\n Dit volgt uit artikel 5.6, eerste lid, van het Vb.","https:\u002F\u002Fdeeplink.rechtspraak.nl\u002Fuitspraak?id=ECLI:NL:RBDHA:2026:18726","ecli-nl-rbdha-2026-18726",{"courtName":72,"legalDomain":63,"decisionType":32,"procedureType":33},"Rotterdam"]